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Fulda (ots) - Wenn es noch eines Belegs dafür bedurft hätte, wie dringend Europa
sich vom übermächtigen Partner und Schutzgaranten USA emanzipieren muss - der
Auftritt des amerikanischen Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat
ihn geliefert. Darüber sollte nicht hinwegtäuschen, dass Donald Trump dort nicht
die nächste Eskalationsstufe im transatlantischen Verhältnis gezündet hat. Seine
Aussage, er werde "keine Gewalt anwenden", war im positiven Sinne mehr, als
manche befürchtet hatten, die bereits die Landung amerikanischer Truppen in
Grönland heraufziehen sahen. Eine militärische Aktion eines Nato-Staates gegen
einen anderen wird es also - vorerst - nicht geben.
Doch der weitere Verlauf der Rede machte deutlich, wie wenig sich Trump noch dem
Geist des Nordatlantikvertrags verpflichtet fühlt, den übrigens ein
amerikanischer Diplomat 1949 maßgeblich mitformuliert hatte. Für den
US-Präsidenten ist das Bündnis längst zerbrochen, weil die Lasten ungerecht
verteilt sind. In seinem charakteristischen Schwarz-Weiß-Denken haben die
Vereinigten Staaten über Jahrzehnte alles gegeben, während Europa kaum etwas
beigetragen habe. Nun bitte man - so Trumps Sichtweise - nur um "ein Stück Eis"
als Gegenleistung. Als wäre der Anspruch auf Grönland eine Petitesse.
Unverhüllt folgte darauf die Drohung an die Partner: "Sie können Nein sagen,
doch wir werden uns daran erinnern." Unter der Voraussetzung, dass Europa in der
Grönland-Frage hart bleibt, ist das alles andere als ein Beitrag zur
Deeskalation. Trumps Androhung von Strafzöllen nahm er nicht zurück - im
Gegenteil. Auch die Unterstützung der USA für die Ukraine scheint für ihn - so
ließ sich seine Rede lesen - zunehmend zur Verhandlungsmasse im Ringen um
Grönland zu werden. Und auch das meint der Satz "Wir werden uns daran erinnern":
An das Beistandsversprechen der Nato fühlt sich dieser Präsident im Zweifel
nicht mehr gebunden. Regeln gelten nur, solange sie den eigenen Interessen nicht
im Wege stehen.
Diese wenig ehrenhafte Erkenntnis müssen sich auch die Europäer zu eigen machen.
Sie verfügen wirtschaftlich durchaus über Druckmittel, um amerikanischen
Drohungen etwas entgegenzusetzen. Dass das EU-Parlament den bereits
ausgehandelten Zolldeal auf Eis legt, ist ein erster Schritt.
Dass Trump einlenkt, darf allerdings bezweifelt werden. Die Trump-Show von
Davos, in der sich der Präsident eiskalt als Größter unter den Großen
inszenierte, der ein kaputtes Land wieder zu blühenden Landschaften geführt
habe, überzeugt aus der Distanz kaum. Die Realität, betrachtet aus einigen
tausend Meilen Entfernung, sieht anders aus. / Bernd Loskant
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