Das Opel Coupé steht in einer langen
Tradition von Familiencoupés aus Rüsselsheim. Wer aber bei dem neuesten Spross an Mannis
alten Manta denkt, ist schief gewickelt. Italienisches Design, eine langgestreckte
Karosserie, hochwertige Materialien und tadellose Verarbeitung machen das auf dem Astra
basierende Coupé zu einem feinen Gefährt(en), mit dem man sich auch auf den
Prachtboulevards nicht zu verstecken braucht.

Die mittlere Motorisierung, ein
2,2-Liter-16V-Ottomotor mit 147 PS trieb unseren karbonschwarzen Testwagen an. Der auf 125
PS erstarkte 1.8 16V er ist der aktuelle Topmotor im Astra und der neue 2.0
16V Turbo mit 190 PS runden die Motorenpalette ab. Schwarz ist allerdings alles andere als
eine ideale Lackierung, da die Fahrzeugfront damit ziemlich finster dreinschaut.

Mit seinen 4,27 ist er 15,5 cm länger
als der Astra, 1,5 cm länger als das Astra Stufenheck und 2 cm kürzer als der Kombi.
Lang gestreckt, 1,39 m flach 3,5 cm flacher als die Limousinen und mit 1,71
m genau so breit. Unter diesem Maßen versteckt sich ein schickes Blechkleid.
Alu-Einstiegsleiten mit
Bertone-Schriftzug, schicke, straffe Sportsitze in Leder mit silbergrauem Alcantara, helle
Alcantara-Verkleidung an den Türen und schwarzes Cockpit mit metallgrauer Mittelkonsole
laden zum Einsteigen und Wohlfühlen. Die inneren Werte des sportlichen Viersitzers setzen
sich fort im aufgeräumten Cockpit, in dem kein Schalter zuviel, aber dafür auch alles
blind zu erreichen ist.
Die Ablagen sind im Cockpit allerdings
nicht gerade reichlich gesäht. In der Mittelkonsole ist mit Navigationsradio und
CD-Wechsler kein Platz mehr für ein einfaches Fach für die Sonnenbrille. Zwei
Ablagefächer in den Türen, das Handschuhfach, ein Fächlein links unter dem Lenkrad
sowie der Aschenbecher für den Kleinstkram des Nichtrauchers müssen den Frontpassagieren
zum Verstauen reichen.

Auf den zwei Sitzen hinten können auch
Erwachsene ganz gut sitzen, wenn die Frontpassagiere nicht zu viel Platz für ihre Beine
brauchen. Die Easy-Entry-Funktion verhilft den Hinterbänklern zu einem komfortablen
Einstieg. Familienqualitäten hat das Coupé aber nur bedingt. Wenn die Kinder größer
werden, sollte man sich wohl doch besser nach einem Kombi umsehen. Der Kofferraum ist mit
460 Liter Volumen gut zu gebrauchen, die erlaubte Zuladung von nur 387 kg reicht aber
nicht für das Familiengepäck auf Reisen.

Hinten ist das Coupé mit der elegant
ansteigenden Dachlinie allerdings etwas unübersichtlich. Eine Park-Distance-Control täte
ihm gut. Ein Original-Opel-Parkpilot kann nachträglich eingebaut werden und ist für
580,66 Mark zzgl. Einbaukosten zu haben.
Mit dem 2,2-Liter-Sechszehnventiler mit
147 PS ist das Coupé schon ausreichend motorisiert. Es ist nur wenig schwerer als der
Astra, was dem Motor leichtes Spiel lässt mit der Karosserie. Das Sportgetriebe ist für
sportlich doch recht lang abgestuft (die Astra-Sportgetriebe-Abstufung ist kürzer), was
sich ab dem zweiten Gang beim Durchzug ein wenig bemerkbar macht. Auch ein sportliches
Auto soll halt nicht so viel verbrauchen. Den Verbrauch im gemischten Zyklus nach EU-Norm
gibt Opel mit 8,4 Litern Superbenzin auf 100 km an, 12 Liter sind es in der Stadt, 6,3
Liter außerstädtisch und mit sportlichem Gasfuß ist doch etwas mehr.

