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Heidelberg (ots) - "Dem deutschen Sexualkundeunterricht gebe ich gerade mal ein
'Befriedigend'", so Erik Sczygiol, stv. Generalsekretär bei der
Bundesschülerkonferenz. Und diese knappe Einschätzung spiegelt sich ebenfalls in
besorgniserregenden Zahlen wider: Die Fälle sexuell übertragbarer Infektionen
(STIs) steigen in Deutschland deutlich - von 2023 bis 2024 gab es beispielsweise
einen Anstieg von +7% bei Syphilis und +11% bei Gonorrhö1. Das unterstreicht den
dringenden Bedarf an guter Sexualaufklärung. Denn Aufklärungsunterricht ist mehr
als rein biologische Sexualkunde. Vor diesem Hintergrund brachte der Durex
Roundtable Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, NGOs und
Influencer zusammen und bezog auch die Perspektiven von Schüler:innen, Eltern
und Lehrern ein, um sexuelle Bildung aus verschiedenen Blickwinkeln zu
analysieren und gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten.
Der Handlungsbedarf für eine bessere sexuelle Bildung ist offensichtlich. Das
zeigen auch die Ergebnisse der Durex Global Sex Survey 2024 für Deutschland.
Rund 40 Prozent der 18 - 24-Jährigen sind unsicher, wie sie sich vor
Geschlechtskrankheiten schützen können. Nur etwa die Hälfte fühlt sich den
Erwartungen an die ersten sexuellen Erfahrungen gewachsen. 62 Prozent geben an,
dass sie sich unwohl fühlen, den Partner um die Nutzung eines Kondoms zu bitten;
48 Prozent sind sich nicht sicher, wo und wie sie Hilfe bekommen können. Der
Schule kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, zugleich empfinden viele
Jugendliche sie als am wenigsten hilfreich2.
Beim Durex Roundtable diskutierten Entscheidungsträger:innen gemeinsam mit
Schüler:innen und Lehrkräften unter dem Leitmotiv "Wie Lehrer:innen die
Generation TikTok aufklären können" den Status quo der Sexualaufklärung an
Schulen und Perspektiven für ihre zeitgemäße Weiterentwicklung. Die
Teilnehmenden brachten sich aktiv mit Fragen, Erfahrungen und Impulsen ein. Ziel
der Veranstaltung war es, eine breite Debatte anzustoßen und praxisnahe Lösungen
nachhaltig in den Schulalltag zu tragen. Einig waren sich alle: sexuelle Bildung
kann und muss in allen Schulfächern stattfinden und kommt als Sondereinheit im
Fach Biologie zu kurz.
Ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Heinz Jürgen Voß (Hochschule Merseburg) gab
einen aktuellen Überblick über die schulische Sexualaufklärung, beleuchtete
Defizite in der Ausbildung von Lehrkräften und präsentierte mit SeBiLe 2.0
(Sexuelle Bildung für das Lehramt) ein Curriculum als einen Lösungsansatz, der
Lehrplan, Fortbildung und Materialien praxisnah verzahnt.
Mangelhafter Status quo: Lücken in der schulischen Sexualaufklärung
Das erste Panel zeigte die Sicht der Schüler:innen auf Unterrichtserfahrungen.
Hinzu kamen Einblicke in Lehrpläne und deren Umsetzung auf Landesebene. Außerdem
wurde Praxisfeedback aus Peer to Peer Angeboten eingebracht und Chancen und
Grenzen von Social Media analysiert, insbesondere im Hinblick auf
Qualitätsdefizite von Unterrichtsmaterialien und deren Verankerung in
Schulstrukturen.
Die Beiträge machten zentrale Lücken sichtbar: Viele Jugendliche beziehen ihr
Wissen über Sex primär aus Social Media und von Pornoseiten - mit
Desinformation, einem verschobenen Verständnis von Sex und hartnäckigen Mythen
als Folge. "Sexualaufklärung muss heute digitale Räume ernst nehmen. Junge
Menschen lernen auf TikTok - dort begegnen ihnen Aufklärung, Mythen und
zunehmend konservative Rollenbilder. Schule kann das nicht ignorieren", betont
Nina Poppel, Politikwissenschaftlerin und Influencerin. In Schulen fehlen oft
sichere, nicht wertende Räume für Fragen; deshalb trauen sich viele
Schüler:innen nicht, die Themen anzusprechen, die sie wirklich bewegen. Zudem
ist Sexualerziehung oft auf den Biologieunterricht verengt und
fächerübergreifende Zugänge oder Kooperationen mit externen Fachstellen werden
nur punktuell genutzt. Unterrichtsmaterialien sind teils überholt,
stereotypisierend und auf die Darstellung klassischer heteronormativer
Beziehungstypen beschränkt. Schwierigkeiten, die bei Lehrkräften häufig
auftreten, sind Unsicherheiten und Scham, Zeitdruck, unterschiedliche
Rahmenvorgaben sowie wenig Weiterbildung.
