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Hamburg (ots) - Schutz ja, Gesetze eher na ja: Eine internationale Ipsos-Studie,
die anlässlich des Pride Month in 26 Ländern durchgeführt wurde, zeigt Anzeichen
einer Trendwende in Deutschland. Zwar befürworten 74 Prozent der Deutschen den
Schutz von Lesben, Schwulen und Bisexuellen vor Benachteiligungen am
Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und beim Zugang zu Dienstleistungen - doch
entsprechende Gesetze, die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder
Geschlechtsidentität verbieten, unterstützen nur 45 Prozent. Beide
Zustimmungswerte sind im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte gesunken.
Vergleichsweise stabil bleibt die Haltung zur Ehe für alle: 70 Prozent der
Deutschen finden es richtig, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen
(-1 pp ggü. 2025). Weitere 9 Prozent lehnen die Ehe zwar ab, sprechen sich
jedoch für eine rechtliche Anerkennung aus - nur 8 Prozent lehnen jede Form der
Legitimierung ab.
Wachsende Skepsis gegenüber queerer Sichtbarkeit und Repräsentation
Wie offen queere Personen mit ihrer sexuellen Orientierung oder
Geschlechtsidentität umgehen sollten, bleibt umstritten. 44 Prozent und damit
etwa die Hälfte der Deutschen halten es für richtig, dass queere Personen
hinsichtlich sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität offen leben - ein
Minus von 2 Prozentpunkten gegenüber 2025.
- Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich sogar im hinteren Drittel
- noch hinter Ländern wie Irland (59 %), den USA (49 %) oder Polen (45 %)
sowie dem internationalen Durchschnitt (49 %).
Öffentliche Zuneigungsbekundungen queerer Menschen unterstützen nur 41 Prozent
der Deutschen - ein Rückgang um 3 Prozentpunkte gegenüber 2025. Eine stärkere
Repräsentation der LGBTQIA+-Community in Film, Fernsehen und Werbung befürworten
30 Prozent (-1 pp), fast ebenso viele (27 %) lehnen sie ab. Noch deutlicher
zeigt sich der Gegenwind im Sport: Der Rückhalt für offen lebende lesbische,
schwule oder bisexuelle Athletinnen und Athleten in Sportmannschaften liegt
aktuell nur noch bei 45 Prozent - 5 Prozentpunkte weniger als bei der letzten
Erhebung vor einem Jahr.
Und auch im Unternehmenskontext kühlt die Zustimmung weiter ab: Lediglich 40
Prozent der Deutschen finden es gut, wenn sich Unternehmen oder Marken aktiv für
die Gleichberechtigung queerer Menschen einsetzen, was ebenfalls einem Rückgang
von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht.
"In Deutschland herrscht zwar breiter Konsens darüber, dass sexuelle
Minderheiten vor Diskriminierung geschützt werden müssen", sagt Rouven
Freudenthal, Pressesprecher und DEI Ambassador von Ipsos in Hamburg. "Doch die
Zustimmung zu gleichen Rechten und Repräsentation sinkt - je nach Aussage um 1
bis 10 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Deutschland folgt damit mit etwas
Verzögerung einem globalen Trend, der sich zuletzt besonders deutlich in den
USA, aber auch in zahlreichen anderen westlichen Ländern manifestiert hat."
Pride weltweit: Queeres Leben unter Druck
Fünf Jahre nach der ersten Erhebung des Ipsos LGBT+ Pride Report kühlt der
Rückenwind weltweit ab: Weniger Unterstützung für offen queer lebende Menschen,
für Marken-Engagement oder für die Gleichstellung von homosexuellen Paaren.
- Signale nachlassender gesellschaftlicher Zustimmung: Weltweit sagen heute nur
noch 49 % der Befragten, dass queere Menschen offen mit ihrer sexuellen
Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen sollten - ein Rückgang um 6
Prozentpunkte seit 2021. Lediglich 66 % befürworten weltweit die Ehe oder
rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren - 8 Prozentpunkte
weniger als vor fünf Jahren.
- Marken-Engagement: Die Unterstützung für queerfreundliche Marken liegt über
alle 26 erhobenen Länder hinweg nur noch bei 42 % (-7 pp ggü. 2021). Die
Zustimmung für Arbeitgeber, die Programme und Richtlinien bieten, die queere
Mitarbeitende explizit unterstützen und feiern, steigt gegenüber 2025
zumindest leicht auf niedrigem Niveau (39 % | +1 pp).
