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Berlin (ots) - Die Hochsee ist internationales Gewässer und gehört daher anders
als die Küstengewässer je nach Lesart keinem Staat oder allen. Dieser rechtliche
Status hat der Plünderung durch Fischfang in industriellem Stil Tür und Tor
geöffnet. Auch sind die Ozeane der massiven Plastikvermüllung bisher genauso
schutzlos ausgeliefert wie der menschengemachten Erderwärmung.
Daher ist es ein wirklich positives Signal, dass das UN-Abkommen zum Schutz der
Hochsee an diesem Samstag in Kraft treten kann. Zum ersten Mal überhaupt wird
ein völkerrechtlicher Rahmen für den Meeresschutz dieser Gebiete geschaffen, die
immerhin 40 Prozent der Erdoberfläche ausmachen. Nun können auch in der Hohen
See Schutzgebiete eingerichtet werden. Und damit steigen die Chancen auf
Erreichen des UN-Ziels, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten
Land-, Süßwasser- und Meeresflächen unter wirksamen Schutz zu stellen und die
Artenvielfalt zu erhalten.
Doch zunächst ist das UN-Abkommen nicht viel mehr als Papier. Die Einhaltung zu
überwachen und Verstöße zu ahnden, ist in dem riesigen Gebiet der Hochsee
einerseits kompliziert, andererseits dürften sich wichtige Staaten mit riesigen
Fischfangflotten nicht daran gebunden fühlen. Außerdem stehen Schutzziele den
wirtschaftlichen Interessen im Wege, auf dem Meeresboden strategisch-wichtige
Rohstoffe abzubauen, was technisch in nicht ferner Zukunft machbar wäre. Und den
Klimawandel kann man mit Meeresschutzgebieten allein natürlich auch nicht
stoppen.
Gesunde maritime Ökosysteme sind jedoch extrem wichtig für die Menschheit. Sie
bilden die größte Klimaanlage der Welt, sind relevant für die globale Ernährung
und stellen die Existenzgrundlage für Millionen lokale Fischer in Küstengebieten
dar. Das wird zunehmend auf politischer Ebene eingesehen. Fast 150 Staaten haben
das UN-Abkommen unterzeichnet, und die notwendige Anzahl von 60 Ratifikationen
wurde trotz der schwierigen geopolitischen Lage innerhalb von nur 27 Monaten
geschafft. "Es gibt eindeutig die deutliche Bereitschaft vieler Nationen, etwas
zu tun", kommentiert die Humangeografin Kimberly Peters zu Recht. Das
Inkrafttreten des UN-Abkommens ist nicht weniger, aber erst mal auch nicht mehr.
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