Wege zur Reform: Die Strategien für eine moderne Sexualbildung
Im zweiten Panel wurden unterschiedliche Wege zur Weiterentwicklung erörtert:
Prof. Dr. Heinz Jürgen Voß (SeBiLe 2.0) brachte Impulse zur Lehrplaninnovation
und evidenzbasierten Ausbildung für eine moderne und wirksame Sexualaufklärung:
"Dies erfordert eine radikale Neuausrichtung unserer Lehrerausbildung, nur so
können wir sicherstellen, dass angehende Lehrkräfte die wissenschaftlich
fundierten Kompetenzen erwerben, um junge Menschen in einer sich schnell
verändernden Welt zu begleiten und zu schützen", so Prof. Dr. Heinz Jürgen Voß
von der Hochschule Merseburg. Daneben wurden Governance und Gelingensfaktoren
adressiert, praxisnahe, niedrigschwellige Angebote und Kooperationen vorgestellt
und Erfahrungen aus dem Klassenzimmer sowie Reichweiten und Wissensvermittlung
über Social Media erörtert.
Zur Diskussion standen unter anderem verbindliche Mindeststandards zu Art und
Umfang des Sexualkundeunterrichts und eine klare Verankerung in Lehrplänen,
verpflichtende Aus und Fortbildungen für Lehrkräfte, Optionen für Monitoring und
Prüfungsbezug, die Aktualisierung von Unterrichtsmaterialien sowie
fächerübergreifende Zugänge und verstärkte Kooperationen mit externen
Fachstellen. Als struktureller Hebel wurde eine Stärkung der personellen
Ausstattung für sexuelle Bildung angeregt. Mehrere Beiträge betonten die
Bedeutung digitaler Angebote und Strategien gegen Desinformation, zugleich wurde
die persönliche Begegnung im geschützten schulischen Rahmen als zentral
hervorgehoben. Schutzkonzepte, klare Weiterverweisungen und Ansätze zur
Evaluation wurden ebenfalls thematisiert.
Fazit - Es braucht eine ganzheitliche und evidenzbasierte Sexualaufklärung
Der Bedarf an mehr sexueller Bildung ist unbestritten, die Wege dorthin noch
nicht. Das Panel bündelte Optionen und gab den Startschuss für weiteren
Austausch. Klar wurde: Sexualaufklärung ist nicht nur ein Biologie Thema,
sondern gehört fächerübergreifend und in einem größeren Ausmaß in den
Unterricht, ins Schulleben und in die Gesellschaft. Der Durex Roundtable setzt
zentrale Impulse: Standards angleichen, Lehrkräfte qualifizieren, Materialien
aktualisieren, Schulen für externe Expertise öffnen, die Versorgung
flächendeckend stärken und Online/Offline Angebote verknüpfen. Angesichts
steigender STI Zahlen ist evidenzbasierte Sexualaufklärung keine Kür, sondern
Prävention.
Durex langjähriges Engagement für sexuelle Sicherheit für bessere
Aufklärungsformate
Durex engagiert sich seit Jahrzehnten in Deutschland für sexuelle Gesundheit und
Wohlbefinden und versteht den Einsatz für zeitgemäße Sexualaufklärung als
zentralen Bestandteil dieses Engagements. In diesem Rahmen unterstützt Durex das
Projekt der Hochschule Merseburg: Das neugestaltete Curriculum "SeBiLe 2.0" soll
den Sexualkundeunterricht an Schulen an die Anforderungen unserer Zeit anpassen.
Seit 2020 arbeitet Durex mit der FAQ YOU Stiftung zusammen und fördert
zahlreiche Online- und Offline Aufklärungsformate jenseits des klassischen
Unterrichts. Darüber hinaus unterstützt Durex lokale Initiativen in Heidelberg,
unter anderem die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, durch
die Schulen in der Region ganzheitliche und weiterführende Lernmaterialien für
den Sexualkundeunterricht erhalten.
1 Koch Insitut, HIV-Jahresbericht 2024
2 Durex Global Sex Survey (2024)
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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/75025/6201565
OTS: Reckitt Deutschland
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