|
Berlin (ots) - Eine strangulierende EU-Regulierung bei der Genehmigung neuer
Wirkstoffe und ein übertrieben bürokratisches Zulassungssystem in Deutschland
hemmen den Zugang der Landwirtschaft zu innovativen Pflanzenschutzmitteln - ein
Problem insbesondere für den heimischen Obstbau, den die Politik eigentlich
stärken wollte. Bei einem gemeinsamen Pressegespräch zum Auftakt der Grünen
Woche 2026 in Berlin appellierten die Fachgruppe Obstbau und der
Industrieverband Agrar e. V. (IVA) an die Politik in Deutschland und Europa,
ambitionierte Reformideen jetzt konsequent umzusetzen.
IVA-Präsident Michael Wagner zeigte sich vorsichtig optimistisch: "2026 kann ein
gutes Jahr werden, weil sich in der Politik zunehmend die Erkenntnis durchsetzt,
dass jetzt Zeit zum Handeln ist. Doch dazu ist es dringend erforderlich, dass
2026 ein Jahr der Reformen wird. Bei uns in Deutschland, aber auch in Europa. Es
ist Zeit, Dinge, die nicht funktionieren, zu verändern."
Positive Ansätze sieht Wagner in Äußerungen von EU-Kommissar Christophe Hansen,
der in seiner Strategie für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft davor
warnte, dass der rasante Verlust von Pflanzenschutzmitteln die Fähigkeit der EU,
sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, gefährdet. "Zwar ist das
Problembewusstsein in Brüssel angekommen", so Wagner, "aber die Vorschläge zur
Entbürokratisierung, der so genannte Omnibus, bleiben hinter den Ambitionen
zurück. Durch den stark gefahrenbasierten Ansatz bei der Bewertung von
Substanzen kommen keine neuen innovativen Wirkstoffe mehr nach. Dem
Wirkstoffverlust können wir nur dadurch begegnen, dass Genehmigungen erst einmal
so lange weiter gelten, bis wirksame Alternativen verfügbar sind." Das Prinzip
"Kein Verbot ohne Alternative!" sei zwar richtig, wichtiger aber sei es, neue
Wirkstoffe der Landwirtschaft schneller verfügbar zu machen, sagte Wagner.
Der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Claus Schliecker, ist selbst von den
Wirkstoffverlusten betroffen und stellte stellvertretend für alle
Obstbaubetriebe Deutschlands die inzwischen prekäre Situation bei der Produktion
von Äpfeln, Birnen und Kirschen dar. "Zentrale Schaderreger wie die
Apfelblutlaus, der Feuerbrand, der Birnenblattsauger oder die Kirschfruchtfliege
können wir nicht mehr oder nicht mehr ausreichend bekämpfen. Damit sind die
deutschen Obstbaubetriebe, die fast ausschließlich als Familienbetriebe geführt
werden, existenziell gefährdet", so Schliecker. Darüber hinaus werde Deutschland
immer abhängiger von Obst-Importen aus Ländern, in denen der Pflanzenschutz
deutlich weniger reglementiert wird. Schon jetzt liegt der Selbstversorgungsgrad
für Obst bei nur bei etwa 20 Prozent, betonte Schliecker.
IVA-Präsident Wagner formulierte klare Erwartungen an die Modernisierung des
deutschen Zulassungssystems, das aktuell von einer vom
Bundeslandwirtschaftsminister eingesetzten Projektgruppe optimiert wird. "Es
wird nicht ausreichen, dass einige Verfahren jetzt beschleunigt werden; denn es
gibt Webfehler im System, die vom Gesetzgeber behoben werden müssen. Wir
brauchen eine grundlegende Neuausrichtung mit einer verantwortlichen
Zulassungsbehörde - das kann nur das BVL sein! - und gleichberechtigten
Bewertungsbehörden. Dass eine Bewertungsbehörde, das UBA, ein de facto
Veto-Recht hat, ist eine Fehlkonstruktion, die korrigiert gehört."
Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) vertritt die Interessen der Hersteller
von Betriebsmitteln für einen nachhaltigen Pflanzenbau in Deutschland. Die 47
Mitgliedsunternehmen engagieren sich in den Bereichen Pflanzenschutz,
Pflanzenernährung, Pflanzenzüchtung, Biostimulanzien und Schädlingsbekämpfung.
Die vom IVA vertretene Branche bietet innovative Produkte für eine moderne
Landwirtschaft, professionellen Gartenbau und verantwortungsvolle
Privatanwendung.
Pressekontakt:
Industrieverband Agrar e. V., Pressestelle
Martin May
Tel. +49 69 2556-1249 oder +49 151 54417692
E-Mail: mailto:may.iva@vci.de
https://www.iva.de
https://twitter.com/IVA_Presse
https://www.linkedin.com/company/industrieverband-agrar-iva
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16070/6197145
OTS: Industrieverband Agrar e.V. (IVA)
|