
Mit seinen 4,48 m Länge und bis zu 1,85 m Breite ist der Audi A4 Avant schon eine
stattliche Erscheinung. Mit Wohlgefühl steigt man in den Mittelklasse-Kombi: Ledersitze,
Holzdekor, Lederlenkrad, das hat schon was. Wir fuhren einen 2,4-Liter-A4-Avant in der
Sonderlackierung Goodwoodgrün Perleffekt in sportlich-edler Pro-Line-Style-Ausstattung.
Fahrer und Beifahrer haben reichlich
Platz auf sportlich konturierten Ledersitzen. Bei groß gewachsenen Frontpassagieren geht
dies aber auf Kosten der Kniefreiheit der Fondinsassen. Ansonsten sitzt auch hinten nicht
als Hinterbänkler. Der mittlere Platz ist allerdings nur etwas für schmal Gebaute. Drei
Kopfstützen hinten, die mittlere ist leider nicht versenkbar, denn allzu häufig sollte
man sie nicht brauchen, selbst wenn Passagiere im Avant auch auf dem mittleren Sitz mit
Drei-Punkt-Gurt gesichert sind.

Handlich und gut handhabbar angeordnet
sind Schalter und Instrumente im Cockpit. Lediglich der Hebel hinterm Lenkrad für die
Scheinwerfer ist etwas gewöhnungsbedürftig. Klimaanlage, Sitzheizung, Navigationssystem,
Tempomat: die Ausstattung ließ kaum Wünsche offen. Ablageflächen und fächer gibt
es in den vorderen Türen, im Handschuhfach und in der Mittelarmlehne. Lediglich ein
geeignetes Fach für die Sonnenbrille fand sich nicht in der komplett voll gepackten
Mittelkonsole.
Der Kofferraum ist mit seinen 390 Litern
fast in rechteckiger Form gut nutzbar. Bis zu 1.250 Liter fasst er dachhoch bis zu den
Vordersitzen beladen. Die Rückbanklehne ist asymmetrisch geteilt umklappbar, mit dem
breiteren Stück rechts, was das Durchladen von breiten Gegenständen ermöglicht. Nahezu
eben ist die Ladefläche auch mit umgeklappter Rücksitzlehne. Die Ladekante ist mit 62 cm
angenehm niedrig, die Stufe von 9 cm dahinter erschwert natürlich das Einladen schwerer
und sperriger Güter. Die Ladebreite zwischen den Radkästen ist mit 93 cm nicht gerade
üppig bemessen, sollte für normale Ladung ausreichen.

Der 2,4-Liter-Sechszylinder mit 165 PS
ist hinter dem 2,8-Liter-Sechszylinder (193 PS) der zweitstärkste Antrieb der Baureihe.
Die quattro GmbH, der hauseigenen Tuner, hat allerdings auch noch einen verfeinerten
1,8-Liter-Turbo-Vierzylinder-Motor mit 180 PS im Angebot.
Der Sechszylinder-Fünfventiler in
unserem Testwagen überzeugt mit seiner laufruhigen und kultivierten Kraftentfaltung.
Kraftvoller Antritt und ein gutes Durchzugsvermögen über das volle Drehzahlspektrum
kennzeichnen seine enorme Leistungsfähigkeit. 230 Nm liegen bei 3.200/min. an der
Kurbelwelle an, mindestens 180 Nm sind es zwischen 1.500/min. und 6.300/min.
Die Motorleistung wird über ein
Fünfgang-Schaltgetriebe auf die Vorderräder in Vortrieb umgesetzt. In 8,6 Sekunden
sprintet der mit 1.435 kg Leergewicht nicht gerade zierliche Kombi von 0 auf 100. Sein
Antriebsschub endet bei einer Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h. Vor allem im
Stadtverkehr erweist er sich aber mit 13,6 Litern Superbenzin auf 100 km als
Schluckspecht. Im gemischten Verbrauch nach EU-Norm begnügt er sich mit 9,5 Litern
(Herstellerangaben).
Die Fünfgang-Schaltung macht Spaß:
Kurze, knackige Schaltwege, präzise Führung da könnte man fast bedauern, dass
man sie angesichts des durchzugsstarken Motors so selten braucht. Schaltfaules Fahren
nimmt der Kombi nicht übel, auch aus niedrigen Drehzahlen beschleunigt er zügig hoch.

