Seine Optik ist Geschmackssache, aber über
Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. An die A-Klasse haben wir uns auch gewöhnt
und der Audi A2 hat ja nun wenigstens ansatzweise eine Motorhaube. Und er fällt definitiv
auf im Verkehr. Was er unter dem Blechkleid zu bieten hat, erfuhren wir in einem Testwagen
in Atlantikblau Perleffekt mit 1,4-Liter-TDI (75 PS). Der Benziner verfügt ebenfalls
über 1,4 Liter Hubraum und 75 PS. Neu im Programm ist jetzt der 3-Liter-A2 mit dem aus
dem Lupo bekannten 1,2-Liter-TDI (61 PS).

Die Sitzposition ist hoch, mit 1,55 m Höhe
ist der A2 aber noch kein richtiger Van. Seine 3,82 m Länge und 1,67 m Breite verheißen
Kleinwagenmäßigen Platz auf allen vier Sitzen. Zwei Einzelsitze auf der mittig geteilten
Rückbank lassen auch die Fondpassagiere kommod reisen. Trotz des früh abfallenden Daches
und der hohen Sitze haben hinten auch größere Leuten ausreichend Kopfraum. Als
Sonderausstattung ist auch eine Rücksitzbank mit drei Sitzen, drei Kopfstützen und
Beckengurt in der Mitte zu haben. Diese ist dann allerdings nur noch komplett umklapp- und
ausbaubar.

Das Cockpit ist eine graue Kunststoffwüste,
da ist man von Audi ansprechenderes gewöhnt. Immerhin wirkt der Kunststoff nicht billig
und ist gut verarbeitet. Das Armaturenbrett ist bedienerfreundlich und erlaubt, beim
Fahren den Blick auf der Straße zu lassen.

Die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen,
aber vieles ist nur gegen Aufpreis zu haben. Elektrisch einstellbare Außenspiegel,
Zentralverriegelung, Wärmeschutzverglasung, Entriegelung der Heckklappe auf Knopfdruck
(hochheben muss man sie allerdings noch selber), Kindersicherung in den hinteren Türen,
elektrische Fensterheber vorne, abdeckbare Innenspiegel in den Sonnenblenden, zwei
Isofix-Kindersitzvorrüstungen auf den Rücksitzen, Kopfstützen für alle (vier
serienmäßigen) Sitzplätze, Rücksitzbank mit zwei variablen Einzelsitzen (getrennt
klapp- und ausbaubar) gehören zur Serienausstattung.

Der Kofferraum ist nicht besonders geräumig.
Die 390 Liter Laderaum schließen wohl die Ladewanne unterhalb des doppelten Bodens (noch
einmal 17 18 cm mehr Ladetiefe) mit ein, denn was darüber an Laderaum übrig
bleibt, reicht zwar für zwei Einkaufskisten, nicht aber für den großen Einkaufskorb,
der selbst im etwas schmaleren Opel Agila (1,62 m Breite, 240 Liter Laderaum) problemlos
daneben zu verstauen ging. Nun gut, dafür ist der A2 ein Premium-Kleinwagen ...
Mit nach vorne geklappten Rücksitzlehnen
entsteht eine ziemlich ebene Ladefläche, doppelt nach vorne geklappt (oder komplett
ausgebaut) und mit entferntem doppeltem Laderaumboden ist wiederum ein noch größeres
Volumen ebenfalls völlig eben beladbar. Bis zu 1.140 Liter stehen bei dachhoher Beladung
zur Verfügung. Zwischen fast 1,20 und 1,40 m Ladetiefe stehen mit doppelt geklappten bzw.
ausgebauten Rücksitzen zur Verfügung. Bis zu 55 cm sind es mit Rücksitzen. Die
Ladebreite ist jedoch mit 95 cm nicht gerade üppig, die Ladekante mit 70 cm recht hoch.

Wenn man sich erst mal an den Motor gewöhnt
hat, reicht Antritt und Durchzug für den flotten Stadtverkehr, aber auch auf Landstraßen
völlig aus. Auf Autobahnen ist er innerhalb seiner Möglichkeiten für zügige
Überholmanöver gut, hat aber seinerseits bereits gegenüber den meisten Kompakten das
Nachsehen. Er läuft etwas rau und ist auch warmgelaufen nicht gerade leise. Aus
Gewichtsgründen ist der A2 nämlich zum Innenraum hin nicht so üppig gedämmt. Steht man
neben dem Wagen, macht sich der Motor weniger bemerkbar.
Mit der leichten Alukarosserie hat der Motor
ziemlich leichtes Spiel. Nach kurzer Turbogedenksekunde sprintet er los. Fast schon
temperamentvoll fährt sich der Kleine schon aus niedrigen Drehzahlen heraus, auch das
Fahrwerk stellt den Fahrer kaum vor Probleme.
Mit seinen 75 Pferdchen unter der Motorhaube
sprintet der A2 in 12,3 Sekunden von 0 auf Hundert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt wie
beim gleich starken Benziner bei 173 km/h, allerdings ist der Verbrauch beim TDI
niedriger. 5.6 Liter Diesel je 100 km in der Stadt, 3,5 Liter außerhalb und 4,3 Liter im
gemischten Verbrauch nach EU-Norm (alles Herstellerangaben), zumindest, wenn man sich mit
dem Gasfuß zurückhält. Wer den spontanen Antritt mit dem Gaspedal sucht, verbraucht
unweigerlich mehr.
Sehr gewöhnungsbedürftig ist die manuelle
Fünfgang-Schaltung. Die Bremsen (Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten) bringen mit
Winterbereifung 155/65er statt Sommerreifenformat 175/60 keine
Glanzleistung.

