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Köln (ots) -
- Späte Spiele und Cocooning als Bremsfaktoren für Gastronomie in Deutschland
- Atradius Umfrage: Effekte der Fußballweltmeisterschaft für die Wirtschaft kaum
spürbar
Fußball-Fans fiebern der in 2 Tagen beginnenden Weltmeisterschaft in den USA,
Mexiko und Kanada entgegen. Doch in der Gastronomie ist die Euphorie eher
verhalten. "Die späten Spiele und der Trend zum Cocooning dürften allenfalls ein
Strohfeuer entfachen, aber keinen nachhaltig positiven Effekt für die Wirte und
Gastronomen haben", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland beim
internationalen Kreditversicherer Atradius. Die Gastronomie verzeichnete mit
mehr als 11.000 Pleiten, davon allein fast 3.000 im Jahr 2025, zuletzt
Rekord-Insolvenzen.
Die Gastronomiebranche kämpft bereits seit Jahren mit Herausforderungen, die
sich in jüngster Zeit verschärft haben. Einerseits beklagen Wirte und Brauereien
eine sinkende Konsumbereitschaft in Deutschland. So sank der Bierverbrauch nach
Angaben des Deutschen Brauer-Bundes seit 2018 von 99 Liter pro Kopf auf 84,3
Liter im vergangenen Jahr. Andererseits ist die Branche aufgrund von steigenden
Kosten für Personal, Energie, Lizenzen und Security zunehmend in der Defensive.
"Die Inflation sorgt zudem für eine gedämpfte Konsumlaune", so Frank Liebold
weiter. Profitieren werden aus seiner Sicht aber voraussichtlich der
Lebensmittel-Groß- und Einzelhandel sowie Snackhersteller. Für die
Fleischproduzenten sind die warmen Monate angesichts des saisonalen
Grillgeschäfts ohnehin ein guter Zeitraum.
Dass eine Fußball-Großveranstaltung für das Veranstaltungsland durchaus
wirtschaftliche Impulse bringen kann, zeigte die Europameisterschaft in
Deutschland 2024. Sie generierte laut Studien von Nielsen Sports und dem
Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 7,4
Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft. Ausländische Fans und Touristen
gaben Milliarden für Reisen, Unterkünfte und Gastronomie aus und der Absatz von
Fanartikeln, Lebensmitteln für private Grillabende und Fernsehern stieg spürbar.
"Ein solcher Effekt ist in diesem Jahr für Deutschland allerdings kaum zu
erwarten", glaubt Frank Liebold. Diese Einschätzung stützt eine aktuelle
Atradius-Kundenumfrage in der 87 Prozent der befragten Unternehmen davon
ausgehen, dass die WM keine oder nur teilweise positive Effekte auf die deutsche
Wirtschaft haben wird, während nur 13 Prozent davon ausgehen, dass die WM einen
wirtschaftlichen Impuls geben kann. Auch die sportlichen Erwartungen sind eher
vorsichtig optimistisch. Die meisten Befragten sehen die deutsche
Nationalmannschaft im Viertelfinale (39 Prozent) oder Achtelfinale (27 Prozent).
Ein Titelgewinn wird lediglich von knapp 5 Prozent für realistisch gehalten. Für
die diesjährigen Austragungsorte in den USA, Kanada und Mexiko gibt es die
wachsende Befürchtung, dass die wirtschaftlichen Effekte des Turniers hinter den
Erwartungen zurückbleiben werden. Die erwartete touristische Nachfrage blieb
aufgrund von hohen Flug- und Ticketpreisen aus.
Fußball-Weltverband FIFA der Gewinner dieser WM
Einen durchweg positiven Effekt durch die WM zeichnet sich für den
Weltfußballverband FIFA ab. In ihrem jüngsten Finanzbericht gab der Verband
bekannt, dass die FIFA in dem vierjährigen Zyklus bis zur Weltmeisterschaft
Einnahmen in Höhe von insgesamt 13 Milliarden US-Dollar erwartet, wovon rund
neun Milliarden US-Dollar in diesem Jahr erzielt werden sollen. Im Vergleich
dazu brachten die Olympischen Spiele in Paris im Jahr 2024 5,2 Milliarden
US-Dollar ein. Der enorme wirtschaftliche Schub für die FIFA liegt vor allem an
der Größe der Veranstaltung mit statt bisher 32 nun 48 Mannschaften und 104
Spielen. Für die FIFA als Organisator der Weltmeisterschaft, bedeutet dies mehr
zu vermarktende Übertragungsrechte, mehr zu verkaufende Tickets und mehr
Sponsoring-Kapazitäten, die monetarisiert werden können.
Wirtschaftliche Entwicklung und WM-Qualifikation
Die Zusammenhänge zwischen dem runden Leder und der globalen Wirtschaft sind
äußerst komplex. Nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) machen
die teilnehmenden Nationen rund zwei Drittel des globalen Bruttoinlandsprodukts
(BIP) aus. Die USA führen die Tabelle an und tragen 26,2 Prozent zum Gesamtwert
bei. Der erste Deutsche Vorrundengegner Curaçao (185.500 Einwohner) steuert
lediglich 0,003 Prozent bei. Auf den ersten Blick besteht ein klarer
Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und WM-Qualifikation. Denn
rund zwei Drittel der 48 Mannschaften, die sich für die WM 2026 qualifizierten,
sind Länder mit hohem oder oberem mittlerem Einkommen, während etwa ein Drittel
Länder mit unterem mittlerem Einkommen sind. Nur eine Handvoll fällt in die
Kategorie der, laut den Vereinten Nationen, am wenigsten entwickelten Länder.
Schaut man auf das Länderrisiko der qualifizierten Teilnehmer, fallen nach
Einschätzung von Atradius 24 teilnehmende Länder in die Kategorie "geringes
Risiko", elf weisen ein mittleres Risiko und 13 ein hohes Risiko auf. "Stärkere
wirtschaftliche Fundamentaldaten begünstigen zwar die Qualifikationschancen,
dennoch stellen erhöhte Risikoprofile einzelner Länder kein Hindernis für die
Teilnahme auf der globalen Bühne dar", sagt Frank Liebold. Eine weitere
Möglichkeit für Volkswirtschaften, Gewinne aus der Weltmeisterschaft zu
erzielen, ist - laut einer Studie der University aus Surrey im Vereinigten
Königreich - übrigens der Gewinn des Turniers.
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