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Frankfurt am Main (ots) - Die deutsche Kunststofferzeugung steckt weiterhin in
der Krise. 2025 entwickelten sich alle zentralen wirtschaftlichen Kennzahlen der
deutschen Kunststofferzeugung negativ: Die Produktion sank um 4,5 Prozent, der
Umsatz um 7,6 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro, die Exporte um 5,5 Prozent.
Ursachen waren die schwache Konjunktur und die damit verbundene geringere
Nachfrage, zunehmender Wettbewerb aus dem Ausland sowie anhaltende
Handelskonflikte. Unter anderem war die Umlenkung von chinesischen Produkten,
die ursprünglich für den US-amerikanischen Markt vorgesehen waren, nach Europa
deutlich sichtbar.
Seit Beginn der Energiekrise 2022 summiert sich der Produktionsrückgang der
Kunststofferzeuger in Deutschland auf mehr als 26 Prozent, während die weltweite
Nachfrage nach Kunststoffen weiter gestiegen ist. Das teilte Plastics Europe
Deutschland, der Verband der Kunststofferzeuger, auf seiner
Wirtschaftspressekonferenz mit.
Die Stärke des Standorts wird zur Achillesferse
Die enge Verzahnung der Wertschöpfungskette ist bislang ein zentraler
Standortvorteil Deutschlands: kurze Wege zwischen Forschung und Industrie,
hochqualifizierte Fachkräfte und die Nähe zu Schlüsselbranchen.
Daher träfen die Folgen der Krise in der Kunststoff- und Chemieindustrie weit
mehr als nur eine Branche, erklärt Dr. Ralf Düssel, Vorstandsvorsitzender von
Plastics Europe Deutschland. "In Chemieparks gibt es kein Rosinenpicken.
Rohstoffe, Energie, Dampf und Infrastruktur sind standortübergreifend
kalkuliert." Man könne nicht einzelne Anlagen herausnehmen und glauben, der Rest
funktioniere weiter. Falle ein zentraler Baustein weg, drohe ein Dominoeffekt -
zunächst am Standort und dann auch für Zulieferer, Verarbeiter, Maschinenbau und
andere Partner.
Dringende Maßnahmen zum Erhalt der deutschen Kunststoffindustrie
Für die Stabilisierung des Industriestandorts braucht es aus Sicht der
Kunststofferzeuger dringende und umfassende Reformen: den Abbau verbliebener
Handelsbarrieren im EU-Binnenmarkt, weniger nationale Sonderwege bei der
Umsetzung europäischer Vorgaben und spürbare Entlastungen bei Energie- und
Strompreisen.
Geopolitik rückt Lieferketten und Rohstoffsicherheit in den Fokus
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen führen vor Augen, wie verletzlich
Europas Rohstoffversorgung ist. Deutschland und Europa sind rohstoffarm. Wer die
industrielle Basis sichern wolle, müsse die Rohstoffe, die bereits im Land sind,
konsequent im Kreislauf halten, so Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin
von Plastics Europe Deutschland.
Der Wettbewerb um Kreislaufwirtschaft wird härter
Zwar habe es zuletzt positive Impulse gegeben, doch reichten diese aus Sicht des
Verbands nicht aus, um in der Kreislaufwirtschaft das nötige Tempo zu entfalten.
Gleichzeitig holen andere Regionen der Welt rasch auf: China hat seine
Recyclingkapazitäten innerhalb von nur zwei Jahren nahezu verdoppelt und ist
bezogen auf die Menge zum weltweit größten Lieferanten von recycelten
Kunststoffen aufgestiegen. Europa hat zwar noch einen Technologie- und
Infrastrukturvorsprung, doch häufen sich aktuell die Insolvenzen auch bei
Kunststoffrecyclern.
Rezyklateinsatzziele: Ohne neue Technologien unerreichbar
Der Verband betont: Marktanreize wie Recycling- und Rezyklateinsatzquoten oder
Hebel wie die öffentliche Beschaffung seien unverzichtbar, um Nachfrage zu
schaffen. Doch ohne einen Rahmen, der die Zielerreichung ermögliche, liefen
diese Maßnahmen ins Leere. Bunte hebt in dem Zusammenhang die zentrale Bedeutung
von pragmatischen und anwendbaren Massenbilanzregeln hervor.
"In beiden Bereichen - Standortsicherung und Transformation - müssen wir
Pragmatismus vor Perfektion stellen," fasst Bunte zusammen. "Nicht jede Regel
muss von Beginn an vollständig ausformuliert sein. Nicht jede offene Frage lässt
sich vorab klären. Wir können nicht darauf warten, dass andere langsamer werden.
Wir müssen schneller werden."
Pressekontakt:
Bettina Dempewolf
Leiterin Kommunikation
Telefon: +49 171 9713962
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OTS: PlasticsEurope Deutschland e.V.
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