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Berlin (ots) - Vor dem Start der Tarifrunde im deutschen Einzelhandel in diesem
Frühjahr warnt der Handelsverband Deutschland (HDE) vor zu hohen
Gewerkschaftsforderungen und Jobverlusten in historisch herausfordernden Zeiten
für die Branche.
"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aktuell weiter insgesamt sehr
schlecht, davon kann sich auch der Einzelhandel nicht abkoppeln. Steigende
Arbeitskosten etwa durch zu hohe Tarifabschlüsse, erdrückende Bürokratie- und
Regulierungslasten und weiter wachsende Sozialversicherungsabgaben sind in
dieser schwierigen Lage ein regelrechter Giftcocktail, der massenhaft
Arbeitsplätze im Einzelhandel gefährden kann", so HDE-Tarifgeschäftsführer
Steven Haarke. Der Handel stehe ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft, die ein
sehr hohes Gut sei. Positiv zu bewerten sei zudem der aktuelle Vorstoß von
DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein "Bündnis für Arbeit und Innovation" der
Sozialpartner im Bundeskanzleramt. "Diese Initiative zeigt ganz deutlich, dass
die Gewerkschaften die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland
inzwischen auch erkannt haben", so Haarke.
Wichtig ist aus Sicht des HDE aber vor allem, dass alle Akteure auch die
verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie wieder mehr in den Fokus nehmen.
"Die Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns fressen sich immer tiefer in die
Tarifwerke hinein. Das wird zunehmend zu einer schweren Hypothek für die
Tarifvertragswerke aller Branchen", betont Haarke. Vor dem Start der
diesjährigen Tarifrunden im Einzelhandel mit mehr als 3,1 Millionen
Beschäftigten warne der HDE daher eindringlich davor, durch zu hohe
gewerkschaftliche Lohn- und Gehaltsforderungen eine Erwartungshaltung bei den
Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck am Ende nicht standhalte. Der
letzte Tarifabschluss hat den Beschäftigten im Einzelhandel über die Laufzeit
von 2023 bis 2025 insgesamt 14 Prozent Gehaltserhöhung eingebracht und damit
nachweislich auch einen satten Reallohngewinn. "Damals haben wir hoch ins Regal
gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche", so Haarke
weiter. Diese Tariflohnsteigerung ist in Anbetracht der aktuellen
Wirtschaftslage und der steigenden Kosten für viele Arbeitgeber im Handel kaum
zu schultern. "Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum,
ansonsten drohen massenhaft Jobverluste in der Branche. Die Gewerkschaft ist nun
in der Verantwortung, der Branche keinen irreversiblen Schaden zuzufügen", so
Haarke weiter.
Deutschland bewegt sich auf einen neuen Höchststand bei den Arbeitslosenzahlen
zu. So waren im Dezember 2025 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sogar
wieder 2,9 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Auch im Einzelhandel
waren die Beschäftigungszahlen erstmals wieder rückläufig. So hat die Branche
seit 2022 nach einer aktuellen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit
mehr als 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs verloren. "Das dürfte leider
noch nicht das Ende der Fahnenstange sein", so Haarke.
Die Tarifrunde im Einzelhandel beginnt im April 2026. In der Branche sind 3,1
Millionen Menschen beschäftigt. Die Tarifrunde ist damit eine der größten in
Deutschland.
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