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München (ots) -
Die geplanten Themen:
Irans Proteste kehren zurück - trotz Internetsperre und Repressionen
Seit Tagen gehen im Iran Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu
protestieren. Auslöser für die Demonstrationen waren die drastische
Verschlechterung der Lebenssituation durch die anhaltende Wirtschaftskrise. Die
Proteste weiteten sich schnell zu einer breiten Bewegung aus, die das Ende der
Islamischen Republik fordern. Mittlerweile hat die Regierung eine
Internetsperre über das Land verhängt, so dass Informationen über das brutale
Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstrierenden schwer zu erlangen
sind. Welche Chance haben die Proteste diesmal, die die größten im Iran nach
dem gewaltsamen Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini 2022 sind, die damals
wegen eines Verstoßes gegen die Kleiderordnung in Haft umkam? "ttt" spricht mit
der Journalistin und Autorin Natalie Amiri und der deutsch-iranischen
Publizistin Daniela Sepehri.
Endlich wieder in Freiheit - Boualem Sansal und der Preis der freien Rede
Fast ein Jahr saß Boualem Sansal in einem algerischen Gefängnis - die
schlimmste Zeit seines Lebens. Im November 2024 war der algerisch-französische
Schriftsteller, Regimekritiker und Friedenspreisträger des Deutschen
Buchhandels bei der Einreise in Algier verhaftet worden. Man warf ihm
Terrorismus, Spionage und Gefährdung der staatlichen Einheit vor. Auslöser
waren seine Äußerungen zum Status der Westsahara: Laut algerischer
Staatsdoktrin gehört die ehemalige spanische Kolonie zu Algerien, Sansal
behauptete, sie gehöre zu Marokko - ähnlich wie zuvor Frankreichs Präsident
Macron. Sansal wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, eine unverhältnismäßig
schwere Strafe für den damals 75-jährigen, krebskranken Mann. Internationale
Proteste und diplomatisches Engagement führten schließlich zu seiner
Begnadigung durch Präsident Tebboune. Sansal kehrte nach Paris zurück, ist
gesund, streitbar wie immer und wünscht sich weiterhin einen neuen Prozess,
statt bloß begnadigt zu werden.
Science-Fiction als Seelenerkundung: "Woods of Birnam" vertonen "Solaris"
"Solaris" heißt das neuste Projekt der Dresdner Band "Woods of Birnam" um den
Schauspieler und Sänger Christian Friedel. Ein Konzeptalbum, welches die
dramatische Weltraum-Expedition zum mysteriösen Planeten Solaris zu Thema hat.
Solaris ist von einem intelligenten Ozean bedeckt, der in der Lage ist,
menschliche Erinnerungen zu materialisieren. Anstatt Kontakt mit den Forschern
aufzunehmen, spiegelt Solaris immer nur das Wesen des Menschen selbst. Dem
Album liegt der berühmte Science-Fiction-Roman des polnischen Autoren Stanislaw
Lem von 1961 zu Grunde. Die Geschichte um Solaris wurde mehrmals verfilmt,
unter anderem von Andrei Tarkowski.
Der Schauspieler Christian Friedel, sehr erfolgreich geworden mit den Filmen
"Das weiße Band", "Elser", "The Zone of Interest", hat aus Lems Vorlage ein
Theaterstück inszeniert und mit seiner Band Songs beigesteuert. Mit diesen
Solaris-Songs ist er nun auf Tour. "ttt" hat ihn in Leipzig getroffen.
Erfundene Vergangenheit: KI-Bilder und ihre Folgen für die Erinnerung an den
Nationalsozialismus
Ein abgemagerter KZ-Häftling hinter Stacheldraht. Ein Kind, dramatisch von der
Mutter getrennt: KI-Bilder, die sich als "Holocaust-Fotos" ausgeben, fluten
soziale Netzwerke. Gedenkstätten und Archive registrieren seit Monaten eine
Zunahme und fordern in einem offenen Brief, Plattformen sollten konsequent
gegen diese Verfälschungen vorgehen. "Fake History", nennt es Pawel Sawicki vom
Auschwitz Memorial: Nachdem das Foto der ermordeten Niederländerin Helena
Waterman de Jong entwendet, und als KI-Version verfremdet und verbreitet wurde,
versucht Sawicki auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Mechanik
dahinter ist makaber: Maximale Emotionalisierung bringt Likes, Reichweite und,
über Monetarisierungs-Programme, Geld. Content-Farmen produzieren den Stoff.
Weil es aus Konzentrationslagern nur wenige echte Bilder gibt, wirkt der
KI-Überfluss umso mächtiger: Geschichte wird verzerrt, Würde verletzt - und
Zweifel werden einfacher. "ttt"hat den Neffen von Helena Waterman de Jong in
Amsterdam getroffen.
Moderation:Siham El-Maimouni
Redaktion: Jens-Uwe Korsowsky (MDR)
"ttt - titel thesen temperamente" ist am Sendetag ab 20:00 Uhr in der ARD
Mediathek verfügbar.
Pressekontakt:
ARD-Programmdirektion/ Presse & Multiplikatorenkommunikation
E-Mail: presse.daserste@ard.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6694/6197290
OTS: ARD Das Erste
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