|
Berlin (ots) - Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen, die im
Pflegeheim leben, ist im vergangenen Jahr laut einer aktuellen Auswertung des
WIdO erneut gestiegen. Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohnerinnen
und Bewohner liegt nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge
der Pflegeversicherung inzwischen bei mehr als 2.600 Euro pro Monat. Sie hat
damit das Niveau des Jahres 2021, als die Politik die Zuschläge zur Begrenzung
der Eigenanteile an den pflegebedingten Aufwendungen eingeführt hatte, wieder
deutlich überschritten. Eine Prognose des WIdO zur weiteren Entwicklung macht
deutlich, dass auch die 2024 erfolgte Anhebung der Zuschläge und die seit
letztem Jahr greifende Dynamisierung der Leistungssätze den Trend zu immer
höheren finanziellen Belastungen nicht nachhaltig stoppen werden.
Die aktuelle Analyse zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Ende 2025
erstmals über 5.000 Euro lagen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 5.033 Euro
zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.539 Euro. Zusätzlich bekamen die
Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung durchschnittlich 890 Euro
pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer
gestaffelten Zuschläge erstattet. Durchschnittlich 1.044 Euro mussten sie selbst
für die Pflege zuzahlen, hinzu kamen im Schnitt 1.044 Euro für Unterkunft und
Verpflegung sowie 517 Euro für Investitionskosten. Daraus ergibt sich nach Abzug
der Zuschläge eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.605 Euro pro Monat.
Bei den Pflegebedürftigen mit langer Wohndauer haben die Zuschläge laut der
Auswertung durchaus für eine deutliche Entlastung gesorgt. So hatten
Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Wohndauer von mehr als drei Jahren im Jahr
2025 eine Gesamtbelastung von lediglich 2.044 Euro zu tragen. Insgesamt ist der
Trend zu immer höheren Eigenanteilen allerdings ungebrochen.
Mit Beginn des Jahres 2025 stiegen die allgemeinen Leistungssätze der
Pflegeversicherung: Statt beispielsweise bisher 1.775 Euro pro Monat bei
Pflegegrad 4 gibt es seitdem 1.855 Euro (plus 4,5 Prozent). Trotz der Zuschüsse
zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen steigen die Zuzahlungen für
die Pflege im Heim weiter. Das hat unter anderem mit gestiegenen Lohnkosten
infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den inflationsbedingten Tarifsteigerungen
zu tun.
In einer Prognose zur weiteren Entwicklung der pflegebedingten Eigenanteile hat
das WIdO verschiedene Szenarien durchgespielt. Bei einer im Vergleich zu den
Vorjahren eher moderaten Steigerung der Zuzahlungen um 10 Prozent würden die
pflegebedingten Eigenanteile im Jahr 2030 1.636 Euro pro Monat erreichen. Dazu
kommen die ebenfalls steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die
Investitionskosten.
Deutliche Unterschiede auf Landes- und Kreisebene
Die WIdO-Analyse zur Entwicklung im Jahr 2025 umfasst auch einen Vergleich
zwischen den einzelnen Bundesländern. Er macht deutlich, dass die Höhe der
finanziellen Belastungen der Pflegeheim-Bewohnenden in den einzelnen Ländern
sehr unterschiedlich ist: Während die Gesamt-Zuzahlungen Ende 2025 in
Nordrhein-Westfalen bei 2.969 Euro pro Monat lagen, waren es in Sachsen-Anhalt
lediglich 2.111 Euro. Besonders groß ist die Spanne bei den Kosten für
Unterkunft und Verpflegung: Während in Sachsen-Anhalt nur 819 Euro zu bezahlen
sind, sind es in Nordrhein-Westfalen 1.329 Euro. Eine regionale Auswertung bis
auf Kreisebene zeigt eine Spanne der pflegebedingten Zuzahlungen von
durchschnittlich 1.393 Euro je Monat in München bis 716 Euro je Monat im
niedersächsischen Helmstedt. Dabei ist ein deutliches Süd-Nord-Gefälle ist
sichtbar.
Pressekontakt:
Wissenschaftliches Institut der AOK
Pressestelle
Peter Willenborg
Telefon: 030 34646 2467
Mobil: 0173 / 8607866
E-Mail: mailto:presse@wido.bv.aok.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32063/6201461
OTS: Wissenschaftliches Institut der AOK
|