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Stuttgart (ots) - Anfang 2020 war die Transformation zum bundesweiten
Kabelriesen perfekt - im Zuge seiner ersten großen Gigabit-Offensive
präsentierte sich Vodafone als kraftvolles Gegenwicht zur Deutschen Telekom.
Seitdem aber hat der Netzbetreiber viele Hunderttausend Breitbandkunden
verloren. Wie konnte das passieren?
Vodafone hat heute seine Geschäftszahlen zum 4. Kalenderquartal 2025
herausgegeben. Darin zu sehen: Der Abwärtstrend bei Vodafone hält weiter an -
wenn auch leicht abgeschwächt. Insgesamt ist die Zahl der Vodafone
Breitbandkunden 2025 um weitere 120.000 zurückgegangen. Aber wie sind die teils
massiven Verluste der letzten Jahre zu erklären? DSLWEB gibt einen Überblick
über die entscheidenden Entwicklungen.
Die rosige Zukunft von 2020
Durch die Übernahme von Kabel Deutschland in 2013 und Unitymedia in 2019 hatte
Vodafone das Unmögliche möglich gemacht: Rund zwei Jahrzehnte nach dem Fall des
Kabelmonopols war in Deutschland wieder ein bundesweiter Kabelnetzbetreiber
entstanden.
Im April 2020 konnte Vodafone schließlich in ganz Deutschland ein einheitliches
Tarifportfolio unter dem eigenen Markennamen anbieten. Das Vodafone Kabelnetz
brachte es zu dieser Zeit bereits auf rund 24 Mio. erreichbare Kabelhaushalte
und fast 11 Mio. Breitbandkunden.
Kurzum: Dem Marktführer Deutsche Telekom stand nun erstmals ein Gegner auf
Augenhöhe gegenüber. Darüber hinaus hatte dieser auch noch einen besonderen
Trumpf in der Hand. Denn während die Telekom gerade noch mit dem Ausbau der
Übergangs-Technologie VDSL-Vectoring beschäftigt war, konnte Vodafone über sein
modernes DOCSIS 3.1 Kabelnetz bereits großflächig Gigabit-Geschwindigkeiten
anbieten.
Corona-Pandemie legt Schwächen offen
Das Jahr 2020 war natürlich auch das Jahr der Corona-Krise. Ein weltweiter
Ausnahmezustand, für die Geschäfte der deutschen Breitbandprovider aber keine
schlechte Zeit. Denn durch Kontaktbeschränkungen, Fernunterricht und Homeoffice
waren ihre Produkte gefragt wie nie. Die verstärkte Abhängigkeit von
Online-Diensten bewegte zudem viele private Nutzer, Unternehmen und
Institutionen zum Umstieg auf höheren Bandbreiten.
Für Vodafone hatte das Ganze aber eine Kehrseite: Die extrem erhöhte
Netzauslastung brachte schonungslos die Schwachstellen in der
Vodafone-Infrastruktur zutage. Damit nicht genug, hatte der Vodafone
Kundenservice sichtlich Schwierigkeiten, Geschwindigkeits-Einbrüche und
Verbindungsausfälle zügig zu bearbeiten. Der Ruf des Gigabit-Kabels war
nachhaltig angekratzt.
Ein weiterer Effekt der Pandemie: Mit den Vodafone-Shops hat ein für Vodafone
sehr wichtiger Vertriebskanal langfristig Schaden genommen. Das Geschäft in den
Ladenlokalen konnte auch lange nach den Lockdown-Zeiten nicht mehr an das alte
Niveau anknüpfen.
Nach diesem Weckruf hat Vodafone jedoch auch wieder stark aufgeholt. Dank hoher
Investitionen in die Stärkung der eigenen Infrastruktur konnte sich der Anbieter
nicht nur schnell beim Kundenservice verbessern, sondern bereits im Jahr 2023
Testsiege in den Netztests von Computer Bild und Chip erringen. Im führenden
Connect Festnetz-Test gelang Vodafone durch die Maßnahmen im gleichen Jahr der
Sprung von Platz Vier auf den zweiten Platz.
Gesetzesänderung erwischt Vodafone kalt
Im Dezember 2021 ist eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, die weitreichende
Folgen für die deutschen Breitbandanbieter hatte. Denn seit der TKG-Novelle 2021
dürfen sich Kundenverträge nach dem Ende der zweijährigen Mindestlaufzeit nicht
mehr automatisch um weitere 12 Monate verlängern.
Im 1. Halbjahr 2022 brachte das mit einem Schlag eine Menge Bewegung in den
Markt, danach ebbte die große Kundenmigration aber auch schon wieder ab.
Allerdings nicht bei Vodafone. Wie alle Marktteilnehmer war der Kabelanbieter im
Vorfeld vor die Aufgabe gestellt, möglichst viele seiner Altkunden durch neue
Verträge weiter an sich zu binden. Dieses Unterfangen hat Vodafone Deutschland
jedoch schlicht an die Wand gefahren.
