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Bonn/Berlin/Heidelberg (ots) - Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur
Anpassung der Krankenhausreform (KHAG) im Bundesrat warnen Deutsche Krebshilfe,
Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsches Krebsforschungszentrum vor erheblichen
Risiken für die Qualität der onkologischen Versorgung in Deutschland. Erweiterte
Ausnahmeregelungen und verlängerte Übergangsfristen würden die notwendige
Konzentration komplexer Krebsbehandlungen in spezialisierten Strukturen
ausbremsen. Vor diesem Hintergrund raten sie Krebspatientinnen und -patienten,
sich gezielt für eine Behandlung in zertifizierten Krebszentren und
Comprehensive Cancer Centern (CCC) zu entscheiden.
Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, betont: "Krebspatientinnen
und -patienten brauchen die Verlässlichkeit einer hohen Qualität in der Therapie
- und die bekommen sie dort, wo Behandlung nach klaren Qualitätsvorgaben
erfolgt: in zertifizierten Krebszentren und Comprehensive Cancer Centern. Wenn
die Politik zulässt, dass komplexe Krebstherapien weiterhin auch außerhalb
solcher Strukturen erbracht werden, wird Qualität zur Option statt zum Maßstab.
Das darf nicht sein. Patientinnen und Patienten müssen sich bewusst machen: Der
Behandlungsort beeinflusst maßgeblich ihre Chancen auf Heilung."
Professor Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft,
ergänzt: "Die Evidenz ist eindeutig: Eine Erstbehandlung in zertifizierten
Krebszentren verbessert die Überlebenschancen von Krebsbetroffenen - und
entlastet zugleich finanziell das Gesundheitssystem. Studien wie WiZen (http://w
ww.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Publikationen_Produkte/GGW/2022/wido_ggw_
0422_schoffer_et_al.pdf) zeigen, dass Qualität und Wirtschaftlichkeit hier Hand
in Hand gehen. Wenn nun Ausnahmen von Qualitätsvorgaben ausgeweitet werden und
Krebsbehandlungen auch weiterhin in nicht spezialisierten Kliniken stattfinden
können, konterkariert das die eigentlichen Ziele der Reform. Eine
Krankenhausreform, die Behandlungsqualität relativiert, wird ihrem Anspruch
nicht gerecht - und gefährdet eine moderne, effiziente und qualitativ hohe
Krebsversorgung in Deutschland."
Auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums, Professor
Dr. Michael Baumann, mahnt den drohenden Qualitätsverlust der onkologischen
Versorgung an: "Wir wissen aus der Forschung sehr genau, welche Faktoren die
Prognose von Krebspatientinnen und -patienten verbessern: Erfahrung, hohe
Fallzahlen, interdisziplinäre Teams und strukturierte Qualitätssicherung. Diese
Prinzipien müssen die Grundlage der Versorgung sein. Eine Reform, die zu viele
Ausnahmen zulässt, verwässert evidenzbasierte Standards und zementiert
bestehende Qualitätsunterschiede. Ziel muss es sein, Spitzenmedizin konsequent
in die Fläche zu bringen - nicht, sie zu relativieren."
Die Krebspatientin Tatjana Loose, die 2015 wegen eines
Bauchspeicheldrüsenkarzinoms behandelt wurde, betont die Bedeutung
spezialisierter Kliniken: "Bei einer so komplexen und aggressiven
Tumorerkrankung ist es entscheidend, dass verschiedene wichtige Fachdisziplinen
eng zusammenarbeiten. Ich wurde damals glücklicherweise in einem zertifizierten
Zentrum behandelt - sozusagen der TÜV der Krebsmedizin. Dort war gewährleistet,
dass alle beteiligten Fachbereiche Erfahrung mit Pankreaskarzinomen haben und
die Behandlung abgestimmt erfolgt, wie bei einem funktionierenden Uhrwerk, in
dem alle Zahnräder ineinandergreifen müssen. Aus meiner Sicht sollten Betroffene
sich daher bewusst für ein zertifiziertes Zentrum oder CCC entscheiden und nicht
automatisch das nächstgelegene Krankenhaus wählen."
Hintergrund
Derzeit wird etwa die Hälfte der Krebspatientinnen und -patienten in Deutschland
nicht in zertifizierten Zentren behandelt. Gleichzeitig belegen Studien, dass
eine Behandlung in solchen Zentren mit besseren Überlebenschancen und
effizienterer Versorgung verbunden ist.
LINKS
Comprehensive Cancer Center:
https://www.krebshilfe.de/helfen/rat-hilfe/onkologische-spitzenzentren/
Zertifizierte Zentren: http://www.oncomap.de
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