Die Zahlstangenlenkung mit
elektrohydraulischer Servounterstützung ist schön direkt ausgelegt und präzise, was
trotz der hohen Karosserie für eine Portion Fahrfreude gut ist. Dank der sehr straffen
Fahrwerksabstimmung neigt sich der kleine Audi in den Kurven nur wenig zur Seite und
meistert sie, ohne den Fahrer vor große Probleme zu stellen. Er neigt im Grenzbereich zum
leichten Untersteuern, liegt aber über einen weiten Bereich überaus neutral auf der
Straße, ohne sich von schnellen Kurven groß beeindrucken zu lassen. Wenn es doch einmal
zu schnell in die Kurve geht geht, greift das ESP ein, bevor es brenzlig wird.
Nägel mit Köpfen haben die Audi-Entwickler
auch in punkto Sicherheit mit dem Fahrwerk gemacht. Agil tänzelt der Fronttriebler
Schlangenlinien über den Asphalt, ohne große Seitenneigung oder ein Aufschaukeln der
Karosserie. So trotz auch ein hochgewachsenes Auto locker jedem Elch. Die straffe
Abstimmung lässt allerdings kaum Raum für komfortable Fahrt auf schlechten Straßen. Im
Fahrverhalten neutral, dank der kurzen Karosserie und des kurzen Radstandes (2,40 m)
fährt er sich außerordentlich wendig. Beim Fahren auf kurvigen Strecken ist er ganz in
seinem Element und für jede Menge Spaß gut.
An Sicherheitsausstattung lässt Audi sich
auch bei seinem Kleinsten im Stall nicht lumpen: eine hochfeste Aluminiumkarosserie mit
Seitenaufprallschutz in den Türen, vier Airbags für die Frontpassagiere gibt es ebenso
serienmäßig (gegen Aufpreis auch Sidebags) wie Isofix hinten, vier
Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und vier Kopfstützen. Die aktive Fahrsicherheit unterstützen
ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, die Antriebsschlupfregelung ASR, die
elektronische Differentialsperre EDS und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP.

Der A2 ist preislich gegen die A-Klasse
positioniert. Dafür darf der Käufer dann auch rund 31.978 Mark für den Benziner oder
fast 34.912 Mark für den TDI auf den Tisch legen. Der ähnlich große Mazda Demio, der
nicht in der Premium-Liga mitspielen will, ist allerdings schon ab knappen 22.000 Mark zu
haben...
Die bislang schlechten Verkaufszahlen zeigen,
dass der Markt den Premium-Preis nicht hergibt. Zumal sich diverse Extras zum Grundpreis
noch hinzu addieren: Perleffekt- oder Metallic-Lackierung (821 Mark), Fernbedienung für
die Zentralverriegelung (450 Mark), Diebstahlwarnanlage (479 Mark), Sideguard-Kopfairbags
(753 Mark), Außenspiegel und Türgriffe in Wagenfarbe (156 Mark), das
Fahrerinformationssystem FIS (450 Mark), elektrische Fensterheber hinten (469 Mark),
Sitzhöhenverstellung für die Frontsitze (196 Mark), Sitzheizung (587 Mark),
Gepäckraumabdeckung (156 Mark), doppelter Gepäckraumboden (235 Mark), Fußmatten vorne
und hinten (108 Mark), Klimaautomatik (2.543 Mark), Lederlenkrad, Schalthebelknauf und
-manschette (323 Mark), beleuchtete Spiegel in de Sonnenblenden von Fahrer und Beifahrer
(127 Mark), Nebelscheinwerfer (264 Mark), Radio mit CD-Wechsler (1320 plus 724 Mark),
Scheinwerferreinigungsanlage (391 Mark), Winterpaket (Außenspiegel und Waschdüsen
beheizbar, 176 Mark), die Stoffausstattung Satellit (352 Mark) und Leichtmetallräder (ab
509 Mark).

Die Versicherungseinstufungen (KH / VK / TK)
16/14/25 für den Diesel, 12/11/18 für den Benziner liegen auf
verhältnismäßig günstigem Niveau.
Audi gibt ein Jahr Gewährleistung auf den Wagen sowie alle
beim Audi-Partner eingebauten Original-Ersatzteile sowie drei Jahre auf den Lack, eine
12-Jahres-Garantie für die Karosserie und eine LongLife-Mobilitätsgarantie beim
Einhalten der Wartungsintervalle. Der LongLife-Service erfolgt nach Service-Anzeige.
Abhängig von Einsatz und Fahrweise sind Laufzeiten von bis zu 30.000 km beim Benziner und
50.000 km beim TDI möglich. Mindestens alle zwei Jahre muss der A2 allerdings doch zur
Inspektion. |