Wo andere Anbieter mit reibungslosen Online-Verfahren punkten konnten, litt
Vodafone intern an veralteten IT-Prozessen und gängelte seine Kundschaft mit
einer umständlichen Nutzerführung - teilweise ließ sich die eigene
Vertragsverlängerung sogar nur per E-Mail finalisieren.
Das hat nicht nur für erheblichen Unmut bei der Konzernspitze in London gesorgt,
sondern sich auch ganz klar in den Kundenzahlen niedergeschlagen: Unterm Strich
ist die Zahl der Vodafone Breitbandkunden im Kalenderjahr 2022 sogar um fast
eine Viertelmillion abgerutscht.
Viele Kunden machen Preiserhöhungen nicht mit
Preisanpassungen bei Internettarifen sind an sich nichts Ungewöhnliches. Doch an
Preiserhöhungen für Bestandskunden trauen sich die Provider vergleichsweise
selten. Vodafone hat sich hier in 2023 aus der Deckung gewagt - mit
einschneidenden Folgen.
Insgesamt wurden im Laufe des Jahres für rund 10 Mio. Vodafone Bestandskunden
die Monatsgebühren um 5 Euro angehoben. Dass hier nicht jeder mitziehen würde,
war klar. Deutliche Kundenverluste waren daher vorprogrammiert. Das war
allerdings nicht die einzige Konsequenz. Denn der Verbraucherzentrale
Bundesverband (vzbv) hielt die einseitige Preiserhöhung für unrechtmäßig und
ging mit einer Sammelklage gegen Vodafone vor. Hier ist der Ausgang jedoch
weiterhin ungewiss, zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung läuft das Verfahren
immer noch.
Ende des Nebenkostenprivilegs: Erdrutsch mit Ansage
Nach langem Vorlauf stand im Juli 2024 das endgültige Ende des sogenannten
Nebenkostenprivilegs an. Seitdem kann der TV-Kabelanschluss nicht mehr direkt
über die Mietnebenkosten abgerechnet werden. Millionen Mieter stand es damit
frei, dem Kabel-TV endgültig den Rücken zu kehren.
Als größter deutscher Kabelbetreiber war Vodafone im extremen Maße von der
Neuregelung betroffen. In der Rückschau hat Vodafone diese Herausforderung
allerdings erstaunlich gut gemeistert. Am Ende konnte das Unternehmen rund 4
Millionen seiner 8,5 Millionen Vodafone TV-Haushalte halten, was in etwa den
eigenen Zielvorgaben entsprach. Das Wegfall des Kabelzwangs dürfte den Anbieter
jedoch weitere Internetkunden gekostet haben, die sich komplett vom
Kabelanschluss losgesagt haben.
Vodafone Group: Restrukturierung nach Führungswechsel
Angesichts des harten Marktumfelds und dem stets schwierigen Verhältnis zur
Konzernspitze kam es bei Vodafone Deutschland in den letzten Jahren gleich
mehrmals zu Führungswechseln. So wurde 2022 der bisherige Deutschland-Chef
Hannes Ametsreiter durch Phillip Rogge abgelöst - nicht zuletzt eine Folge des
verstolperten Umgangs mit der TKG-Novelle 2021. Doch allzu lange hielt sich
Rogge nicht im Amt, bereits 2024 rückte der vorherige Privatkunden-Vorstand
Marcel de Groot auf dessen Position nach.
Das Personalkarussell hat sich allerdings nicht nur in Deutschland gedreht. Im
Dezember 2022 verkündete der 2018 eingesetzte Vodafone-CEO Nick Read seinen
Rücktritt. Die daraufhin eingesetzte Interims-Chefin Margherita Della Valle
übernahm im folgenden April offiziell die Führung der Vodafone Group. Sie ist
mit einem tiefgreifenden Reformplan angetreten. Dieser sieht nicht nur eine
deutliche Verschlankung des Konzerns vor, sondern auch eine stärkere
Dezentralisierung. Die einzelnen Märkte sollen unabhängiger von der
Konzernzentrale agieren können - die aktuelle Führung von Vodafone Deutschland
genießt also mehr Freiheit im Umgang mit kommenden Herausforderungen vor Ort.
Breitbandmarkt 2026: Noch mehr Analysen und Einblicke
Welche weiteren Trends den deutschen Breitbandmarkt 2026 prägen, weshalb der
Marktführer seine Strategie umwirft und ob eine neue Übernahmewelle bevorsteht,
verrät der DSLWEB Breitband Report 2026. Die jährlich erscheinende Studie
begleitet seit 2007 die Entwicklungen auf dem deutschen Breitbandmarkt und
liefert detaillierte Daten zu Kundenzahlen, Marktanteilen und Umsätzen der
wichtigsten Anbieter.
Der vollständige Report ist abrufbar unter
https://www.dslweb.de/breitband-report-deutschland-2026.php
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