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Korbach (ots) - Mit sogenannten Schockanrufen haben dreiste Betrüger in zwei
Fällen Schmuck und Gold im Wert von mehreren zehntausend Euro ergaunert. In
beiden Fällen erzählten sie den Seniorinnen aus Korbach die Lügengeschichte von
einem schweren Unfall von Angehörigen und einer nun angeblich fälligen Kaution,
um eine Haftstrafe zu verhindern. Die Kriminalpolizei Kassel hat die
Ermittlungen in diesen Fällen übernommen und sucht nun nach Zeugen, die
verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben oder Hinweise auf die
Geldabholer geben können. Die Polizei warnt erneut eindringlich vor dieser
Betrugsmasche und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.
Im ersten Fall hatten die Betrüger am Donnerstag, 12. März, gegen 23.00 Uhr eine
Korbacher Seniorin angerufen. Eine weibliche Stimme meldete sich und schrie mit
heulender Stimme, dass sie einen schweren Unfall hatte. Anschließend übergab die
Anruferin an einen Mann, der sich als "Herr Wachmann vom "K1" vorstellte. Er
schilderte, dass die Tochter der Angerufenen eine junge Mutter von zwei Kindern
überfahren habe und anschließend geflüchtet sei. Die angefahrene Frau sei an den
Unfallfolgen gestorben. Die Tochter der Seniorin habe man schließlich festnehmen
können, sie solle am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Haft
könne nur durch eine hohe Kaution abgewendet werden. Der angebliche "Herr
Wachmann" fragte die Seniorin nach Geld und Wertgegenständen aus. Nachdem die
Seniorin unter Druck gesetzt wurde, sagte sie, dass sie nur bei ihrer Bank Gold
habe, das könne sie aber erst am nächsten Tag holen. Der Betrüger verpflichtete
die Seniorin, mit niemandem über dieses Telefonat zu sprechen oder telefonieren
und kündigte einen Anruf eines Staatsanwaltes für Freitag an.
Am Freitagmorgen (13. März) meldete sich dann der angebliche "Staatsanwalt Dr.
König". Die betagte Frau folgte seinen Weisungen, zu ihrer Hausbank zu fahren
und dabei ständig über ihr Mobiltelefon Kontakt zum angeblichen Staatsanwalt zu
halten. Gegen 09.00 Uhr holte sie mehrere Goldbarren aus ihrem Schließfach und
fuhr, den telefonischen Anweisungen folgend, zum Korbacher Obermarkt. In der
Nähe des Bürgerhauses parkte sie ihr Auto, bis ein Mann, der als "Herr Kowalski"
angekündigt war, zu ihr kam. Sie übergab gegen 10.00 Uhr das Gold im Wert von
mehreren zehntausend Euro. Anschließend wurde sie noch länger am Telefon
gehalten, bis sie gegen 11.30 Uhr beim Amtsgericht Korbach wegen der angeblichen
Kaution nachfragte. Als sie anschließend auch ihre Tochter erreichen konnte,
wurde ihr klar, dass sie auf dreiste Betrüger reingefallen war. Den "Herrn
Kowalski" konnte sie wie folgt beschreiben:
Etwa 35 bis 40 Jahre alt,
auffällig klein, kurze, dunkle Haare, Dreitagebart, trug dunkle Oberbekleidung.
Auch beim zweiten Fall am Donnerstag, 18. März, gegen 14.00 Uhr, schilderte ein
angeblicher Polizist einen von der Tochter der angerufenen Seniorin verursachten
Unfall in Berlin, bei dem eine junge Frau zu Tode gekommen sei. In langen
Telefonaten mit mehreren Tätern wurde ihr erklärt, dass eine Kaution gezahlt
werden müsse, da ihre Tochter ansonsten in Haft gehe. Auch diese Seniorin hatte
kein Geld oder Wertgegenstände zuhause, aber bei ihrer Bank im Schließfach. Die
Betrüger setzten die Seniorin unter Druck, ermahnten sie eindringlich zu ihrer
angeblichen Schweigepflicht und meldeten sich am Freitag, 19. März, erneut
telefonisch. Auf Anweisung der Betrüger, die sich abwechselnd als Staatsanwälte
Dr. Hofer und Dr. König vorstellten, holte sie gegen 09.30 Uhr Gold aus ihrem
Schließfach. Gegen 12.00 Uhr übergab sie das Gold und weiteren Schmuck im
Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro in der Humboldtstraße in Korbach an den
Abholer, der als "Herr Kobalski" angekündigt war.
Als sich die Anrufer nicht mehr wie versprochen meldeten, wurde sie misstrauisch
und rief beim Notruf der Polizei und ihrer Tochter. Den Abholer konnte die
Seniorin wie folgt beschreiben:
Etwa 170 cm groß,
schlanke Figur, kurze, schwarze, krause Haare, kurzer, schwarzer, krauser Bart,
schwarz bekleidet.
In beiden Fällen ermittelt nun die EG SÄM der Kasseler Kriminalpolizei. Wer am
Freitag, 13. März, gegen 10.00 Uhr, am Korbacher Marktplatz oder am Freitag, 19.
März, gegen 12.00 Uhr in der Korbacher Humboldtstraße verdächtige Personen oder
Fahrzeuge gesehen hat, wird gebeten, sich unter Tel. 0561-9100 beim
Polizeipräsidium Nordhessen zu melden.
Die Polizei möchte die aktuellen Fälle nutzen, um eindringlich vor den
unterschiedlichen Maschen der professionell agierenden Betrüger zu warnen:
Legen Sie sofort auf, wenn es bei einem unerwarteten Anruf ums Geld, Vermögen
oder Daten geht. Lassen Sie sich nicht von den Geschichten täuschen. Nur so
lässt sich verhindern, Opfer von Betrügern am Telefon zu werden. Egal mit
welcher Geschichte die Betrüger agieren oder als was sie sich ausgeben. Alle
Geschichten münden in einer Geldforderung.
Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen Sie sich mit einer
Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld oder
Überweisung oder die Übergabe von Geld oder Wertgegenständen denken.
Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft rufen niemals an, um über Unfälle,
tragische Ereignisse, Festnahmen oder ähnliches zu berichten. Ebenso fordern sie
niemals Kautionszahlungen am Telefon oder ermahnen Sie zur Verschwiegenheit.
Dabei handelt es sich um eine Betrugsmasche.
Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche
Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder
lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben.
Warnen Sie Ihre Angehörigen und Bekannten vor dieser Masche.
Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie sofort auf, wenn
Sie ein solcher Anruf erreicht. Verständigen Sie anschließend die Polizei über
den Notruf 110.
Übergeben Sie niemals Geld an Unbekannte.
Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie
Anzeige.
Dirk Richter
Kriminalhauptkommissar
Rückfragen bitte an:
Polizeipräsidium Nordhessen
Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg
Pommernstr. 41
34497 Korbach
Pressestelle
Telefon: 05631/971 160 oder -161
Fax: 0611/32766-1012
E-Mail: pp-poea-korbach-ast.ppnh@polizei.hessen.de
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OTS: Polizei Korbach
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