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Bonn (ots) - In der Sendung "phoenix persönlich" spricht Inga Kühn mit der
Sicherheitsexpertin und Politikanalystin Jessica Berlin über das erste Jahr der
zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump.
Im Gespräch mit Inga Kühn warnt die deutsch-amerikanische Sicherheitsexpertin
vor einer weiteren Erosion internationaler Regeln, vor geopolitischer
Unberechenbarkeit - und vor einem gefährlichen Vakuum europäischer Führung. "Wir
haben nicht ein Jahr Trump, sondern zehn Jahre Trump", so Jessica Berlin, die
unter anderem für "The Center for European Policy Analysis" (CEPA) arbeitet.
Trump habe systematisch "die Grenzen des Sagbaren und des Machbaren verschoben",
innen- wie außenpolitisch. Nach einem Jahr im Amt fühle er sich nun "quasi
grenzenlos und nur noch von seiner eigenen Moral begrenzt".
So kritisiert Jessica Berlin Trumps Anspruch auf Grönland und bezeichnet die
offiziell angeführten sicherheitspolitischen Gründe als vorgeschoben: "Es geht
nicht um Sicherheitsinteressen der USA - das ist faktisch falsch. Es ist eine
klassische Trump-Verhandlungstaktik: Erst etwas Absurdes fordern und dann
schauen, was man herausholen kann." Europa müsse hier klare Grenzen ziehen, um
eine Eskalation zu verhindern.
Auch im Umgang mit dem Iran warnt Berlin vor Kurzschlussreaktionen. Zwar könne
man Sympathie für die Protestbewegung empfinden, doch entscheidend sei das
"Wie". "Donald Trump handelt nicht geostrategisch. Selbst wenn das Regime fällt
- er hat keinen Plan für den Tag danach." Ein militärisches Eingreifen ohne
internationale Abstimmung könne Chaos erzeugen und einen fatalen Präzedenzfall
schaffen.
Kritisch sieht die Sicherheitsexpertin auch den US-Militäreinsatz in Venezuela.
Das sei ein Bruch mit internationalem Recht mit globalen Folgen: Trump habe
genau das getan, was er anderen vorwerfe. Er habe eine Tür geöffnet, die
eigentlich hätte geschlossen bleiben müssen. Damit liefere er autoritären
Mächten wie Russland und China eine Blaupause für ihr eigenes Vorgehen.
Mit Blick auf die anstehenden Midterms in den USA sieht Berlin Chancen für eine
demokratische Gegenbewegung, weist gleichzeitig aber auch auf Risiken hin:
"Selbst ein Wahlsieg der Demokraten könnte zu einer Verfassungskrise führen,
wenn Trump sich über Institutionen hinwegsetzt." Europa dürfe deshalb nicht
länger auf innenpolitische Korrekturen in den USA hoffen, sondern müsse
eigenständig handeln. Es sei an der Zeit, aufzuhören, überrascht zu sein, so
Jessica Berlin. Europa müsse bereit sein, sicherheitspolitisch Verantwortung zu
übernehmen - auch wenn dies wirtschaftliche und gesellschaftliche Opfer bedeute.
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