Die Lenkung arbeitet präzise und
zielgenau, allerdings auch gerade im niedrigen Drehzahlbereich nicht gerade leichtgängig.
Das Rangieren in Parklücken ist trotz Servolenkung Schwerarbeit. Auch der Fahrbahnkontakt
lässt dank der Schwerfälligkeit der Karosserie zu wünschen übrig.
Die Bremsen (Scheibenbremsen rundum,
vorne innenbelüftet) sprechen schnell an, sind kräftig, verzögern gut dosierbar und
bringen die Karosserie bei einer Vollbremsung schnellstmöglich zum Stand.
Satt liegt der Mittelklasse-Kombi auf der
Straße, nicht eben begierig auf kurvige Strecken. Der Wendekreis ist nicht gerade klein,
aber noch okay. Einfache und doppelte Spurwechsel meistert er präzise, aber
schwerfällig. Gutmütig und problemlos ist sein Fahrverhalten, erst spät schiebt er dank
ESP-Unterstützung in zu schnellen Kurven über die Vorderräder. Aber auch bei
abgeschaltetem ESP bringt ihn schnelles Kurventempo nicht aus der Ruhe. Gas lupfen oder
plötzliches Gas geben in sehr schnellen Kurven quittiert er allerdings mit einem leicht
nach außen drängenden Heck.
Der Federungskomfort ist gut angesichts
der breiteren Reifen. 205/55er Reifen auf 16-Zoll-Aluminiumgussrädern hat der Pro Line
Style Audi serienmäßig. Allerdings neigt er bei schneller Fahrt auf schlechten Straßen
zum Stuckern. Auch der Geräuschpegel steigt mit dem Tempo ein wenig an.

Die Sicherheitsausstattung umfasst
Drei-Punkt-Sicherheitsgurte mit Gurtstraffer und Kopfstützen für alle fünf Sitze,
Isofix-Kindersitzvorrüstungen für die äußeren Fondplätze, vier Airbags für Fahrer
und Beifahrer, Sideguard (Kopfairbag-System für Front- und Fondpassagiere) serienmäßig.
Serienmäßig gibt es die Laderaumabdeckung, das Gepäcktrennnetz und Verzurrösen im
Laderaum, das Sicherungsnetz kostet allerdings extra. ESP ist beim 2.4 bzw. 2.8 ebenfalls
Serie. ABS und elektronische Bremskraftverteilung gibt es bei allen ohne Aufpreis. Die
vollverzinkte Karosserie verfügt zudem über Seitenaufprallschutz in den vier Türen. Vor
Zeitgenossen mit langen Fingern schützt eine Wegfahrsperre (Serie) sowie eine
Diebstahlwarnanlage (Aufpreis).
In der edlen Mittelklasse liegt der Audi
A4 Avant preislich unter der Konkurrenz aus München und Stuttgart. Die Aufpreisliste ist
jedoch lang. Einen Audi A4 Avant bekommt man ab 43.947,50 Mark. Der A4 Avant 2.4 steht ab
55.682,48 Mark in der Preisliste. In Euro sind es glatte Summen. Zur Vereinfachung sind
die folgenden D-Mark-Beträge gerundet.
Die Klimaautomatik, die geteilt
umklappbare Rückbanklehen (nur Avant) und Spiegel in den Sonnenblenden sind ab der
Basisausstattung Serie. Die Pro-Line-Style-Ausstattungslinie mit funkfernbedienter
Zentralverriegelung, Metallic- oder Perleffekt-Lackierung, Aluminium-Gussrädern,
Dachreling und Radio-Cassetten-System "concert" kostet 3.900 Mark Aufpreis. Die
Pro-Line-Sonderlackierung Goodwoodgrün Perleffekt schlägt mit weiteren 800 Mark zu
Buche, das Navigationssytem Plus mit 5.610 Mark.
Die weitere aufpreispflichtige
Ausstattung in unserem Testwagen umfasst Holzeinlagen statt Aluminium in der
Armaturentafel (685 Mark), ein Lederlenkrad (362), Ledersitze (3032), Fensterheber hinten
elektrisch (704), beheizte Außenspiegel (Winterpaket für 215 inkl. beheizten
Türschließzylinder), Sideguard (753), Geschwindigkeitsregelanlage (597), elektronische
Abstandshilfe fürs Einparken (626), beleuchtete Spiegel in beiden Sonnenblenden (127),
Mittelarmlehne vorne mit Staufach (254) , Sitzheizung vorne (636) sowie
Isofix-Kindersitzbefestigung auf den Außenplätzen hinten (78). Die verchromten
Zierleisten rund um die Seitenscheiben sind bei den Sechszylinder-Motoren Serie. Ein
Sicherungsnetz für das Ladegut (156), die Alarmanlage (694) und eine abnehmbare
Anhängerkupplung (1310) runden das Kombi-Outfit ab.

Die Versicherungseinstufungen liegen mit 16 / 18 / 26 (H
/ VK / TK) recht günstig. Audi gewährt ein Jahr Garantie auf den Wagen, drei Jahre auf
den Lack, zwölf Jahre auf die vollverzinkte Karosserie sowie ein Jahr auf alle beim
Audi-Service eingebauten Original-Teile. Dazu bieten die Ingolstädter eine
Longlilfe-Mobilitätsgarantie bei Einhalten der Inspektionsintervalle. |