|
Celle (ots) - Mehr als 40 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Schotten Colin
David Adamson beschäftigt der Fall erneut die Ermittler der Polizei Celle. Der
damals 33-Jährige wurde im Dezember 1983 tot im Kofferraum eines ausgebrannten
Pkw in einem Waldgebiet im Landkreis Celle gefunden. Bis heute ist ungeklärt,
wer ihn getötet hat und warum. Die Polizei nimmt den Cold Case nun erneut in den
Blick und hofft dabei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Der Fall ist auch das Thema einer Dokumentation, die am 29.10.26 im Rahmen der
Sendung "Hallo Deutschland" im ZDF ausgestrahlt wurde. Die Folge gehört zur
Serie "Wahre Verbrechen - Suche nach Gerechtigkeit" und ist in Kürze auch in der
Mediathek des ZDF abrufbar.
Am Morgen des 18. Dezember 1983, gegen 09:15 Uhr, entdeckte ein Spaziergänger in
einem Waldgebiet zwischen Groß Hehlen und Hustedt einen ausgebrannten Pkw. Im
Kofferraum befand sich die stark verbrannte Leiche des damals 33-jährigen Colin
David Adamson aus Schottland. Adamson war britischer Staatsangehöriger und
arbeitete auf einer Ölplattform für das britische Unternehmen Sedco. Vom 6. bis
20. Dezember 1983 sollte er beruflich bei der Firma Cameron in Celle tätig sein
und dort die Herstellung von Ausrüstung für seinen Arbeitgeber begleiten. In
Schottland hinterließ er seine Ehefrau und zwei damals zwei und sechs Jahre
alten Kinder.
Die rechtsmedizinischen Untersuchungen damals ergaben, dass Adamson vermutlich
infolge stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf starb. Ein Sachverständiger
stellte zudem fest, dass das Fahrzeug unter Verwendung eines Brandbeschleunigers
vorsätzlich in Brand gesetzt worden war. Die Ermittlungen wurden wegen des
Verdachts des Mordes gegen Unbekannt geführt.
Die Ermittler beschäftigten sich intensiv mit Adamsons persönlichen Kontakten
und seinen Aktivitäten während seines knapp zweiwöchigen Aufenthalts in Celle.
Er wurde als aufgeschlossen und kontaktfreudig beschrieben, sprach gut Deutsch
und verbrachte auch nach Feierabend Zeit mit seinen Celler Kollegen. Zudem
besuchte er regelmäßig Lokale und Bars in Celle.
Anfang der 1980er-Jahre waren zahlreiche Angehörige der britischen Streitkräfte
in Celle und der Umgebung stationiert. Sie gehörten zum damaligen Stadtbild und
waren auch im Celler Nachtleben präsent. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen
sind zwei Begegnungen bis heute von besonderem Interesse
Am frühen Abend des 17. Dezember 1983 wurde Colin Adamson von zwei voneinander
unabhängigen Zeugen unabhängig in dem damaligen Lokal "Kleine Apotheke" erkannt.
Dort soll er mit zwei Männern an der Theke gesessen und sich auf Englisch mit
ihnen unterhalten haben. Gegen 18 Uhr sollen die drei Männer das Lokal gemeinsam
verlassen haben. Nach den damaligen Ermittlungen waren die beiden Männer die
letzten bekannten Personen, mit denen Adamson über einen längeren Zeitraum
persönlichen Kontakt hatte.
Mithilfe der Zeugen wurden Phantomzeichnungen der beiden Unbekannten
angefertigt. Die beiden Männer konnten damals trotz intensiver Ermittlungen -
auch unter den Angehörigen der britischen Streitkräfte - nicht identifiziert
werden. Der erste Mann wurde als etwa 25 bis 35 Jahre alt, mindestens 1,80 Meter
groß und von schlanker bis kräftiger Statur beschrieben. Auffällig war ein
Oberlippenbart. Der zweite Mann soll ebenfalls etwa 25 bis 35 Jahre alt, rund
1,80 Meter groß und schlank gewesen sein. Die Polizei weist ausdrücklich darauf
hin: Allein aufgrund dieser Begegnung sind die beiden Männer nicht
tatverdächtig. Sie könnten jedoch wichtige Zeugen sein und möglicherweise
Angaben zu Colin Adamsons weiteren Aufenthaltsorten, Kontakten oder Plänen an
diesem Abend machen.
