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Nürnberg (ots) - Eine immowelt Analyse zur Warmmiete einer
90-Quadratmeter-Wohnung und dem verfügbaren Haushaltseinkommen einer 3-köpfigen
Familie in 93 ausgewählten Berliner Ortsteilen zeigt:
- Wohnkostenexplosion: Neuverträge überschreiten in 89 von 93 untersuchten
Berliner Ortsteilen die Quote von 30 Prozent am Haushaltsnettoeinkommen einer
dortigen Durchschnittsfamilie
- Umzug (fast) unmöglich: Höchste Wohnkostenbelastung für 3-köpfige Familien in
Großsiedlungen: Gropiusstadt (44,3 Prozent), Neu-Hohenschönhausen (41,5
Prozent) und Britz (39,7 Prozent)
- Gentrifizierung: In teuren Kiezen wie Mitte oder Prenzlauer Berg ist die
Mietbelastung geringer, weil Einkommen dort höher sind - niedrige oder
mittlere Einkommen wurden dort bereits verdrängt
- 85 Prozent der Berliner mieten: Bezahlbarer Wohnraum ist zentrales Thema bei
der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September
Die 30-Prozent-Grenze gilt eigentlich als goldene Regel bei der Wohnungssuche.
Die Warmmiete sollte diesen Anteil am Nettoeinkommen nicht überschreiten. Doch
eine aktuelle immowelt Datenauswertung für die Berliner Ortsteile zeigt: Diese
Regel ist in der Hauptstadt Geschichte. Eine 3-köpfige Familie mit 1,5
Durchschnittseinkommen muss für den Umzug in eine familientaugliche
90-Quadratmeter-Wohnung in nahezu allen Berliner Ortsteilen mehr als 30 Prozent
der Nettoeinkommen für die Warmmiete ausgeben - in der Spitze verschlingen die
Wohnkosten fast die Hälfte des verfügbaren Einkommens. Analysiert wurden die
Warmmieten bei Neuverträgen für eine beispielhafte Wohnung mit 90 Quadratmetern
und die durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen (ein Vollverdiener, ein
Teilverdiener, ein Kind) in 93 ausgewählten Berliner Ortsteilen. Ein Trend
zeichnet sich deutlich ab: Am höchsten ist die Belastung nicht in den hippen
Trend-Kiezen, sondern in klassischen Arbeiter- und Großsiedlungen. Da 85 Prozent
der Berliner Haushalte Mieter sind, ist Wohnraum ein zentrales Wahlkampfthema
bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September.
"In Berlin zeigt sich eine gefährliche Entkopplung: Die Mieten bei Neuverträgen
steigen rasant, während die Einkommen der ansässigen Familien nicht Schritt
halten können. Wer heute innerhalb des eigenen Kiezes umziehen muss oder als
Familie mehr Platz braucht, wird verdrängt", sagt Theo Mseka, Geschäftsführer
von immowelt. "Die Gentrifizierung hat auch die einst als günstig geltenden
Berliner Großsiedlungen am Stadtrand mit voller Wucht erreicht."
44 Prozent des Einkommens für die Warmmiete
Die hohe finanzielle Belastung durch explodierende Mieten hat somit längst die
Ränder Berlins erreicht. In der Gropiusstadt in Neukölln liegt das lokale
mittlere Haushaltsnettoeinkommen einer 3-köpfigen Familie bei monatlich 3.675
Euro, eine 90-Quadratmeter-Wohnung kostet 1.627 Euro Warmmiete. Das bedeutet
eine Mietbelastungsquote von 44,3 Prozent. Ähnlich sieht es in
Neu-Hohenschönhausen (41,5 Prozent) und in Britz (39,7 Prozent) in Neukölln aus.
