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Frankfurt am Main (ots) - In Europa stehen zu wenig recycelte Kunststoffe zur
Verfügung, um den wachsenden Bedarf der Automobilindustrie zu decken. Das zeigt
eine neue Studie, die im Vorfeld der Automotive-Fachmesse PIAE in Baden-Baden
veröffentlicht wurde.
Neues EU-Gesetz fordert mehr recycelte Kunststoffe im Auto
Ende Februar 2026 hat der gemischte Ausschuss ENVI / IMCO für die im Trilog
erzielte vorläufige Einigung an der finalen Version der EU-Altfahrzeugverordnung
(End-of-Life Vehicles Regulation, ELVR) gestimmt. Damit gilt der Inhalt
weitgehend als ausgehandelt. Es folgen nun formelle Lesungen im Umweltrat und im
Plenum. Die Verordnung setzt erstmals verbindliche Rezyklateinsatzquoten für
Kunststoffe in neuen Fahrzeugen fest und soll das Fahrzeugdesign stärker auf
Kreislauffähigkeit ausrichten.
Sechs Jahre nach Inkrafttreten müssen alle in der EU zugelassenen Fahrzeuge in
ihren Kunststoffkomponenten mindestens 15 Prozent recyceltes Material enthalten,
nach zehn Jahren mindestens 25 Prozent; mindestens ein Fünftel davon muss aus
Altfahrzeugen stammen (Car-to-Car-Recycling). Die Vorgaben gelten für nahezu
alle Fahrzeugsegmente.
Hochwertiges Rezyklat ist knapp
Eine neue Studie der Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV GmbH
zeigt jedoch, dass es in der EU selbst in optimistischen Szenarien bei weitem
nicht ausreichend hochwertiges Rezyklat gibt, um diese Anforderungen zu
erfüllen.
Besonders kritisch ist die Angebotslücke bei post-consumer basierten
PP-Rezyklaten, deren Nachfrage im Automobilsektor so stark steigt, dass die
Industrie langfristig bis zu 45 Prozent der am Markt verfügbaren Mengen
benötigen würde, um die Ziele zu erfüllen. Für OEMs und Zulieferer bedeutet das
erheblichen Anpassungsdruck, da Sammel-, Sortier- und Recyclingkapazitäten
bislang nicht im erforderlichen Umfang ausgebaut sind.
Die Recycling-Infrastruktur muss schneller wachsen
Dr. Aliaksandra Shuliakevich von Plastics Europe Deutschland, dem Verband der
Kunststofferzeuger, betont, dass die Versorgungslücke nur geschlossen werden
kann, wenn die Infrastruktur für hochwertiges Recycling deutlich schneller
wächst als bisher. "Um das gesamte Ressourcenpotenzial des Altautomobilsektors
effektiv zu nutzen, braucht es dringend Investitionen in effiziente
Rücknahmesysteme, moderne Sammel- und Sortiertechnologien sowie in den Ausbau
innovativer Recyclingverfahren, wie dem chemischen, lösemittelbasierten und
enzymatischen Recycling."
Berlin und Brüssel müssen jetzt handeln und der angeschlagenen Industrie den Weg
für zukunftssichere Investitionen freimachen, damit Europa im Wettlauf um
hochwertiges Rezyklat nicht nur mithält, sondern einen echten
Technologievorsprung aufbaut, so Shuliakevich.
Link zur Studie
Eine Lang- und eine Kurzfassung der Rezyklat-Studie können auf der Website der
BKV GmbH erworben werden: https://ots.de/QNCwDS
Beim Automotive Workshop von Plastics Europe Deutschland im Rahmen der PIAE
werden die Studienergebnisse im Detail diskutiert, zusammen mit Christoph
Lindner, Conversio Market & Strategy GmbH, und Dr. Erik Licht, LyodellBasell,
sowie weiteren ausgewiesenen Branchenexperten.
PIAE Automotive-Workshop, Plastics Europe Deutschland
- Titel: Rezyklate auf die Straße bringen
- Datum: 18. März, 14:30 - 16:00 Uhr
- Ort: PIAE, Baden-Baden, Kongresshaus
- Speaker: BASF, LyondellBasell, Borealis, MOCOM Compounds, Fraunhofer UMSICHT,
Deloitte Sustainablity & Climate
Pressekontakt:
PlasticsEurope Deutschland e. V.
Bettina Dempewolf
Leiterin Kommunikation
+49 171 9713962
mailto:bettina.dempewolf@plasticseurope.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/57333/6236915
OTS: PlasticsEurope Deutschland e.V.
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