|
Berlin (ots) - Sie sind längst ein Statussymbol: Kopfhörer mit ANC-Technologie
("Active Noise Cancelling"). Über eingespielte Gegenschallwellen werden die
Umgebungsgeräusche unterdrückt. Das hilft nicht nur in rauschenden Flugzeugen
oder in der Bahn. Auch in trendigen Großraumbüros schotten sich immer mehr
Beschäftigte mit den lärmunterdrückenden Kopfhörern ab. "Seit Videokonferenzen
und offene Büroflächen im Arbeitsalltag deutlich zugenommen haben, nehmen viele
Mitarbeitende die Kopfhörer kaum noch von den Ohren", sagt André Siegl, Experte
für Arbeits- und Gesundheitsschutz beim TÜV-Verband. Allerdings könne die
vermehrte Kopfhörernutzung Gesundheitsrisiken auslösen - und sie droht geltende
Arbeitsschutzvorschriften auszuhebeln. Einige Verhaltensregeln und Tipps können
laut TÜV-Verband helfen, um Lärmbelastungen in Büroumgebungen zu vermeiden.
Arbeitgeber stehen in der Pflicht, einschlägige Normen und Regelwerke, wie die
Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung einzuhalten. Darin sind klare
Anforderungen an Raumakustik, Nachhallzeiten und maximale Lautstärken am
Arbeitsplatz enthalten. So empfiehlt die Technische Regel für Arbeitsstätten für
das Thema Lärm (ASR A3.7) bei Konferenzräumen und Großraumbüros Höchstwerte von
35 bis 45 Dezibel - das ist noch etwas leiser als ein normales Gespräch. Vor
allem geht es dabei um die bauliche Gestaltung. Siegl: "Büros und andere Räume
sollten so gestaltet sein, dass konzentriertes Arbeiten im Normalbetrieb auch
ohne Gehörschutz möglich ist."
Alles für die Konzentration: Vorteile und Nachteile abwägen
Allerdings empfinden viele Beschäftigte die Geräuschkulisse in Mehrpersonen-
oder Großraumbüros als störend. Optisch ähneln Noise-Cancelling-Kopfhörer als
Over-Ear-Variante den unter die EU-Verordnung für Persönliche Schutzausrüstungen
fallenden Kapselgehörschützern, wie diese zum Beispiel im Straßenbau eingesetzt
werden. Noise-Cancelling-Kopfhörer sind jedoch keine Schutzausrüstung.
Noise-Cancelling-Kopfhörer können das subjektive Wohlbefinden steigern, indem
sie irrelevante Gespräche oder das Tastaturklappern des Nachbarn ausblenden.
Studien zufolge können sie helfen, sich besser zu konzentrieren - aber eben nur,
solange man nicht unbewusst die Lautstärke hochdreht und damit die
Dezibel-Empfehlungen der Technischen Regel deutlich überschreitet. Gerade bei
Dauernutzung kann die Geräuschunterdrückung bei manchen Menschen Schwindel,
Druckgefühl oder leichte Übelkeit auslösen. "Noise Cancelling ist nicht per se
gesundheitsschädlich. Es geht darum, die Technik sinnvoll und sicher
einzusetzen. Unternehmen sollten Mitarbeitende über Risiken aufklären", sagt
Siegl. "Lärmschutz ist keine Kür, sondern eine Voraussetzung für produktive,
gesunde Arbeit - besonders in Zeiten von hybriden Teams und
Dauer-Videokonferenzen."
Entscheidend ist, dass Musik oder Geräusche nicht zu laut ausgespielt werden.
Funktionen wie eine elektronische Lautstärkebegrenzung (Automatic Volume Limiter
System) sind in vielen Kopfhörer-Modellen integriert oder können über mobile
Endgeräte wie Smartphones eingestellt werden. Neben den Auswirkungen auf das
Hörvermögen gibt es erste Berichte darüber, dass bei einer dauerhaften
Verwendung von Noise-Cancelling das Gehirn die Möglichkeit verliert, zwischen
verschiedenen Geräuschen zu unterscheiden und diese nach ihrer Relevanz richtig
einzuordnen. Auch ist die Gefahr der sozialen Isolation zu bedenken, wenn
pausenlos abschottende Kopfhörer getragen werden. "Kommunikation mit den
Kolleginnen und Kollegen bleibt wichtig", sagt Siegl. Fast alle Modelle bieten
einen Transparenzmodus, bei dem man zumindest abgeschwächt auch noch
Umgebungsgeräusche wahrnimmt. Siegl: "Wichtig: Unsere Ohren und auch unser Geist
brauchen Pausen. Man sollte die Kopfhörer in jedem Fall regelmäßig absetzen."