Alle gelten als traditionelle Arbeiterbezirke, deren Bebauung von Mietshäusern
mit vergleichsweise günstigen Bestandsmieten geprägt ist. Diese Kieze sind daher
von dem Trend der letzten Jahre besonders hart getroffen. Die Neuvertragsmieten
sind zuletzt rasant gestiegen, während die Einkommen der dortigen Bevölkerung
nicht Schritt halten konnten. Kleinere und mittlere Einkommen können sich den
Umzug dort nur noch schwerlich leisten und werden auch aus diesen Vierteln
verdrängt. Die Gentrifizierung hat in Berlin somit auch die einst klassischen
Arbeiterkieze erfasst.
Das Prenzlauer-Berg-Paradoxon
Einen auf den ersten Blick überraschenden Kontrast bilden ausgerechnet die
Bezirke, die oft als Anschauungsbeispiele für Gentrifizierung und unbezahlbaren
Wohnraum herangezogen werden. Mitte, Prenzlauer Berg oder auch das Villenviertel
Dahlem rangieren im unteren Drittel der Belastungsskala. In Dahlem liegt die
Quote bei 30,8 Prozent, im Prenzlauer Berg bei 31,2 Prozent, in Mitte bei 31,5
Prozent. Wohnen ist dort aber nicht günstiger: Eine 90-Quadratmeter-Wohnung
kostet in Dahlem im Schnitt 1.750 Euro warm. Die geringere Belastungsquote
ergibt sich schlichtweg aus der Tatsache, dass sich den Umzug in diese Kieze nur
noch Besserverdiener leisten können. Familien in Prenzlauer Berg verfügen über
ein mittleres Haushaltsnettoeinkommen von über 5.100 Euro - in Dahlem sind es
über 5.600 Euro. Kleine und mittlere Einkommen wurden aus diesen Vierteln meist
schon verdrängt. Die Schere zwischen Arm und Reich bildet sich somit auf der
Berliner Landkarte ab.
Fluchtpunkt günstiger Stadtrand? Nur noch bedingt möglich
Der weitere Weg an den Stadtrand bringt für Wohnungssuchende nur noch bedingt
finanzielle Entspannung. Selbst im Ortsteil mit der besten Wohnkostenquote,
Staaken am äußersten Westrand Berlins, liegt die Belastung bei 27,3 Prozent.
1.330 Euro Warmmiete für 90 Quadratmeter treffen hier auf 4.875 Euro mittleres
Haushaltseinkommen. Insgesamt kommen nur 4 der 93 analysierten Ortsteile auf
eine Wohnkostenquote unter 30 Prozent.
Fazit: Berlin, eine Mieterstadt am Limit
Berlin ist historisch eine klassische Mieterstadt: Von den 1,95 Millionen
Haushalten in der Hauptstadt wohnen 1,67 Millionen zur Miete[1]. Das entspricht
einem Anteil von 85 Prozent. Angesichts vieler langlaufender Mietverträge wohnen
viele Berliner zwar weiterhin vergleichsweise preiswert, doch bei Neuverträgen
würden die Wohnkosten teils drastisch steigen. Wenn Normalverdiener in
Großsiedlungen wie der Gropiusstadt oder Marzahn einen Großteil ihres Gehalts
für ein Dach über dem Kopf aufwenden müssen, fehlt dieses Geld für Konsum,
Altersvorsorge und gesellschaftliche Teilhabe. Die Gentrifizierung des Berliner
Wohnungsmarkts ist längst nicht mehr nur ein Problem der Modeviertel, sondern
hat die Peripherie mit voller Wucht erreicht.
Ausführliche Tabellen zur Mietbelastung in den 93 Berliner Ortsteilen stehen
hier zum Download bereit. (https://content.cdn.immowelt.com/iw_group2/import/Red
aktion/Pressemitteilungen/2026/2026_08_03_Tabellen_Mieten_Berlin.pdf)
Eine interaktive Karte für die Berliner Ortsteile steht hier zur Verfügung. (htt
ps://content.cdn.immowelt.com/iw_ratgeber2/Interaktive_Karte/Berlin/Berlin_Mietb
elastung_0826.html)
Eine Auswahl an druckfähigen Fotos von Theo Mseka steht hier zum Download
bereit. (https://www.immowelt.de/ueberuns/presse/bilder-und-logos/)
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[1] Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
(https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/f-i-2-4j)
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