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Eichstädt (ots) - Wer ADHS hört, denkt oft an Zappelkinder - dabei betrifft die
Störung auch viele Erwachsene, deren Probleme bis ins Berufs- und Familienleben
hineinreichen. Doch noch immer bleibt die Diagnose bei den meisten ungestellt.
Ein Forschungsteam um Dr. Cora Ballmann (München) hat deshalb die deutsche
Version des ADHS-Fragebogentests ASRS-5 geprüft - und kam zu einem klaren
Ergebnis: Der kurze WHO-Fragebogen ist ein zuverlässiges und praktikables
Instrument, gerade in der hausärztlichen Versorgung.
Der Charme des Tests liegt in seiner Schlichtheit: Sechs Fragen, ein
Ankreuzschema, Auswertung in Sekunden. Er ist kostenlos verfügbar, in
zahlreichen Sprachen abrufbar und kann ohne technischen Aufwand in jeder Praxis
eingesetzt werden - von der Ärztin selbst oder durch die Medizinische
Fachangestellte. Liegen mindestens vier Kreuzchen in der markierten Zone, sollte
genauer hingesehen werden. So können Hausärzte mit minimalem Zeitaufwand einen
Anfangsverdacht erhärten und Patienten in die richtige Richtung eines Facharztes
lotsen.
Screening ersetzt kein Gespräch
Doch Screening ist nicht gleich Diagnose. Darauf weist auch der niedergelassene
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Dr. Matthias Rudolph
(Boppard), Mitglied im Expertenrat ADHS, hin: "Natürlich gibt es Patientinnen
und Patienten, die sich stark eine Erklärung für ihre Probleme wünschen - und
dann tendieren, die Fragen entsprechend anzukreuzen." Deshalb sei das Gespräch
unverzichtbar. Wer von Schwierigkeiten berichtet, sollte konkrete
Alltagsbeispiele nennen können: verpasste Rechnungen, Konflikte am Arbeitsplatz,
gescheiterte Beziehungen. Nur so zeigt sich, ob es sich um normale Zerstreutheit
oder eine behandlungsbedürftige Störung handelt.
Das Screening entfaltet damit seinen größten Nutzen im Zusammenspiel von Papier
und Dialog. Für Hausärzte bedeutet das: weniger Frust mit "Dauerkunden", die
wiederholt mit unspezifischen Beschwerden erscheinen, und mehr Klarheit, wann
eine Überweisung an Fachärzte sinnvoll ist. Für Betroffene heißt es: ernst
genommen werden, eine strukturierte Abklärung erhalten - und im besten Fall
früher die Hilfe bekommen, die ihr Leben stabilisieren kann.
Gewinn auch bei falschem Verdacht
Die Studie zeigt zudem, dass auch die Spezifität des ASRS-5 solide ist - rund 72
Prozent. Das bedeutet: Nicht jeder Verdacht bestätigt sich. Aber selbst in
Fällen, in denen sich keine ADHS-Diagnose ergibt, ist der Test ein Gewinn. Denn
er führt dazu, dass andere Ursachen von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen
oder Stimmungsschwankungen überhaupt erst erkannt werden. Patienten profitieren
so von einer gezielteren weiteren Abklärung, anstatt jahrelang ohne Erklärung zu
bleiben.
Auch wirtschaftlich ist der Einsatz sinnvoll: Der Fragebogen kostet nichts,
spart aber Zeit und reduziert das Risiko, dass echte ADHS-Fälle übersehen
werden. Für die hausärztliche Praxis ergibt sich ein klarer Vorteil: einfache
Handhabung, minimaler Aufwand, spürbarer Nutzen.
Am Ende gilt: Screening ersetzt keine fachärztliche Diagnose - doch es eröffnet
Chancen für alle Beteiligten. Ärztinnen und Ärzte erhalten ein handliches
Werkzeug für den Praxisalltag. Patienten gewinnen Klarheit und Zugang zu einer
möglichen Behandlung. Und die Gesellschaft profitiert, wenn weniger Menschen
durch unerkanntes ADHS in Krisen, Suchterkrankungen oder berufliche Brüche
geraten. Win-win für Hausärzte, Betroffene und das Gesundheitssystem.
- Podcast ADHS: Kein Grund zur Panik! Verdacht auf ADHS? Diagnostik bei
Erwachsenen
(https://www.expertenrat-adhs.de/podcast/adhs-screening-tipps-fuer-hausaerzte/)
- WHO Screening-Test beim Expertenrat ADSH
(https://www.expertenrat-adhs.de/adhs-screening-erwachsene-who/)
- Ballmann C, Kölle MA, Bekavac-Günther I, Wolf F, Pargent F, Barzel A,
Philipsen A, Gensichen J: Evaluation of the German Version of the Adult
Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Self-Report Screening Scale for DSM-5
as a Screening Tool for Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in
Primary Care. Front Psychol. 2022 Apr 22;13:858147 ( Volltext englisch
(https://dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2022.858147) ).
Pressekontakt:
Expertenrat ADHS
Rainer H. Bubenzer
+49 - 030 - 12053790
mailto:bubenzer@expertenrat-adhs.de
http://www.expertenrat-adhs.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/181931/6241637
OTS: Expertenrat ADHS
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