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Gefährliche Deprofessionalisierung / Medizinische Diagnostik gehört nicht in Drogerien

17.01.2026 16:35 Uhr Bundesärztekammer

Berlin (ots) - Die Bundesärztekammer warnt vor medizinischen Diagnostikangeboten in Drogeriemärkten. Gesundheitschecks, die ohne ärztliche Einbindung durchgeführt werden, bergen erhebliche Risiken für Patientinnen und Patienten.

"Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext. Das kann Menschen unnötig verunsichern - oder sie im Gegenteil in falscher Sicherheit wiegen und notwendige Behandlungen gefährlich verzögern", betont Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Er weist darauf hin, dass ärztliche Behandlung weit über das Ablesen einzelner Messwerte hinausgeht. "Zu einer verantwortungsvollen Diagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, gegebenenfalls differenzialdiagnostische Überlegungen sowie eventuell die gemeinsame Entscheidung über therapeutische Maßnahmen", so Reinhardt. Nur Ärztinnen und Ärzte könnten Befunde im Gesamtzusammenhang einordnen und medizinisch verantwortbare Entscheidungen treffen. "Damit diese fachliche Verantwortung nicht unterlaufen wird, ist der Gesetzgeber dringend gefordert, klare Grenzen zu ziehen und solche Angebote konsequent zu regulieren und - wo erforderlich - vollständig zu untersagen", so der Bundesärztekammer-Präsident.

Die in Drogerien angebotenen Gesundheitsdienstleistungen - etwa Hautuntersuchungen, sogenannte Augenscreenings mittels KI oder Blutdiagnostik - erforderten umfassende Fachkunde und eine ärztliche Einordnung der Ergebnisse. "Gerade bei der Blutdiagnostik können präanalytische Fehler bei der Blutentnahme, falsche Lagerung oder verzögerter Probentransport Laborwerte erheblich verfälschen", warnt Reinhardt. Hinzu komme, dass Drogeriemärkte weder personell noch räumlich auf medizinische Notfälle wie Kreislaufkollapse oder akute Komplikationen vorbereitet seien. "Wer diagnostische Leistungen anbietet, trägt Verantwortung - und diese lässt sich in einem Ladengeschäft ohne medizinische Infrastruktur schlicht nicht erfüllen."

Arztpraxen böten dagegen einen geschützten Rahmen für medizinische Beratung und Behandlung. "Hier werden gesundheitliche Fragen kompetent, vertraulich und mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen behandelt. Berufsrechtliche Vorgaben stellen zudem sicher, dass Beratung und Behandlung mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgen", so Reinhardt.

Pressekontakt:

Bundesärztekammer Dezernat Politik und Kommunikation Herbert-Lewin-Platz 1 10623 Berlin Tel.: (030) 4004 56 700 Fax: (030) 4004 56 707 E-Mail: presse@baek.de www.baek.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/9062/6198306 OTS: Bundesärztekammer


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Bundesärztekammer
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