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Berlin (ots) - Die Bundesrepublik versteht sich als Verteidigerin des
Völkerrechts und einer "regelbasierten internationalen Ordnung". Zumindest bei
Letzterem geht es im Kern nicht um Moral, sondern um Welthandel. Doch für China
und Russland ist die "Rules-based International Order" ein westliches Konstrukt,
das westlichen Interessen dient. Zudem untergraben auch die USA ebendieses
Fundament wirtschaftlicher Beziehungen.
Regellosigkeit gefährdet aber das Geschäftsmodell Deutschlands. Von dem das
Kapital, aber auch wir alle mehr oder weniger Nutzen haben. Dieses
Geschäftsmodell basiert - abgeschwächt auch in Italien, Frankreich und den
Niederlanden - auf einer starken Industrie und billionenschweren Exporten. Und
da ist in den Golfstaaten noch viel, viel Luft nach oben. So dümpelt
Saudi-Arabien auf Rang 33 der deutschen Exportstatistik herum, Katar auf Platz
67.
Die sunnitische Hardcore-Dynastie der Familie Saud regiert die wirtschaftliche
und politische Großmacht der Region und nützt "dem Westen" als blutiger
Gegenspieler zum schiitischen Iran. Diplomatisch selbstverständlich, dass
CDU-Kanzler Merz seine Golf-Tour in Riad begann. Die Bilder, die Friedrich Merz
auf seiner Reise produzierte, zeigen zugleich, dass Saudi-Arabien ebenso wie
seine Nachbarn Katar und die Emirate aus dem Status des Rohstofflieferanten
herausgewachsen ist. Ähnlich wie in China oder Vietnam scheint der autoritär
regierte Kapitalismus dem demokratisch verfassten bei der nachholenden
Modernisierung überlegen.
Entsprechend illuster war die Wirtschaftsdelegation, die Merz begleitete: neben
Airbus-Chef Guillaume Faury unter anderem Bosse von DHL, Diehl Defence und
Siemens. Würde Deutschland seine Wirtschaftsbeziehungen auf Demokratien
beschränken, bliebe nur eine überschaubare Minderheit der Länder und der
Bevölkerung dieser Welt übrig. Man kann dies bedauern. Was bleibt, ist die
Hoffnung auf friedlichen Wandel zum Besseren durch Handel.
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