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Bauernfeind: "Ausgaben konsequent in den Blick nehmen" |
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| 30.03.2026 20:05 Uhr |
AOK Baden-Württemberg |
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Stuttgart (ots) - Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK
Baden-Württemberg, äußert sich positiv zu den Empfehlungen der FinanzKommission
Gesundheit die heute (30.03.) in Berlin vorgestellt wurden. Kritisch sieht er
den Vorschlag zur Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von
Ehepartnern:
"Die FinanzKommission Gesundheit hat heute in Berlin ihre Empfehlungen zur
kurzfristigen Stabilisierung der GKV-Finanzen vorgelegt. 66 Vorschläge, klare
Analyse und ein unmissverständliches Signal: Die Ausgabenseite der GKV ist außer
Kontrolle - und das lässt sich nicht länger ignorieren.
Das Ziel der Kommission ist richtig: eine konsequente Rückkehr zur
einnahmenorientierten Ausgabenpolitik. Im kommenden Jahr wird mit einem Defizit
von 15,3 Milliarden Euro gerechnet - bereits 2030 wird es nach Berechnungen der
Kommission bei 40,4 Milliarden Euro liegen. Ich unterstütze deshalb das Ziel der
Kommission: Eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik sollte im Zentrum stehen,
damit wir nicht mit kurzfristigen Sparpaketen immer wieder nur die Symptome
behandeln.
Den größten Hebel sieht die Kommission bei der ausgabendeckenden Finanzierung
der Grundsicherungs-Beziehenden, mit einem Einsparpotenzial von bis zu 12
Milliarden Euro. Zurecht sollte hier endlich angesetzt werden. Es ist
strukturell ungerecht und politisch nicht zu rechtfertigen, dass
GKV-Beitragszahlende hier übermäßig belastet werden, während die private
Krankenversicherung außen vor bleibt. Mehrere Bundesregierungen hatten dieses
Problem erkannt und im Koalitionsvertrag adressiert - gehandelt hat bislang
keine. Das muss sich jetzt ändern.
Deutlich wird die Kommission auch bei den Vergütungen im ambulanten Bereich. Die
Zuschläge aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz von 2019 haben die Kosten
erheblich steigen lassen, ohne dass sich die Wartezeiten auf einen
Facharzttermin nachweislich verbessert hätten. Diese Fehlsteuerung gehört
korrigiert.
Präventionsoffensive starten
Sehr positiv bewerte ich die geplante Präventionsoffensive. Wir müssen das
Gesundheitswesen konsequent in Richtung Vorsorge und Gesundheitskompetenz
weiterentwickeln. Viele Krankheitsbilder lassen sich durch ausreichend Bewegung
und gesunder Ernährung nachweislich vermeiden. Der langfristige Nutzen von
Prävention wird in der Gesundheitspolitik aber nach wie vor systematisch
unterschätzt und nicht vorangetrieben. Die vorgeschlagene Erhöhung der Tabak-
und Alkoholsteuer sowie die schrittweise Einführung einer Steuer auf gezuckerte
Getränke sind daher der richtige Weg.
Die Anhebung des Herstellerabschlags für Arzneimittel von sieben auf 14 Prozent
ist überfällig und richtig. Eine verpasste Chance bleibt jedoch, dass die
Kommission nicht gleichzeitig die Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel
auf den ermäßigten Satz empfohlen hat. Das wäre konsequent gewesen.
Den Vorschlag zur Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern
sehe ich mit großer Skepsis. Die Familienversicherung ist kein
versicherungsfremder Zusatz, sondern ein zentrales Element des Solidarprinzips
der gesetzlichen Krankenversicherung - und damit ein wesentlicher Unterschied
zur privaten Krankenversicherung. Sollte diese Vorschlag vom Gesetzgeber
aufgegriffen werden, belastet dies je nach Ausgestaltung insbesondere Familien
sowie Haushalte mit geringeren Einkommen.
Die Politik ist jetzt gefordert, aus dem umfangreichen Maßnahmenpaket die
wirkungsvollen Punkte zügig umzusetzen. Dabei muss die Intention der Kommission
weiter im Mittelpunkt stehen: der konsequente Fokus auf die Ausgabenseite, um
die vorliegenden strukturellen Probleme konsequent anzugehen."
Pressekontakt:
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Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - AOK Baden-Württemberg
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