|
Berlin (ots) - Die Mineralölwirtschaft in der Transformation fordert von der
Bundesregierung einen energiepolitischen Rahmen, der wieder höhere Investitionen
der Branche in Deutschland ermöglicht. "Mineralöl war 2025 mit einem Anteil von
mehr als 35 Prozent abermals der wichtigste Primärenergieträger in Deutschland.
Kohlenwasserstoffe, also flüssige und gasförmige Energien, werden auch künftig
in erheblichen Mengen benötigt", sagte der Vorstandsvorsitzende vom en2x -
Wirtschaftsverband Fuels und Energie, Patrick Wendeler, auf dem Neujahrsempfang
des Verbands am Dienstag in Berlin. "Damit wir die bezahlbare Energieversorgung
für Verkehr, Wärme und Industrie auch langfristig sicherstellen können, und das
zunehmend CO2-arm, brauchen wir entsprechende politische Bedingungen."
Die Energie- und Grundstoffwirtschaft unter anderem mit ihren Raffinerien,
Tankstellen, Tanklagern und Importeuren befinde sich in einer schwierigen
Situation, so Wendeler. Kapazitäten würden vom Markt genommen,
Zukunftsinvestitionen blieben aus. "Die Politik muss jetzt gegensteuern. Wir
brauchen eine bundesweite Kohlenwasserstoffagenda - nicht nur als
industriepolitisches Signal, sondern auch mit einer konkreten Verbesserung der
Investitionsbedingungen. Es muss gelingen, Wirtschaftlichkeit,
Versorgungssicherheit und Transformation in Einklang zu bringen."
Starke Belastung durch Stromkosten und Emissionshandel
Wendeler kritisierte den hohen deutschen Strompreis sowie den EU-Emissionshandel
ETS 1: "Knapp zwei Drittel des Zukaufbedarfs an CO2-Emissionszertifikaten der
gesamten Industrie entfallen allein auf unseren Raffineriesektor. Hier fordern
wir eine Entlastung bei den CO2-Zertifikaten schon 2026. Gleichzeitig kann die
Politik die Optionen für den Einsatz grüner Rohstoffe in Raffinerien verbessern.
Wir wollen, dass die Standorte in Deutschland erhalten bleiben, und wir wollen
den Wandel zu klimafreundlichen Produkten für Verkehr, Wärme und Industrie noch
stärker vorantreiben, einschließlich einer guten Ladeinfrastruktur für
Elektromobilität." Dafür aber brauche es verlässliche energiepolitische
Perspektiven in Berlin und Brüssel, betonte Wendeler.
"Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen in die Transformation der
Mineralölwirtschaft sind die Themen der Zukunft der Branche, wichtig gerade für
die Bereiche des Energieverbrauchs, des Verkehrs sowie der Zulieferung von
Zwischenprodukten für die Chemieindustrie in Deutschland", sagte Kerstin Deller,
Ministerialdirigentin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).
"Grundlage werden zunehmend erneuerbare, nachhaltige Energieträger sein. Hierfür
hat die Bundesregierung - etwa mit dem Kabinettsbeschluss zur Treibhausgasquote
im Verkehr - bereits wichtige Voraussetzungen geschaffen. Gleichzeitig steht das
Bundeswirtschaftsministerium auch zu weiteren wichtigen Themen wie der
Einführung eines Industriestrompreises in engem Dialog mit der EU-Kommission
sowie mit der Branche. Insbesondere auch in der Chemie-Agenda 2045 will die
Bundesregierung die Rahmenbedingungen mit der Industrie besprechen und
Handlungsoptionen zu ihrer Verbesserung prüfen." Deller ist im Ministerium
Leiterin der Unterabteilung II C - Energieforschung.
Langfristig angelegte Investitionsanreize bringen Arbeitsplatzsicherheit
Malte Harrendorf von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE)
forderte von der Politik ebenfalls mehr Planungssicherheit für Investitionen.
"Unsere Kolleginnen und Kollegen benötigen eine langfristige Perspektive, und
Investitionen in der Mineralöl- und Chemieindustrie sind immer langfristig",
sagte der Fachreferent Energie der Abteilung Wirtschafts- und Branchenpolitik
der IGBCE. "In den Raffinerien stehen Großinvestitionen nur alle sechs bis
sieben Jahre an. Wir beobachten, dass immer mehr Investitionen auf den nächsten
Zyklus verschoben werden. Dies erhöht eklatant die Gefahr, dass in den
2030er-Jahren nur noch Null-eins-Entscheidungen getroffen werden können, also
ganz oder gar nicht. Deshalb brauchen wir jetzt politische Maßnahmen, die nicht
nur auf die nächsten drei Jahre zielen, sondern die langfristig die
Zukunftsfähigkeit der Industrie in Deutschland sichern."
Dr. Christoph Michel von der Boston Consulting Group (BCG) ergänzte: "Wir
stellen in unseren Gesprächen fest, dass deutsche Raffinerien im Vergleich zu
Standorten im EU-Ausland weniger in die Produktion klimafreundlicher Energien
investieren. Ein wesentlicher Grund dafür ist das hohe Risiko solcher
Investments, da deren Wirtschaftlichkeit von langfristiger verlässlicher
Nachfrage und regulatorischer Stabilität abhängt. Wir halten daher Instrumente
für notwendig, die helfen, das Risiko für Investitionen in klimafreundliche
Energien in Deutschland zu senken."
Der Erfolg guter Politik werde gemessen an Anreizen für Investitionen in
bestehende Standorte, in die klimafreundliche Transformation, in die sichere
Energieversorgung sowie in die Erhaltung von Arbeitsplätzen, betonten die
Experten aus der Branche, der Gewerkschaft und der Unternehmensberatung.
Zum Pressetext auf der Website mit Foto (https://en2x.de/2026/01/15/fuer-investi
tionen-sind-bessere-standortbedingungen-noetig/)
Pressekontakt:
Rainer Diederichs, Alexander von Gersdorff
en2x - Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V.
Georgenstraße 24
10117 Berlin
mailto:presse@en2x.de; http://www.en2x.de/presse
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/159634/6197256
OTS: en2x - Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V.
|