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Berlin (ots) - Nun hat er es also doch getan: Reiner Haseloff,
Langzeit-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gibt sein Amt Ende Januar ab.
Acht Monate vor der Landtagswahl macht er Platz für den CDU-Spitzenkandidaten
Sven Schulze.
Sven wer? Genau das ist das Problem. Schulze ist zwar Wirtschaftsminister, aber
in Sachsen-Anhalt kennen ihn nur Politikfreaks, außerhalb fast niemand. Neben
Haseloff ist er bisher ein Nobody. Es war schon im August des letzten Jahres
nicht zu verstehen, warum der Politprofi Haseloff bei der Wahl 2026 zwar nicht
mehr kandidieren, aber seinen Wunschnachfolger Schulze bis dahin in der zweiten
Reihe sitzen lassen wollte. Der soll immerhin fortsetzen, wofür Haseloff steht:
die CDU in der Regierung und auf Abstand zur AfD halten. Das war keineswegs eine
Selbstverständlichkeit, denn in der Landes-CDU gab und gibt es Leute, die gern
mit der AfD kooperieren würden. Das hat der bodenständige Haseloff verhindert,
bis hin zur spektakulären Entlassung von Innenminister Stahlknecht Ende 2020.
Bei der kommenden Landtagswahl und danach wird diese Übung angesichts einer
derzeit 40-Prozent-AfD ungleich schwieriger. Deshalb hat Haseloff nun die
Notbremse gezogen, womöglich auch auf Druck aus seiner Partei. Das Verfahren,
mitten in der Legislaturperiode den potenziellen Nachfolger nachrücken zu
lassen, ist ja nicht neu: Manfred Stolpe hat es einst in Brandenburg getan, Malu
Dreyer in Rheinland-Pfalz, neulich Stephan Weil in Niedersachsen, selbst der
ewige Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen. Was Sven Schulze in Sachsen-Anhalt
nun zu raten wäre: ein pragmatisches Verhältnis zur Linken. Denn die
demokratischen Mehrheitsverhältnisse nach der Landtagswahl im September könnten
ziemlich kompliziert werden.
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