Wenn man in unteren Gängen zur
kraftvollen Beschleunigung kräftig aufs Gas tritt und höhere Drehzahlregionen erklimmt,
macht sich der Sechszehnventiler mit einem sportlichen Brummen bemerkbar. In höheren
Gängen ist er auch bei höheren Drehzahlen ruhig, ein Muster an kultivierter Laufruhe,
keine Vibrationen, nur ein leises Säuseln, welches mit den relativ geringen
Windgeräuschen kaum in den Innenraum dringt. Antritt und Durchzugsvermögen sind dem
Coupé angemessen. Wer den großen Sportler raushängen lassen will, sollte zum
2-Liter-Turbo greifen. Eine Beschleunigung von Null auf Tempo 100 in 8,8 Sekunden ist für
den 2.2 ok, 218 km/h Spitze auch.
Serienmäßig verfügt das Coupé über
16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 205/50er Bereifung. Für die kalte Jahreszeit stand er auf
15-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 195/60er Winterreifen. Doch auch mit der schmaleren
Bereifung packen die Bremsen (Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet) kräftig zu
und haben leichtes Spiel, dem Vortrieb ein endgültiges und rasches Ende zu bescheren.

Sportlich direkt ist die Lenkung,
präzise folgt der Wagen den Lenkbefehlen des Fahrers. In Punkto Kurvenverhalten und
Handling zeigt der Abkömmling des Astra seine gute Kinderstube: leichtfüßig und
zielsicher tänzelt er auch um flott gefahrene Kurven, dass es richtig Spaß macht. Lange
bleibt sein Fahrverhalten neutral, bis er sich bei zu hohen Kurvengeschwindigkeiten mit
leichtem Untersteuern bemerkbar macht.
Mit Hilfe eines Sportfahrwerks ist er im
Vergleich zum Astra um 20 mm tiefer gelegt. In Verbindung mit der sportlich-straffen
Federung verleiht ihm das eine bodenständige Straßenlage, die dem Kurventänzer bei
allem Fahrspaß die nötigen Sicherheitsreserven garantiert. Klein und handlich erscheint
der agile Rüsselsheimer dem Fahrer bei plötzlichen Spurwechseln oder Ausweichmanövern,
so gar nicht nach fast 4,30 m.
Serienmäßig geschützt sind die
Insassen durch eine Sicherheitskarosserie mit Rammschutzträgern in den Türen,
verstärkte Säulen und Schweller, eine verwindungssteife Fahrgastzelle, vier Airbags und
aktive Kopfstützen vorne, höhenverstellbare Kopfstützen hinten,
Drei-Punkt-Sicherheitsgurte auf allen vier Sitzen, ABS, die Traktionskontrolle TC Plus,
das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (ab 2.2 Serie) und das bewährte
DSA-Sicherheitsfahrwerk.

Für Einsteiger gibt es das Opel Coupé
mit 1,8-Liter-Sechzehnventiler für 38.380 Mark. Für den 2.2 16V legt man zwar mit 42.900
Mark etwas mehr auf den Tisch, bekommt aber dafür weit mehr als nur einen stärkeren
Motor. Der Bordcomputer mit Check Control System und wahlweise CD-Radio bzw.
Cassetten-Radio sind dabei ebenso Serie wie die Klimaanlage (inkl. Fußraumheizung
hinten), ein Geschwindigkeitsregler und ESP. Als Serienausstattung hat Opel schon der
Basismotorisierung einiges mitgegeben: umfangreiche Sicherheitsfeatures,
Nebelscheinwerfer, Sportsitze vorne, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel
(in Wagenfarbe lackiert), elektrische Fensterheber, asymmetrisch geteilt umklappbar
Rücksitzlehne (wobei die rechte kurze "Hälfte" nur für schmales Ladegut
taugt), Seitenschutzleisten, Türgriffe und Seitenschutzleisten in Wagenfarbe,
Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und Wegfahrsperre. Extra kostete in unserem
Testwagen lediglich die Leder-/Alcantara-Ausstattung (3.250 Mark die
Lederausstattung gibt es übrigens für den gleichen Preis sogar mit Sitzheizung!), das
Winterpaket mit Scheinwerfer-Reinigungsanlage (515 Mark), das Navigationsradio mit
CD-Wechsler (2.275 Mark) sowie das Schiebe-/Ausstelldach (1.480 Mark). Damit liegt der
luxuriös ausgestattete Rüsselsheimer allerdings schon bei 50.420 Mark: ein stolzer Preis
für ein nobles Auto, aber etwas weniger Luxus tut es auch ...
Opel gewährt ein Jahr Garantie auf den
Wagen und alle beim Opel-Partner eingebauten Originalteile, drei Jahre auf die Batterie
und zwölf Jahre gegen Durchrostung und gibt eine Mobilitätsgarantie beim Einhalten der
Wartungsintervalle. Alle 30.000 km (oder einmal im Jahr) muss das Coupé zum Service in
die Werkstatt. Die Versicherungseinstufungen halten sich mit 18 / 20 / 34 (KH / VK/ TK) in
einem für ein Coupé gerade noch akzeptablem Rahmen. |