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Berlin (ots) - Im Handel mit Endkunden ist der Brutto-Umsatz mit Waren im
deutschen E-Commerce im vergangenen Jahr erstmals seit 2021 wieder in allen
Quartalen gestiegen und erreichte 83,1 Mrd. Euro nach 80,6 Mrd. Euro im Jahr
davor. Das entspricht einem Wachstum von 3,2 Prozent (Vorjahreswert: 1,1
Prozent) - deutlich über der Prognose von 2,5 Prozent. Das Wachstum der
digitalen Dienstleistungen betrug 7,3 Prozent auf jetzt 14,4 Mrd. Euro. Der
gesamte Branchenumsatz mit Waren und Dienstleistungen "kratzt" damit wieder an
der "magischen" 100-Milliarden-Euro-Grenze.
Im Verlauf des Jahres 2026 erwarten der bevh und das EHI Retail Institute in
einer gemeinsamen Prognose, dass die Branche trotz schwieriger Rahmenbedingungen
weiter überdurchschnittlich wächst und ein (nominales) Umsatzwachstum im
E-Commerce mit Waren von 3,8 Prozent erreicht.
"Der Onlinehandel ist ein seltener Lichtblick in der deutschen Wirtschaft. Die
Menschen konsumieren auch in unsicheren Zeiten weiter, sie tun es aber digital.
Die Eskalation geopolitischer Konflikte, innenpolitische Instabilität und die
kritische Lage deutscher Schlüsselindustrien schränken ein stärkeres Wachstum
ein. Insgesamt wird der E-Commerce sich aber deutlich besser entwickeln als der
traditionelle Einzelhandel", zeigt sich bevh-Präsident Gero Furchheim
optimistisch.
Auch bei schwacher Konsumstimmung konnte der Onlinehandel vergangenes Jahr die
richtigen Kaufimpulse setzen. Der Anteil der Viel-Käufer im Onlinehandel blieb
stabil: Jeder dritte Kunde in Deutschland (34,2 Prozent) bestellte
durchschnittlich zweimal wöchentlich oder öfter Waren online. Der
durchschnittliche Bestellwert stieg von 144,12 Euro (2024) auf 146,19 Euro. Die
Kundenzufriedenheit im E-Commerce bleibt mit 96,2 Prozent auf unverändert hohem
Niveau (2024: 96,0 Prozent). Der Anteil der Kunden, die weniger im E-Commerce
ausgeben wollen, ist der niedrigste seit 4 Jahren (2025: 24,6 Prozent).
Deutliche Verbesserungen bei den größten Waren-Kategorien
Größte Gewinner-Kategorien im Onlinehandel waren Medikamente (+6,0 Prozent) und
Lebensmittel (+5,5 Prozent), gefolgt von Tierbedarf (+5,0 Prozent). Deutlich
besser als im Vorjahr entwickelten sich die Umsätze im besonders wichtigen
Modehandel (+3,5 Prozent). Gleiches gilt für die großen Kategorien
Haushaltswaren & -geräte (+4,8 Prozent) sowie Möbel, Lampen & Dekoration (+3,3
Prozent). Geringer als der Gesamtmarkt wuchs der Handel mit Elektronik und
Telekommunikation (+1,4 Prozent), der im Vorjahr aber noch ein deutliches Minus
verzeichnete.
(Zur Mitteilung mit allen Warentabellen) (https://bevh.org/detail/wachstum-im-e-
commerce-lichtblick-in-der-deutschen-wirtschaft)
Shein, Temu und AliExpress stehen für 30 Prozent des Wachstums
Im Vergleich der Versendertypen wuchsen Umsätze auf Online-Marktplätzen am
stärksten (+4,9 Prozent). Über sie werden mittlerweile 56 Prozent (entspricht
46,2 Mrd. Euro) des gesamten Onlinehandels abgewickelt. Plattformen chinesischer
Herkunft (Shein, Temu und AliExpress) haben wegen extremer Niedrigpreise zwar
einen geringen Umsatzanteil, wuchsen mit 27,2 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro aber
deutlich schneller als das gesamte Anbietersegment der Marktplätze. Jede 15.
Bestellung im Internet wird bei einer der großen Plattformen aus Asien gemacht.
Von den 2,6 Mrd. Euro Wachstum des gesamten E-Commerce mit Waren machte das
Wachstum der Plattformen chinesischer Herkunft 30 Prozent aus.
Internet beflügelt die Kreislaufwirtschaft
Der Handel mit "Pre-Loved Goods", zieht immer mehr Kunden und Händler an. Die
gewerblichen Umsätze im Re-Commerce wuchsen im vergangenen Jahr um 21,8 Prozent
auf 1,96 Mrd. Euro (2024: 1.61 Mrd. Euro).
"Diese erfreuliche Entwicklung kann sich fortsetzen oder sogar steigern.
Voraussetzung ist, dass der Gesetzgeber in Hinblick auf die positiven
Nachhaltigkeitseffekte auch auf die Besonderheiten des Handels mit solchen
Gütern Rücksicht nimmt", fordert Alien Mulyk, Geschäftsführerin Public Affairs
Europa & Internationales beim bevh.
KI-Shopping muss Vielfalt erhalten
Einkaufen und Bezahlen über KI-Plattformen soll bald auch in Europa möglich
sein.
"Der E-Commerce steht mit neuen KI basierten Shopping-Erlebnissen an der
Schwelle zur nächsten technischen Revolution. Das wirksame Durchsetzen
bestehender Regelungen für alle Marktteilnehmer, die tatsächliche Abkehr von der
Überregulierung und die Unabhängigkeit von marktbeherrschenden Playern sind die
erforderliche Basis für einen Erfolg der Branche in diesem Jahrzehnt. Nur so
kann er auch in Krisenzeiten die notwendigen Beiträge zu Versorgungssicherheit,
Preisstabilität und Innovation leisten", betont Gero Furchheim.
Jedoch würden aktuell nur 6,3 Prozent der Online-Kunden ihre Einkäufe komplett
mit einer KI durchführen, wie eine neue repräsentative Umfrage im Auftrag des
bevh ergeben hat. 91,7 Prozent lehnen Shopping-KIs noch ab. Den Verbrauchern
fehlt offensichtlich noch das Vertrauen in die neue Technologie. Hier ist auch
die Politik gefragt.
"Bei aller Technologieoffenheit muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass
KI-Plattformen nicht zu übermächtigen 'Gatekeepern' im E-Commerce werden, dass
ein Level-Playing-Field mit Händlern gewahrt wird, und KI-Agenten die Grundlagen
ihrer Kaufempfehlungen transparent machen", fordert Alien Mulyk für den
Onlinehandel.
Pressekontakt:
Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh)
Frank Düssler
Friedrichstraße 60 (Atrium)
10117 Berlin
Mobil: 0162 2525268
mailto:frank.duessler@bevh.org
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OTS: Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (
bevh)
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