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Sperrfrist: 11.02.2026 13:00
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Berlin (ots) - Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute
ihr neues Jahresgutachten an die Bundesregierung übergeben. Die EFI würdigt
darin die Hightech Agenda, mit der die Bundesregierung frühzeitig nach
Amtsantritt ein wichtiges Signal gesetzt hat.
Prioritätensetzung statt Gießkannenprinzip
Die EFI-Vorsitzende, Prof. Irene Bertschek vom ZEW - Leibniz-Zentrum für
Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, hebt zudem die Entscheidung der
Bundesregierung positiv hervor, einzelne Schlüsseltechnologien zu priorisieren:
"Durch die Priorisierung von Schlüsseltechnologien ermöglicht die
Bundesregierung eine Fokussierung öffentlicher Fördermittel und schafft
Orientierung für Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Konsequent
umgesetzt, würde auf diese Weise eine Abkehr von der Förderung nach dem
Gießkannenprinzip eingeleitet."
Schlüsseltechnologien haben aufgrund ihres hohen Innovationspotenzials eine
große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und für
die Souveränität Deutschlands. Zu den in der HTAD priorisierten
Schlüsseltechnologien zählen künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologien,
Mikroelektronik, Biotechnologie sowie Technologien für klimaneutrale
Energieerzeugung und Mobilität.
Schlüsseltechnologien: Stärken in der Forschung, Schwächen in der Anwendung
Um die Leistungsfähigkeit des deutschen F&I-Systems in diesen
Schlüsseltechnologien einzuordnen, hat die EFI sowohl die Leistungsfähigkeit in
der Forschung anhand wissenschaftlicher Publikationen als auch die Fähigkeit zur
Entwicklung von Technologien anhand transnationaler Patentanmeldungen erfasst
und international verglichen. Bei KI und Mikroelektronik ist Deutschland relativ
schwach positioniert. Das gilt allerdings weniger für die Publikationen als für
die Patentanmeldungen.
Eine starke Position bei den Patentierungsaktivitäten nimmt Deutschland dagegen
in den Schlüsseltechnologien klimaneutrale Mobilität und klimaneutrale
Energieerzeugung ein. Im Bereich der klimaneutralen Mobilität erreicht
Deutschland hinter China Platz zwei und im Bereich der klimaneutralen
Energieerzeugung hinter China und den USA Platz drei. Allerdings erreicht
Deutschland in beiden Technologiebereichen bei Weitem nicht die
Entwicklungsdynamik Chinas.
Auch in den Bereichen Mikroelektronik und Biotechnologie weisen die
Patentanmeldungen eine geringe Entwicklungsdynamik auf. Deutschland fällt damit
in diesen Schlüsseltechnologien gegenüber den meisten Vergleichsländern zurück.
"Wir sehen unsere früheren Analysen bestätigt: Die Herausforderungen für
Deutschland liegen weniger in der Forschung als vielmehr in der Entwicklung und
Anwendung von Schlüsseltechnologien", betont Bertschek.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auf europäischer Ebene. Die EU als Ganzes steht
bei den Publikationen in nahezu allen Schlüsseltechnologien an der Spitze,
jedoch können die EU-Länder diese Stärke nicht in gleichem Maße in
Patentanmeldungen umsetzen. Dieses Phänomen kann nach Auffassung der EFI ein
Hinweis auf eine Transferschwäche sein.
Monitoring von Schlüsseltechnologien sollte Anwendungsseite einbeziehen
Die Umsetzung der HTAD wird mit Hilfe eines sogenannten
360-Grad-Hightech-Monitorings begleitet. Dadurch sollen auch die Entwicklungen
bei den priorisierten Schlüsseltechnologien transparent gemacht und
evidenzbasierte Anpassungen der Förderpolitik ermöglicht werden.
"Beim Monitoring ist es besonders herausfordernd, die Anwendungsseite der
Schlüsseltechnologien zu erfassen. Die gängigen Indikatoren geben keine Auskunft
darüber, wo und von wem Schlüsseltechnologien eingesetzt werden", gibt Bertschek
zu bedenken. "Die EFI empfiehlt die Anwendungsseite, also die Diffusion der
Schlüsseltechnologien, mittels webbasierter semantischer Verfahren systematisch
zu untersuchen." Für zwei Schlüsseltechnologien der HTAD hat die EFI eine solche
Analyse in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass deutsche Organisationen
in geringerem Umfang als französische, britische oder US-amerikanische
Organisationen KI anwenden, allerdings bei Aktivitäten im Bereich der
alternativen Antriebe und klimaneutralen Kraftstoffe an der Spitze stehen.
HTAD als Kommunikationsinstrument nutzen
"Die Hightech Agenda Deutschland wird ihr großes Potenzial nur dann entfalten
können, wenn von ihr kräftige Impulse für massive private Investitionen in
Forschung und Innovation ausgehen, vor allem in Schlüsseltechnologien", betont
Bertschek. Der Erfolg der Hightech Agenda hängt also nicht allein vom Handeln
der Bundesregierung ab. Mitentscheidend ist das Engagement der Unternehmen und
Forschungsorganisationen. Diese gilt es zu mobilisieren. "Die Hightech-Agenda
ist nicht nur eine Strategie, sondern auch ein Kommunikationsinstrument, das
aktiv genutzt werden muss, um die gesetzten Ziele zu erreichen", konstatiert
Bertschek. Voraussetzung dafür ist eine klare und glaubwürdige Kommunikation der
HTAD. Und Glaubwürdigkeit erfordert, dass neben Erfolgen auch Verzögerungen
offen benannt werden.
Um die Akteure des Forschungs- und Innovationssystems - allen voran die
Unternehmen - davon zu überzeugen, dass die HTAD keine unverbindliche politische
Absichtserklärung ist, sollte die Bundesregierung die aufgeführten
Fördermaßnahmen mit konkreten Angaben zu den Fördermitteln hinterlegen. Durch
eine Quantifizierung der Investitionen in einzelne Technologien und Maßnahmen
würden die Prioritäten der Bundesregierung noch deutlicher gemacht, was die
Verbindlichkeit der Agenda stärken und zur dringend benötigten Mobilisierung der
Akteure im Forschungs- und Innovationssystem beitragen könnte.
Pressekontakt:
Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
Dr. Helge Dauchert
Leiter der Geschäftsstelle
Pariser Platz 6 | 10117 Berlin
T +49 (0) 30 322 982 562
mailto:helge.dauchert@e-fi.de
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OTS: Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
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