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Frankfurter Rundschau (ots) - Dass über die Täter so viel, über die Opfer so
wenig gesprochen wird, ist kein Zufall. Es ist Ausdruck einer Gesellschaft und
ihrer Medien, die Skrupellosigkeit und krimineller Energie mehr Aufmerksamkeit
schenken als dem Leid von Betroffenen. (...)
Der Fall Epstein ist auch für Europa besonders krass: Verwerfungen im
königlichen Norwegen, Ermittlungen in Frankreich, Lettland, Litauen und Polen,
Rücktritte in Schweden und der Slowakei. Beim Nachdenken über das politische
Erpressungspotential, das in den Dokumenten steckt und gesteckt hat - mit oder
ohne Putins Zutun - kann einem schwindelig werden. (...)
Doch solange wir sexualisierte Gewalt über Täter erzählen, verlängern wir das
Machtgefälle, das die Taten ermöglicht hat. Wir lernen nichts über Prävention,
nichts über Schutzmechanismen, nichts über Verantwortung - außer der bequemen
Illusion, dass alles vorbei ist, sobald der oder die Verbrecher entlarvt und als
schuldig verurteilt sind.
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