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Essen (ots) - "Der Ärztemangel und zunehmende Wartezeiten auf Arzttermine sind
inzwischen ein bundesweites Problem - doch ungeachtet dessen forcieren die
gesetzlichen Krankenkassen ihre Sparpolitik im ambulanten Bereich
kaltschnäuzig", kritisiert Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft
e.V. (FÄ). "Und dass, obwohl jeder Kenner des deutschen Gesundheitswesens weiß,
dass dann noch mehr ambulant mögliche Behandlungen in die Kliniken wandern - was
zu exorbitant höheren Kosten führt. Und: Welcher Patient möchte ins Krankenhaus,
wenn es sich vermeiden lässt?" Der Hautarzt aus Essen prognostiziert, dass die
Wartezeiten in den Arztpraxen weiter zunehmen, und auch Eigenleistungen
erheblich aufwachsen, um moderne zeitgemäße Medizin in den Praxen noch anbieten
zu können.
Gravierende Unterfinanzierung der ambulanten Medizin
"Mittlerweile haben auch Kommunal- und Landespolitiker feststellen müssen, wie
unterfinanziert die ambulante Medizin ist. Denn kommunale Medizinische
Versorgungszentren (MVZ) tragen sich meist nicht, werden insolvent oder müssen
dauerhaft subventioniert werden. Ähnlich verhält es sich mit
genossenschaftlichen oder privat betriebenen MVZ, sogar im hausärztlichen
Bereich. Und auch von den Kassen selbst geführte ambulante Einrichtungen haben
sich bereits vor Jahren überhaupt nicht als wirtschaftlich tragfähig erwiesen!"
stellt Dietrich fest.
"Dass die Kassen In Anbetracht dessen die Abschaffung der mit dem Terminservice-
und Versorgungsgesetz eingeführten Zuschläge für die fachärztliche Versorgung
fordern, und zudem den Budgetdeckel in der kinder- und hausärztlichen Versorgung
wieder einführen wollen, zeigt, dass die Kassen offenbar nicht rechnen können -
oder dass ihnen eine sinnvolle Gesamtfunktion der medizinischen
Versorgungsebenen schlichtweg egal ist", kritisiert der FÄ-Vorsitzende.
Dietrich: "Das ist das Gegenteil von ambulant vor stationär - das ist teuer und
aufwändig, statt zweckmäßig, sparsam und am Patienten orientiert!"
Digitalisierung ja, aber nicht so!
"Seit vielen Jahren werden Praxen und Kliniken durch ein von oben aufgezwungenes
Telematik-Projekt belastet. Statt die medizinische Tätigkeit durch moderne
Technik zu entlasten, werden Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten durch
unausgereifte Techniken, störungsanfällige Infrastrukturen, unsichere
Zugangswege, Sicherheitslücken und häufige Abstürze des Gesamtsystems belastet"
kritisiert die stellvertretende FÄ- Vorsitzende Dr. Silke Lüder in Hamburg. "Das
angebliche Leuchtturmprojekt Elektronische Patientenakte (ePA) interessiert die
Versicherten nicht, sondern führt nur zur Abschaffung der ärztlichen
Schweigepflicht zugunsten der Datensammelei für die KI - Firmen". Das
Milliardenprojekt sei faktisch gescheitert.
Chaotische Vorschläge zur Terminvergabe und zum Notdienst
Auch die fortgesetzte Forderung von Krankenkassen, Arzttermine zwangsweise über
ein zentrales Internetportal zu steuern, lehnt Dietrich klar ab. "Die Patienten
wollen nicht herumgeschickt werden, sondern zum Arzt und der Ärztin ihres
Vertrauens. Wenn Terminvergabe verpflichtend so gemacht wird, sinkt die
Zufriedenheit mit unserem Gesundheitswesen garantiert weiter!" Zentrale
Terminvergaben könnten individuellen Behandlungsbedarfen auch selten gerecht
werden, denn sowohl die Behandlungsanlässe als auch die Behandlungsspektren der
Ärzte seien so unterschiedlich, dass eine anonyme, zentralisierte Planung dem
kaum gerecht werden könne.
Ebenso schädlich ist nach Meinung Dietrichs das noch von Ex-Minister Lauterbach
vorgeschlagene Konzept eines 24-Stunden-Notdienstes rund um die Uhr. Dafür gebe
es weder den Bedarf noch personelle Mittel - im Gegenteil wären zahlreiche
Doppelbehandlungen die Folge, weil aus dem Notdienst Patienten dann fortlaufend
auf die Regelversorgung verwiesen würden, welcher ihrerseits aber erhebliche
ökonomische und personelle Ressourcen entzogen würden.
Grundlegende Reform des GKV-Sachleistungssystems geboten
"Ich hoffe sehr, dass Frau Ministerin Warken zeitnah grundsätzliche Überlegungen
anstellt, um das Gesundheitswesens wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das
bestehende System der Sachleistung ist undemokratisch intransparent und
hoffnungslos über reguliert. Angesichts der bestehenden Unterfinanzierung
funktioniert es in der ambulanten Medizin nicht mehr! Es nutzt Verwaltungen und
Bürokraten bei Krankenkassen und Körperschaften - dient aber in weiten Bereichen
nicht mehr der guten Behandlung der gesetzlich Versicherten!" Dietrich weiter:
"Deshalb werden bis zu einer grundlegenden Reform mehr ambulante Leistungen vom
Patienten zu tragen sein. Eine qualitativ hochstehende 'Sicherstellung' gibt es
im bestehenden System in weiten Bereichen nicht mehr."
Pressekontakt:
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf
als freien Beruf verteidigt. Er wurde 2004 gegründet und vertritt
vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene
Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich,
Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei
der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche
Schweigepflicht gewahrt bleibt.
V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mailto:mail@freie-aerzteschaft.de, http://www.freie-aerzteschaft.de
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OTS: Freie Ärzteschaft e.V.
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