|
Sperrfrist: 11.02.2026 13:00
Bitte beachten Sie, dass diese Meldung erst nach Ablauf der
Sperrfrist zur Veröffentlichung freigegeben ist.
Berlin (ots) - Wissenschaftliche Erkenntnisse in die Anwendung zu überführen,
ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Innovationsstärke Deutschlands. In ihrem
aktuellen Jahresgutachten zeigt die Expertenkommission Forschung und Innovation
(EFI), dass deutsche Hochschulen über ein hohes Transferpotenzial verfügen.
Dieses Potenzial wird jedoch nicht konsequent genug ausgeschöpft. Strukturelle
Hemmnisse wie langwierige IP-Verhandlungen und fehlende Anreize bremsen
Transferaktivitäten. Die EFI fordert daher gezielte Reformen, um den Wissens-
und Technologietransfer als Kernaufgabe der Hochschulen wirksam zu stärken.
Hochschulen als Schlüsselakteure im Transfer
Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Grundlage vieler innovativer Produkte
und Dienstleistungen. Ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem trägt damit
entscheidend zur Innovationsstärke und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Wirtschaft bei. Voraussetzung ist jedoch, dass neues Wissen aus der Forschung
zügig in konkrete Anwendungen überführt wird. "Damit kommt den Hochschulen eine
Schlüsselrolle für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu - nicht nur durch
exzellente Forschung und Lehre, sondern auch durch den aktiven Transfer neuer
Erkenntnisse", betont Prof. Irene Bertschek, Vorsitzende der Expertenkommission
Forschung und Innovation (EFI) und Professorin an der Justus-Liebig-Universität
Gießen sowie am ZEW Mannheim.
Hohes Transferpotenzial - Innovationen aber oft im Ausland
Analysen im aktuellen Jahresgutachten der EFI zeigen: Wissenschaftliche
Publikationen deutscher Hochschulen - vor allem der Universitäten, aber auch der
Hochschulen für angewandte Wissenschaften - stehen im Hinblick auf ihr Potenzial
als Basis für Innovationen den Publikationen US-amerikanischer Universitäten
kaum noch nach. Zugleich bestehen weiterhin strukturelle Schwächen, wie Prof.
Carolin Häussler, stellvertretende Vorsitzende der EFI und Professorin an der
Universität Passau konstatiert: "Deutsche Erkenntnisse werden deutlich seltener
in Patenten aufgegriffen als US-amerikanische. Zudem sind sowohl
forschungsbasierte akademische Gründungen als auch Patentanmeldungen aus
deutschen Hochschulen zuletzt rückläufig.
"Ein weiteres Ergebnis der Analysen im aktuellen Gutachten: "In vielen
Technologiefeldern stammen Patente, die auf deutschen Forschungsergebnissen
aufbauen, mehrheitlich von Anmeldern aus dem Ausland." Häussler erklärt: "Es ist
aber nicht nur wichtig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in Innovationen
einfließen, sondern auch, wo sie wirtschaftlich genutzt werden. Wenn die
Wertschöpfung überwiegend im Ausland stattfindet, bleiben Wachstumschancen für
Deutschland ungenutzt."
Exzellente Forschung mit hohem Transferpotenzial
"Forschungsstarke Universitäten nehmen sowohl bei Patentanmeldungen als auch bei
wissenschaftlichen Publikationen, die in Patenten zitiert werden, eine
Spitzenposition ein", stellt Prof. Guido Bünstorf, Mitglied der EFI und
Professor an der Universität Kassel fest und betont: "Gerade in der
anwendungsorientierten Grundlagenforschung geht wissenschaftliche Exzellenz
häufig mit konkretem Anwendungspotenzial einher. Viele technologische
Durchbrüche - vom Laser bis zu mRNA-Impfstoffen - sind aus dieser Art der
Forschung hervorgegangen."
Hemmnisse bremsen Technologietransfer systematisch aus
Strukturelle Faktoren bremsen den Wissens- und Technologietransfer an deutschen
Hochschulen aus. Nicht zuletzt fehlt es vielerorts an Kapazitäten zur
Unterstützung von Transferaktivitäten. "Viele Transfereinrichtungen sind nicht
ausreichend ausgestattet", erklärt Bünstorf, "nicht zuletzt, weil sie nicht
dauerhaft aus den Grundmitteln der Hochschulen finanziert werden, sondern aus
kurzfristigen Drittmittelprojekten." Für besonders problematisch für den
Technologietransfer hält die EFI die häufig langwierigen Verhandlungen über
geistiges Eigentum, die Gründerinnen und Gründer mit ihrer Hochschule führen
müssen. Sie können Ausgründungen verzögern oder ganz verhindern. Zudem mangelt
es an Karriereanreizen für Transferaktivitäten, da diese kaum Berücksichtigung
in Berufungsverfahren und Leistungsbewertungen finden, sowie an einer nahtlosen
Förderkette von der Forschung bis zur Anwendungsreife.
Transfer als Kernaufgabe der Hochschulen wahrnehmen
Zeit ist beim Technologietransfer ein entscheidender Faktor. Die EFI empfiehlt
der Politik daher, eine Initiative "Transferzeit" zu starten. Zum einen, um
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zeitliche Freiräume für Transfer- und
Gründungsaktivitäten zu schaffen - analog zu Forschungsfreisemestern, die an
Universitäten fest etabliert sind. Zum anderen, um den Übergang von der
Forschung in die Anwendung zu beschleunigen. Denn im globalen Wettlauf um
Technologieführerschaft kommt es darauf an, Wissen schnell in Anwendungen zu
überführen. Darüber hinaus fordert die Kommission die zügige Umsetzung der im
Koalitionsvertrag angekündigten nationalen IP-Strategie, standardisierte und
beschleunigte IP-Verfahren sowie eine bessere Verzahnung nationaler und
europäischer Förderprogramme.
Über diese konkreten Reformen hinaus ist vielerorts aber auch ein
grundsätzliches Umdenken erforderlich, wie Häussler anmerkt. "Zwar ist der
Wissenstransfer in den Hochschulgesetzen als dritte Mission der Hochschulen
neben Forschung und Lehre verankert und eng mit beiden Bereichen verknüpft. Aber
nicht überall wird er im notwendigen Umfang als Kernaufgabe der Hochschulen
betrachtet."
Pressekontakt:
Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
Dr. Helge Dauchert
Leiter der Geschäftsstelle
Pariser Platz 6 | 10117 Berlin
T +49 (0) 30 322 982 562
mailto:helge.dauchert@e-fi.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/71404/6212088
OTS: Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
|