Faustregel: Jede Stunde für fünf bis zehn Minuten auf die Kopfhörer verzichten.
Organisatorische Maßnahmen: Hilfe vom Sicherheitsbeauftragten
Eine Möglichkeit für Arbeitgeber, den Trend zu begleiten, ist das Angebot von
regelmäßigen Hörtests. "Während Sehtests in einigen Arbeitsstätten vielfach
verpflichtend sind, werden Hörtests oft vernachlässigt", sagt Siegl. Dabei
können zu hohe Wiedergabepegel zu Tinnitus oder dauerhaften Hörschäden führen.
Auch bauliche und organisatorische Maßnahmen können dazu beitragen, mehr Ruhe zu
schaffen für konzentrationsintensive Tätigkeiten. Mit Meeting-Zonen, die mit
schallabsorbierenden Wandelementen wie Filz oder Akkustikpaneelen ausgestattet
sind, oder schallgedämmten "Telefonzellen" für Telefonate oder Videokonferenzen
lassen sich Büros in Sachen Umgebungston verbessern. Ein weiteres technisches
Hilfsmittel ist die sogenannte Sound-Maskierung: Dabei wird ein leiser, als
angenehm empfundener Ton dauerhaft ausgestrahlt, der laute Störgeräusche wie
Gesprächsfetzen überlagert und ummantelt.
Aufs Ohr oder ins Ohr - verschiedene Kopfhörer-Optionen
Bei der Wahl des richtigen Kopfhörers haben Nutzer verschiedene Optionen.
Over-Ear-Kopfhörer unterdrücken in der Regel die Außengeräusche am effektivsten,
da sie am meisten Platz für die Mikrofone bieten, die für die aktive
Geräuschunterdrückung eingesetzt werden. Zudem schirmen sie passiv die
Außengeräusche ab, weil sie die Ohrmuschel umschließen. Kompakte
In-Ear-Kopfhörer, die direkt im Gehörgang sitzen, gelten als besonders praktisch
und transportabel auch dank ihrer mitgelieferten Ladehülle. Ein guter Kompromiss
aus Funktion und Kompaktheit sind On-Ear-Kopfhörer, die gepolstert auf dem Ohr
liegen.
Den Fokus finden: mit Musik oder auch Rauschen
Auch die Frage, welchen Sound man sich zur besseren Konzentration gönnt, ist
Geschmackssache. Viele Menschen schwören auf klassische Musik und Klavierklänge,
andere auf elektronische Lounge- und Chill-Out-Songs. "In aller Regel sind reine
Instrumentalstücke besser geeignet als Musik mit Gesangseinlagen", sagt Siegl.
Die gängigen Streamingdienste haben Playlists zusammengestellt namens "Deep
Focus" oder "Maximale Konzentration". Eine Alternative ist das "weiße Rauschen"
- ein monotones Hintergrundgeräusch, das verschiedene Frequenzen abdeckt und
erwiesenermaßen beruhigend wirkt. Auch abgewandelte Frequenzen, oft farblich
benannt, haben Soundtüftler kreiert. In etwas tieferer Frequenz wirkt das
"Braune Rauschen" ebenfalls stressabbauend und konzentrationsfördernd. In Apps
und auch über Smartphone-Einstellungen lässt sich Rauschen, alternativ auch
Regenprasseln oder Ozeanbrandung problemlos und kostenlos erzeugen und auf die
Kopfhörer legen. Manches Rauschen soll die Agilität anregen, anderes Rauschen
kann sogar in den Schlaf wiegen.
Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen
Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch
unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit
sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen
ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen
Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit
Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.
Pressekontakt:
Maurice Shahd
Pressesprecher
TÜV-Verband e. V.
Friedrichstraße 136 | 10117 Berlin
030 760095-320, mailto:presse@tuev-verband.de
http://www.tuev-verband.de | http://www.linkedin.com/company/tuevverband |
http://www.x.com/tuevverband
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/65031/6191301
OTS: TÜV-Verband e. V.
|