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München/Bonn (ots) - 17. Januar 2026 - Nach der Unterzeichnung des
Freihandelsabkommens zwischen der EU und vier südamerikanischen Ländern des
Staatenbundes Mercosur hat der stellvertretende Leiter des ifo Zentrums für
Außenwirtschaft (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung), Andreas Baur, vor
übertriebenen Erwartungen, aber auch vor ungerechtfertigten Ängsten bei
deutschen Produzenten gewarnt. "Ich sehe große Exportchancen für die deutsche
Industrie, insbesondere für die Automobilindustrie, den Maschinenbau, Chemie und
Pharma", erklärte der Wirtschaftsexperte im Fernsehsender phoenix. Grundsätzlich
könne man in diesen Bereichen mittel- und langfristig mit positiven
Entwicklungen rechnen. Allerdings seien die Zölle im Abkommen zunächst sehr
hoch, und der Abbau werde teils 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. "Einen
unmittelbaren Wachstumsimpuls sehe ich deshalb nicht", so Baur. Die in der
Landwirtschaft befürchteten Belastungen betrachtete der ifo-Fachmann
differenziert. Bei Milchwirtschaft und Weinexport gebe es überdurchschnittliche
Chancen, "bei Fleisch- und Zuckerproduktion wird der Wettbewerbsdruck
ansteigen". Allerdings seien im Abkommen mit den südamerikanischen Ländern
Schutzklauseln vereinbart worden, die eine Überflutung der europäischen Märkte
verhinderten.
Grundsätzlich sah Baur den Vertrag mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und
Paraguay sehr positiv. Dies sei die logische Folge, nachdem die USA unter Donald
Trump so handelten, als wären sie aus der Welthandelsorganisation ausgetreten.
"Umso wichtiger ist es, dass heute ein klares Signal für den regelbasierten
offenen Welthandel von der EU und von Seiten des Mercosur gesendet wird."
Verhandlungen mit Indien, Australien und weiteren Staaten würden derzeit
geführt. "Das könnte die Chance für die europäische Union sein, hier alternative
Handelspartnerschaften zu stärken", meinte Baur.
Auch Josef Janning, Außenpolitikexperte der Deutschen Gesellschaft für
Auswärtige Politik (DGAP), sah die politischen Entwicklungen der jüngeren
Vergangenheit als ursächlich dafür an, dass sich die EU neu orientieren müsse.
"Die Europäer brauchen regionale Abkommen mit anderen Wirtschaftsregionen, wenn
sie selbst für sich Verlässlichkeit haben wollen über die Rahmenbedingungen ihre
Wirtschaften und Handelns", erklärte Janning.
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