|
Straßburg/Nuuk/Bonn (ots) - 20. Januar 2026 - Vor dem Auftritt von US-Präsident
Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos und dem
dortigen Aufeinandertreffen mit europäischen Regierungschefs herrscht angesichts
der US-Ambitionen, Grönland zu amerikanischem Staatsgebiet zu machen, große
Anspannung bei deutschen Außenpolitikern. "Das wird eine ziemlich heftige
Auseinandersetzung werden", war sich die Vorsitzende des Ausschusses für
Sicherheit und Verteidigung im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP)
im Fernsehsender phoenix sicher. Für Europa müsse die Zeit vorbei sein, bei
Trump noch Nachsicht walten zu lassen, um ihn nicht zu verärgern. Wenn Trump
wegen europäischer Unterstützung für Grönland Zölle erhebe, "sollte man die
Bazooka herausholen", sprach sich Strack-Zimmermann für spürbare Gegenmaßnahmen
aus. "Wenn wir es nicht tun, werden wir gefressen, und wer will schon mit jemand
verhandeln, in dessen Maul wir schon sind", nahm die FDP-Politikerin eine
Aussage des früheren britischen Premiers Winston Churchill auf. Leiden würden
bei Gegenzöllen die europäische Wirtschaft, vor allem aber die amerikanischen
Verbraucher.
Die USA seien kein Partner mehr, auf den man sich uneingeschränkt verlassen
könne. "Ab sofort werden wir in Europa allein um Sicherheit und Freiheit ringen
müssen", war Strack-Zimmermann überzeugt. Dies sei keine schöne Vorstellung,
"aber es ist die Realität, und es ist Zeit, dass sie hier ankommt". Klar sei,
dass man in Europa ein profundes Interesse daran haben müsse, "eine gewisse
Freundschaft" zu den USA aufrechtzuerhalten. Doch müssten die Europäer sehr
schnell in der Wirklichkeit ankommen. "Vielleicht haben wir den Tritt in den
Allerwertesten gebraucht, um endlich zu verstehen, dass die Zeiten, dass andere
für uns die Probleme lösen, vorbei sind", so die liberale Politikerin.
Auch CDU-Außenpolitiker Peter Beyer, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und
derzeit zu Konsultationen in Grönlands Hauptstadt Nuuk, rechnet in Davos mit
harten Gesprächen. "Es wird einhellig klar gemacht werden von europäischer
Seite, dass die Zeiten von Charme-Offensive und Beschwichtigungspolitik vorbei
sind", meinte Beyer. Niemand wolle eine Konfrontation mit den USA, doch werde
man dem amerikanischen Präsidenten deutlich zu verstehen geben, dass man sich
nicht alles gefallen lasse. "Wenn es dazu kommen muss, was keiner will, dann
werden wir Gegenzölle erheben", so der Christdemokrat, der hinzufügte: "Donald
Trump sollte sich nichts vormachen: Wenn die Europäer zusammenhalten und ihren
Instrumentenkasten nutzen, dann schadet das auch seiner Klientel. Und die wird
sich das auch nicht gefallen lassen." Im Übrigen sehe er die EU und ein Stück
weit auch die Nato an einem Kipppunkt. "Wir haben Werte und Interessen. Und wir
müssen bereit sein, einen Preis zu zahlen, diese Werte und Interessen zu
verteidigen." Wenn man dies nicht tue, müsse man sich die Frage gefallen lassen,
was man künftig noch verteidigen wolle.
Pressekontakt:
phoenix-Kommunikation
Telefon: 0228 / 9584 192
kommunikation@phoenix.de
Twitter.com: phoenix_de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6511/6200419
OTS: PHOENIX
|