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Düsseldorf (ots) - Demenztherapie wird oft auf die Gabe von Medikamenten
reduziert. Dabei können nicht-medikamentöse Ansätze wie Bewegung, gezielte
geistige Aktivierung oder Musiktherapie einen wichtigen Beitrag leisten: Sie
helfen, kognitive Fähigkeiten zu stabilisieren, Alltagskompetenzen zu fördern
und Begleitsymptome wie Unruhe oder depressive Verstimmungen zu lindern.
"Nicht-medikamentöse Therapien setzen an den vorhandenen Fähigkeiten der
Menschen an", sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing von der Alzheimer Forschung
Initiative e.V. (AFI). "Richtig angeleitet und regelmäßig durchgeführt, können
sie dazu beitragen, Selbstständigkeit länger zu erhalten und die Lebensqualität
zu verbessern." Die AFI informiert darüber, welche nicht-medikamentösen Ansätze
wissenschaftlich untersucht sind - und worauf Menschen mit Demenz und ihre
Angehörigen bei der Auswahl achten sollten.
Bewegung: Positive Effekte auf Denken und Alltag
Körperliche Aktivität ist eine der am besten untersuchten nicht-medikamentösen
Therapieformen. Dazu gehören zügiges Gehen, Radfahren, Gymnastik, leichte
Kraftübungen sowie Tai-Chi oder Tanzen.
Studien zeigen, dass insbesondere regelmäßiges Ausdauertraining die kognitive
Leistungsfähigkeit unterstützen kann. Gleichzeitig können Kraftübungen dazu
beitragen, alltägliche Aufgaben wie Anziehen oder Kochen länger selbstständig zu
bewältigen und Stürzen vorzubeugen.
Als Orientierung gelten rund 150 Minuten Bewegung pro Woche. Entscheidend sind
jedoch vor allem Regelmäßigkeit und individuelle Anpassung.
Kognitive Aktivierung: Fähigkeiten gezielt stärken
Strukturierte Trainings können vor allem im frühen bis mittleren Stadium einer
Demenz dazu beitragen, kognitive Fähigkeiten zu stabilisieren. Dazu zählen
moderierte Gespräche, Wort- oder Ratespiele sowie Übungen, die die Biografie der
Menschen mit einbeziehen - etwa durch Fotos oder persönliche Gegenstände.
Wichtig ist dabei eine wertschätzende Atmosphäre ohne Leistungsdruck. Reines
Wiederholen oder Auswendiglernen zeigt dagegen kaum nachhaltige Effekte. "Reine
Rätselaufgaben wie Sudoku oder Kreuzworträtsel können ergänzend sinnvoll sein",
sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing. "Werden jedoch immer wieder die gleichen oder
sehr ähnliche Aufgaben gelöst, lässt der Effekt nach. Oft wirken sich
alltagsnahe, abwechslungsreiche Aktivitäten besser auf die Kognition aus -
insbesondere dann, wenn sie Bewegung, soziale Kontakte und Erinnerungen
miteinander verbinden."
Ergotherapie: Selbstständigkeit im Alltag erhalten
Ergotherapie stärkt praktische Alltagsfähigkeiten, wie das Zubereiten einfacher
Mahlzeiten oder das Strukturieren des Tagesablaufs. Ziel ist es, vorhandene
Ressourcen zu nutzen und Überforderung zu vermeiden.
Maßnahmen im häuslichen Umfeld sind besonders geeignet, da sie direkt in den
Alltag integriert werden können. Studien zeigen positive Effekte auf die
Alltagskompetenz und die Stimmung.
Musiktherapie: Zugang über Emotionen
Musik kann Menschen erreichen, selbst wenn ihnen Sprache zunehmend schwerfällt.
Durch gemeinsames Singen, Rhythmusübungen oder das Hören vertrauter Lieder
werden emotionale Erinnerungen angesprochen, die oft lange erhalten bleiben.
Musiktherapie kann in unterschiedlichen Stadien eingesetzt werden.
Untersuchungen deuten auf positive Effekte auf Stimmung und Verhalten hin,
teilweise auch auf kognitive Leistungen. "Gezielte Reize wie Musik können
Erinnerungen aktivieren, Orientierung geben und durch positive Gefühle das
Wohlbefinden steigern", sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing.
Wege zu passenden Angeboten
Nicht-medikamentöse Therapieangebote sind vielen Menschen mit Demenz und ihren
Angehörigen bislang wenig bekannt. Häufig sind sie nicht automatisch Teil der
Versorgung oder werden nur auf Nachfrage verordnet. Daher ist es wichtig, sich
frühzeitig über passende Möglichkeiten zu informieren.
Erste Anlaufstellen sind behandelnde Ärztinnen und Ärzte, etwa in neurologischen
Fachpraxen. Sie können beraten und bei Bedarf Therapien wie Bewegungs- oder
Ergotherapie verordnen. Auch Gedächtnisambulanzen und spezialisierte
Demenzberatungsstellen können weiterhelfen.
Unterstützung bieten zudem Pflegeberatungsstellen, Krankenkassen und regionale
Angebote wie Alzheimer-Gesellschaften oder Selbsthilfegruppen. Sie informieren
über wohnortnahe Therapiemöglichkeiten und helfen bei der Auswahl geeigneter
Maßnahmen.
"Wichtig ist, sich aktiv zu informieren und Angebote auszuprobieren, die zur
persönlichen Situation passen", sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing. "Eine gute
Beratung kann dabei helfen, passende Therapien zu finden und diese langfristig
in den Alltag zu integrieren."
Fachliche Grundlage
Die Einschätzungen basieren auf der aktuellen S3-Leitlinie "Demenzen"
(DGPPN/DGN, 2026), die den wissenschaftlichen Stand zu nicht-medikamentösen
Therapien zusammenfasst.
Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der
das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert
die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen
und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung
bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website informiert die AFI über
die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Seit seiner Gründung konnte der
Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro
unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen.
Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.
Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden
Sie auf http://www.alzheimer-forschung.de/ .
Pressekontakt:
Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI)
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