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Bornheim (ots) - In der Politik und Wirtschaft wird derzeit wieder diskutiert,
die Lohnfortzahlung bei Krankheit einzuschränken, etwa durch einen unbezahlten
ersten Krankheitstag oder geringere Zahlungen. Hintergrund sind steigende Kosten
für Unternehmen: Allein die Lohnfortzahlung kostet Arbeitgeber jährlich rund 77
Milliarden Euro. Gleichzeitig wird argumentiert, ein solcher Schritt könne den
Krankenstand senken.
Wer Krankheit finanziell bestraft, löst kein Personalproblem, er verschiebt es
nur. Die Erfahrung zeigt zudem, dass viele Beschäftigte ohnehin krank zur Arbeit
kommen - ein Verhalten, das langfristig sogar teurer sein kann als echte
Fehlzeiten. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Fehlzeiten meist durch
Arbeitsbelastung, Gesundheit oder Organisation entstehen und nicht durch
"Bequemlichkeit".
Fehlzeiten entstehen selten aus Bequemlichkeit
In der öffentlichen Diskussion wird Krankheit häufig wie ein Disziplinproblem
behandelt. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn Krankmeldungen finanziell
unattraktiver werden, bleiben Beschäftigte seltener zu Hause. Diese Annahme
übersieht jedoch, dass Fehlzeiten in der Praxis selten monokausal entstehen.
Natürlich existieren Fälle, in denen Krankheit als Vorwand genutzt wird.
Umfragen zeigen, dass ein Teil der Beschäftigten mindestens einmal im Leben
unter einem Vorwand der Arbeit ferngeblieben ist. Solche Fälle dürfen nicht
ignoriert werden. Dennoch handelt es sich dabei nicht um die Regel. Die meisten
Krankmeldungen entstehen aus realen gesundheitlichen Belastungen oder aus
Arbeitsbedingungen, die langfristig krank machen können. Wer diese Realität
ausblendet und stattdessen pauschale Sanktionen einführt, riskiert eine falsche
Diagnose - und damit eine Maßnahme, die an der eigentlichen Ursache vorbeigeht.
Der eigentliche Kostentreiber sind lange Ausfälle
Ein genauer Blick auf aktuelle Gesundheitsdaten zeigt, wo Unternehmen
tatsächlich Geld verlieren. Durchschnittlich melden sich Beschäftigte in
Deutschland rund 14,8 Arbeitstage pro Jahr krank. Dieser Wert wird häufig als
Beleg für steigende Fehlzeiten interpretiert. Gleichzeitig weist das
Statistische Bundesamt darauf hin, dass die Einführung der elektronischen
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung seit 2022 dazu geführt hat, dass kurze
Erkrankungen vollständiger erfasst werden.
Wichtiger als die reine Zahl der Krankmeldungen ist jedoch die Dauer der
Ausfälle. Gesundheitsberichte der Krankenkassen zeigen, dass ein großer Teil der
Fehlzeiten auf längere Krankheitsverläufe zurückgeht.
Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Belastungen oder chronische Beschwerden
verursachen oft mehrwöchige Ausfälle und damit den größten wirtschaftlichen
Schaden. Genau diese Fälle lassen sich durch einen unbezahlten ersten
Krankheitstag jedoch kaum beeinflussen.
Wenn Krankheit teuer wird, steigt oft der Präsentismus
Ein weiterer Effekt wird in der politischen Debatte häufig unterschätzt:
Präsentismus. Gemeint sind Situationen, in denen Beschäftigte krank zur Arbeit
kommen, obwohl eine Erholung medizinisch sinnvoll wäre. Untersuchungen zeigen,
dass ein großer Teil der Arbeitnehmer bereits gearbeitet hat, obwohl er sich
deutlich krank fühlte. Wenn Krankheit finanziell oder kulturell sanktioniert
wird, steigt die Wahrscheinlichkeit für genau dieses Verhalten.
Kurzfristig kann dadurch der Krankenstand sinken. Langfristig entstehen jedoch
neue Risiken: geringere Produktivität, mehr Fehler, ein höheres Unfallrisiko und
längere Ausfallzeiten zu einem späteren Zeitpunkt. Hinzu kommt die Gefahr von
Ansteckungen innerhalb von Teams. Unternehmen sparen in diesem Fall nicht
wirklich Kosten - sie verschieben sie lediglich in eine spätere Phase.
Personalprobleme sind häufig Führungs- und Organisationsthemen
Viele Unternehmen erleben hohe Fehlzeiten nicht als isoliertes
Gesundheitsproblem, sondern als Teil eines größeren Systems. Arbeitsbelastung,
körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten, unklare Prozesse oder mangelnde Führung
können dazu beitragen, dass Beschäftigte häufiger ausfallen oder langfristig
gesundheitliche Probleme entwickeln. In solchen Situationen hilft keine
pauschale Sanktion, sondern nur eine differenzierte Analyse der Ursachen.
Entscheidend ist die Frage, ob Fehlzeiten in bestimmten Teams, Tätigkeiten oder
Arbeitsphasen gehäuft auftreten. Erst wenn diese Muster sichtbar werden,
entsteht daraus eine echte Managementaufgabe. Unternehmen, die systematisch in
Führung, Arbeitsorganisation und Gesundheitsprävention investieren, reduzieren
Fehlzeiten häufig nachhaltiger als durch reine Kontrollmaßnahmen.
Fazit: Ein Karenztag löst kein strukturelles Problem
Die Diskussion über einen unbezahlten ersten Krankheitstag wirkt politisch
attraktiv, weil sie einfache Lösungen verspricht. Für Unternehmen ist die
Realität jedoch komplexer. Missbrauch kann und sollte im Einzelfall klar
adressiert werden. Pauschale Maßnahmen treffen jedoch auch viele Beschäftigte,
die tatsächlich krank sind oder unter hohen Belastungen arbeiten.
Gleichzeitig bleiben die eigentlichen Ursachen für Fehlzeiten unberührt.
Personalprobleme entstehen selten durch einzelne Krankmeldungen, sondern durch
strukturelle Faktoren wie Arbeitsorganisation, Belastung oder Führung. Wer
Krankheit lediglich verteuert, senkt möglicherweise kurzfristig den
Krankenstand, löst jedoch weder Überlastung noch organisatorische Schwächen noch
langfristige Gesundheitsrisiken im Unternehmen.
Wer Fehlzeiten wirklich nachhaltig senken will, muss daher stärker auf die
Ursachen im Arbeitsalltag schauen und auf die individuelle Belegschaft
zugeschnittene Angebote - zum Beispiel aus dem Gesundheitsbereich - schaffen.
Über Reiner Huthmacher:
Reiner Huthmacher ist Berater für nachhaltige Mitarbeiterbindung in KMU. Er
unterstützt mittelständische Unternehmen dabei, sich vom Fachkräftesucher zum
Mittelstandsmagneten zu entwickeln. 2021 gründete er die Marke Fachkräftemagnet,
2024 folgte die Huthmacher Consulting GmbH. Sein 6-Schritte-System verbindet
strategisches Benefit-Management mit datenbasierter Fluktuationsprävention.
Weitere Informationen unter: http://www.fachkraeftemagnet.net .
Pressekontakt:
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Vertreten durch: Reiner Huthmacher
E-Mail: mailto:reiner.huthmacher@fachkraeftemagnet.net
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OTS: Huthmacher Consulting GmbH
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