Eine weitere bislang ungeklärte Spur führt zu einer damaligen BP-Tankstelle an
der Hannoverschen Heerstraße in Celle. Gegen 22 Uhr am 17. Dezember 1983
betraten zwei Männer die zu dieser Zeit nachts geöffnete Tankstelle. Sie nahmen
im Verkaufsraum einen Kraftstoffkanister an sich und bezahlten Super-Benzin im
Wert von zehn D-Mark mit einem Tankcoupon.
Die beiden Männer waren zivil gekleidet und sprachen nach Erinnerung der
damaligen Tankstellenmitarbeiterin offenbar muttersprachlich Englisch. Derartige
Tankcoupons wurden seinerzeit von Angehörigen des britischen Militärs als
Zahlungsmittel genutzt. Auf dem Coupon soll ein britisches Kennzeichen vermerkt
gewesen sein. Als die Bedeutung des Vorgangs im Zuge der Ermittlungen erkannt
wurde, waren die gesammelten Coupons bereits von der Tankstelle weitergeleitet
worden. Einer der Männer wurde als etwa 25 bis 30 Jahre alt und 1,80 bis 1,85
Meter groß beschrieben. Er sprach gutes Deutsch mit deutlich englischem Akzent.
Besonders auffällig war eine Tätowierung auf seinem linken Unterarm, die von der
Zeugin seinerzeit als laienhaft ausgeführt beschrieben und skizziert wurde.
Der zweite Mann soll etwa 30 bis 35 Jahre alt und 1,70 bis 1,73 Meter groß
gewesen sein. Er wurde als breit und kräftig beschrieben, sprach nur schlecht
Deutsch und insgesamt wenig. Auch für diese beiden Männer gilt: Die damaligen
Beobachtungen allein begründen keinen Tatverdacht. Für die Ermittler könnten die
Männer jedoch wichtige Zeugen sein.
Den Ermittlern ist bewusst, dass Phantomzeichnungen und Personenbeschreibungen
nach mehr als vier Jahrzehnten nur noch eine eingeschränkte Aussagekraft haben.
Ein Detail könnte jedoch auch heute noch einen Wiedererkennungswert besitzen:
die auffällige Tätowierung auf dem linken Unterarm eines der Männer von der
Tankstelle.
Die Polizei Celle fragt deshalb insbesondere:
Wer kennt oder kannte einen Mann, der um das Jahr 1983 Angehöriger der
britischen Streitkräfte war oder sich im Umfeld britischer Militärangehöriger in
Celle und Umgebung bewegte und eine Tätowierung trug, die der damaligen Skizze
ähnelt?
Wer erkennt eine der auf den Phantomzeichnungen dargestellten Personen wieder
oder kann Angaben zu deren Identität machen?
Wer hatte im Dezember 1983 Kontakt zu Colin David Adamson oder kann Angaben zu
seinen Kontakten und Aufenthaltsorten am 17. Dezember 1983 machen?
Auch vermeintlich nebensächliche Erinnerungen können für die Ermittler heute von
Bedeutung sein. Nach mehr als 40 Jahren können sich persönliche Lebensumstände
verändert haben; Menschen, die damals keine Angaben machen wollten oder konnten,
könnten heute bereit sein, über ihre Beobachtungen zu sprechen.
Bis heute ist ungeklärt, wo Colin Adamson getötet wurde und ob der spätere
Fundort des ausgebrannten Fahrzeugs auch der Tatort war. Ebenso offen ist das
Motiv für die Tat.
Die Polizei Celle bittet Personen, die Hinweise zu Colin David Adamson, den
beschriebenen Männern oder insbesondere zu der auffälligen Tätowierung geben
können, sich unter der Telefonnummer 05141-2770 zu melden.
Rückfragen bitte an:
Polizeiinspektion Celle
Ulrike Trumtrar
Telefon: 05141 277-104
E-Mail: postfach-oea@pi-ce.polizei.niedersachsen.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/59457/6380882
OTS: Polizeiinspektion Celle
|