- Spanien vorn, aber mit Delle: Spanien führt bei vielen Themenfeldern das
globale Ranking an. So befürworten beispielsweise 70 % der Bevölkerung offen
gelebte Queerness - nur in Thailand ist die Zustimmung vergleichbar hoch.
Dennoch weisen auch hier die Unterstützungswerte im Verlauf der Jahre leicht
nach unten.
Trans* im Brennpunkt: Beim Geld und im Sport hört die Toleranz schnell auf
Die Trendwende macht vor trans* Menschen nicht halt. 72 Prozent der Deutschen
sprechen sich grundsätzlich gegen die Benachteiligung von trans* Personen aus.
Dieser Wert liegt 3 Prozentpunkte unter dem Ergebnis der Vorjahreserhebung. Bei
konkreten Regelungen bröckelt der Rückhalt ebenfalls: Nur 48 Prozent (-4 pp)
befürworten eine dritte Option in staatlichen Dokumenten wie Reisepässen neben
"männlich" und "weiblich", 40 Prozent lehnen sie ab. Auch beim Zugang zu
öffentlichen Toiletten und Umkleiden entsprechend dem identifizierten Geschlecht
sinkt die Zustimmung.
Am deutlichsten sinkt die Unterstützung, wenn es um Geld und Sport geht: Nur 39
Prozent der Deutschen befürworten die Übernahme geschlechtsangleichender
Behandlungen durch die Krankenversicherung - 10 Prozentpunkte weniger als im
vergangenen Jahr. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 %) ist dagegen. Noch
geringer ist die Zustimmung im Wettkampfsport: Dass trans* Athlet*innen im
selbst definierten statt im bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht antreten
dürfen, unterstützen nur 22 Prozent der Deutschen - 3 Prozentpunkte weniger als
im Vorjahr und 10 Prozentpunkte weniger als bei der ersten Erhebung 2021.
Methode
Dies sind die Ergebnisse der Studie "Ipsos LGBT+ Pride Report 2026", die von
Ipsos auf der Online-Plattform Global Advisor in 26 Ländern durchgeführt wurde.
Für die Online-Befragung wurden zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026
insgesamt 19.019 Personen befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen
16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.
Zu den 26 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien,
Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Japan,
Kanada, Kolumbien, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur,
Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA.
In 16 der 26 befragten Länder ist die Internetdurchdringung so hoch, dass die
Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung in den untersuchten
Altersgruppen angesehen werden können - darunter auch Deutschland.
Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes
das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten
Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt. Der "globale Länderdurchschnitt"
gibt das durchschnittliche Ergebnis aller 26 Länder wieder, in denen die Umfrage
durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder
angepasst und stellt kein Gesamtergebnis dar.
Die Genauigkeit der Online-Befragungen von Ipsos wird anhand eines sogenannten
Konfidenzintervalls berechnet. Eine Umfrage mit N=1.000 weist eine Genauigkeit
von +/- 3,5 Prozentpunkten auf, eine Umfrage mit N=500 eine Genauigkeit von +/-
5,0 Prozentpunkten.
Über Ipsos
Ipsos ist eines der größten Markt- und Sozialforschungsunternehmen der Welt mit
etwa 20.000 Mitarbeitenden und starker Präsenz in 90 Ländern. 1975 in Paris
gegründet, wird die Ipsos-Gruppe bis heute von Forscher:innen geführt.
In Deutschland ist Ipsos mit über 500 Mitarbeitenden an fünf Standorten präsent:
Hamburg, Nürnberg, München, Frankfurt und Berlin.
Die Expert:innen in Forschung und Analyse verfügen über das breite Know-how von
Multi-Spezialist:innen, das tiefe Insights in Handlungen, Meinungen und
Motivationen erlaubt und so ein wahres Verständnis von Gesellschaft, Märkten und
Menschen vermittelt. Ipsos hat die große Bandbreite von Lösungsansätzen in 12
Forschungsbereichen zusammengefasst und unterstützt damit über 5.000 Kunden
weltweit.
Ipsos SA ist seit 1999 an der Euronext in Paris notiert. Das Unternehmen ist
Teil des SBF 120 und des Mid-60 Index und hat Anspruch auf den Deferred
Settlement Service (SRD). ISIN code FR0000073298, Reuters ISOS.PA, Bloomberg
IPS.
http://www.ipsos.de | Ipsos Wahl- und Meinungsumfragen
(https://www.ipsos.com/de-de/meinungsumfragen)
Pressekontakt:
Ipsos Pressestelle
Rouven Freudenthal
mailto:rouven.freudenthal@ipsos.com
Mobil: +49 151 7420 2330
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7522/6290814
OTS: Ipsos
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