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Niedrigwasser bedroht nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Flussökosysteme / Der BUND warnt vor Verlust wichtiger Lebensräume

12.08.2026 15:36 Uhr Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

Berlin (ots) -

- Fahrrinnenvertiefung würde Ökosysteme zusätzlich belasten - Dauerhaftes Niedrigwasser entzieht Landschaft noch mehr Wasser, stresst Grundwasser und beeinflusst Trinkwassergewinnung - Auch Land- und Forstwirtschaft von Folgen betroffen

Unter dem aktuellen Niedrigwasser leidet nicht nur die Wirtschaft und Logistik, sondern auch der Lebensraum Fluss. Mit sinkenden Wasserständen nimmt der Sauerstoffgehalt ab, das Wasser wird wärmer und die Schadstoffbelastung steigt. Flache Uferbereiche und Kiesbänke, die Laich- und Aufwuchsgebiete von Fischen und anderen Wasserbewohnern trocknen aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt deshalb davor, Flüsse nur als Wasserstraßen und Verkehrswege zu behandeln.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "Das Niedrigwasser schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern bedroht auch wertvolle Lebensräume. Flüsse sind komplexe Ökosysteme, auf die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angewiesen sind. Die Fahrrinnen zu vertiefen wird der Landschaft noch mehr Wasser entziehen - darunter leiden dann auch Landwirt*innen, Waldbesitzer*innen und die Trinkwasserversorgung."

Fische und andere Flusslebewesen unter Druck

Niedrigwasser in Flüssen kann Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme erheblich belasten. Je häufiger und je länger das Niedrigwasser anhält, desto gravierender können die Folgen sein. Besonders problematisch ist die Kombination aus niedrigem Wasserstand und hohen Temperaturen. In wärmerem, nährstoffreichem Wasser vermehren sich Algen oft schneller. Die entstehenden "Algenblüten" entziehen dem Wasser Sauerstoff. Durch diese Eutrophierung werden Fische und Kleinlebewesen lebensbedrohlich gefährdet.

Der Lebensraum der Fische schrumpft bei Niedrigwasser ebenso. Trocknen Teilabschnitte sehr stark aus, können Fischwanderwege unterbrochen und Laich- und Rückzugsräume zerstört werden. Die Veränderungen des Lebensraums sind rasant und Tiere und Pflanzenarten haben keine Möglichkeit, sich anzupassen. Gleichzeitig sind die Tiere auf engem Raum zusammengedrängt und werden leichter von Fressfeinden erbeutet.

Ufer und Auen leiden

Auch die Natur im Uferbereich leidet unter dem Niedrigwasser. Wasserpflanzen können austrocknen oder durch höhere Wassertemperaturen geschädigt werden. Die Wurzeln der Uferpflanzen erreichen absinkendes Wasser nicht mehr und können absterben.

Besonders gefährdet sind die ohnehin seltenen und bedrohten Auen-Lebensräume. Am Rhein könnten durch das Niedrigwasser beispielsweise flache Altarme mit ihrer teilweise noch intakten Vegetation austrocknen. Im ungünstigsten Fall werden sie vom Hauptstrom abgeschnitten und verlieren dann ihre Funktion als Rückzugs- Fortpflanzungs- und Ernährungsgebiete.

Tiere, die an das Wasser gebunden sind, verlieren durch Austrocknung große Teile ihres Lebensraums. Dies betrifft zum Beispiel alle Arten, die im Wasser jagen. Auch Vögel, die am schlammigen Boden nach Nahrung suchen, sind betroffen.

Sauerstoff- und Schadstoffkonzentration steigt

Je weniger Wasser da ist und je flacher es wird, desto weniger Sauerstoff steht zur Verfügung. Für Fische, Muscheln und andere Wasserlebewesen bedeutet das zusätzlichen Stress; bei starkem Sauerstoffmangel können sie sterben.

Zugleich kann die Konzentration von giftigen Schadstoffen im Wasser steigen, weil weniger Wasser zum Verdünnen vorhanden ist. Zusammen mit der höheren Wassertemperatur verschärft das die Belastung für das gesamte Flussökosystem. Sterben dadurch Insektenlarven, Muscheln oder Fische, fehlt anderen Tieren die Nahrungsgrundlage - etwa Wasservögeln oder größeren Fischen.

"Niedrigwasser wird nicht nur zu einem Problem einer einzelnen Art, sondern kann die Stabilität des gesamten Ökosystems und somit auch von uns Menschen beeinträchtigen", so Olaf Bandt.

Fahrrinnenvertiefung mit hohen ökologischen Kosten

Eine Vertiefung der Fahrrinnen für die Binnenschifffahrt, wie aktuell diskutiert, wird der Landschaft noch mehr Wasser entziehen. Das kann auch zum Problem für Landwirt*innen und Waldbesitzende werden.

Olaf Bandt: "Eine Fahrrinnenvertiefung geht mit hohen ökologischen Kosten einher. Das Ziel des Ausbaggern ist es, das wenige vorhandene Wasser in schmaleren und tieferen Rinnen zu konzentrieren, damit die schwer beladenen Schiffe nicht auf Grund laufen. Das funktioniert nur, weil damit der umliegenden Landschaft noch mehr Wasser entzogen wird. Darunter werden dann auch Land- und Forstwirtschaft leiden, die ohnehin schon mit der Trockenheit zu kämpfen haben.

Der BUND fordert deshalb keine weitere Fahrrinnenvertiefung, Renaturierung, mehr Wasserrückhalt in der Landschaft und eine Anpassung der Schifffahrt an das verfügbare Wasserdargebot.

Mehr Informationen:

- BUND-Seite: Flüsse und Klimakrise (https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/ausw irkungen-des-klimawandels-auf-den-wasserhaushalt/) - BUND-Publikation: Warum wir mehr Auenwald brauchen (https://www.bund.net/servi ce/publikationen/detail/publication/warum-wir-mehr-auenwald-brauchen/) - BUND-Forderungen: Lebendige Flüsse statt Wasserstraßen! (https://www.bund.net/fluesse-gewaesser/) - Kontakt: Caroline Lamps, Teamleitung Lebensräume und Leitung Naturschutzpolitik, Tel.: +49 30 27586-234, E-Mail: caroline.lamps(at)bund.net - Sie finden den BUND-Bundesverband auch auf Bluesky (https://bsky.app/profile/bund.net) , Instagram (https://www.instagram.com/bund_bundesverband/) und Facebook (https://www.facebook.com/bund.bundesverband)

Pressekontakt:

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Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7666/6332073 OTS: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
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