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Losheim am See (ots) - Die Geschichte des Automobils ist geprägt von technischer
Genialität, mutigen Erfindungen und bahnbrechenden Entwicklungen. Und auch
Frauen haben daran seit jeher ihren Anteil. Scheibenwischer, Fahrzeugheizung,
Blinker oder Bremslichter - diese Innovationen gehen auf kluge, weibliche Köpfe
zurück. Es war Bertha Benz, die Ende des 19. Jahrhunderts zur Pionierfahrt mit
dem Motorwagen aufbrach. Und Clärenore Stinnes umrundete 1929 als erster Mensch
mit dem Auto die Welt. Der Beitrag jener Pionierinnen ist unübersehbar, wurde
jedoch lange übersehen. Ihre Leistungen zeugen von Entschlossenheit, Weitblick
und technischem Gespür. Eigenschaften, die auch heute viele weibliche Fachkräfte
ins Kfz-Gewerbe einbringen. Ihr Anteil ist zwar weiterhin gering, doch die
Entwicklung zeigt eine deutliche Aufwärtsbewegung. Laut des Zentralverbandes
Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hatdie Zahl der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge im Kfz-Gewerbe im Jahr 2024 den höchsten Stand seit 20
Jahren erreicht. Auffällig dabei: Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für
eine Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin. Das geht aus der Statistik des
Bundesinstituts für Berufsbildung hervor: 1.509 waren es im vergangenen Jahr,
was einem Prozentsatz von 6,2 entspricht. Das klingt im ersten Moment nach nicht
allzu viel, doch es ist ein Zuwachs von gut 52,5 Prozent im Vergleich zu 2019.
Auch bei den Automobilkaufleuten setzt sich ein positiver Trend fort. Der Anteil
der weiblichen Azubis beträgt inzwischen rund 40,5 Prozent - ein Zuwachs von
23,3 Prozent innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Deutlich zugelegt haben
zudem die Fahrzeuglackiererinnen, deren Zahl im gleichen Zeitraum um 33 Prozent
gestiegen ist. Insgesamt machen Frauen zwar noch einen kleinen Teil der
Auszubildenden im Kfz-Gewerbe aus - doch der Aufbruch ist spürbar. Es ist eine
stille, aber eindrucksvolle Veränderung.
Kleine Quote mit großer Dynamik
Auch bei der KÜS-Akademie lässt sich dieser Wandel beobachten. In der vor über
25 Jahren gegründeten Einrichtung sind heute mehr als 100 Ausbildende und
Referierende tätig. Sie begleiten jährlich drei Ausbildungslehrgänge zum
Prüfingenieur sowie vielfältige Fort- und Weiterbildungsangebote. Zwar liegt der
Frauenanteil aktuell auch hier bei lediglich 2,5 Prozent - doch die Entwicklung
zeigt ebenfalls eine beeindruckende Dynamik. Im Vergleich zu vor 20 Jahren hat
sich der Anteil der Prüfingenieurinnen verzehnfacht. Allein in den vergangenen
zehn Jahren wuchs er um 127 Prozent. "Angesichts des steigenden
Fachkräftemangels gewinnt diese Tendenz zunehmend an Bedeutung. Denn ohne
gezielte Förderung weiblicher Talente wird sich die Lücke in der Kfz-Branche
kaum schließen lassen. Wer qualifizierte Frauen gewinnen will, muss auch bereit
sein, neue Wege zu gehen", sagt Sebastian Finkler, der Leiter der KÜS Akademie
GmbH.
Sie schrauben am Klischee
Wie erfolgreich diese Wege sein können, zeigen Beispiele aus der Praxis: Nicole
Ebert-Hofer aus Fürth beispielsweise absolvierte bereits 2013 ihre Ausbildung
zur Prüfingenieurin bei der KÜS. Heute spiele ihr Geschlecht im Arbeitsalltag
kaum eine Rolle, berichtet die 38-Jährige. Doch zu Beginn musste sie sich schon
gegen eine gewisse Skepsis behaupten. Mancher Kunde habe gezweifelt, ob "die das
kann" oder gar gefragt, ob sie ein Fahrzeug überhaupt fahren könne, erzählt
Ebert-Hofer rückblickend. Inzwischen aber hat sich die Situation gedreht: "Wenn
die Werkstätten heute bei einem Problem nicht weiterwissen, rufen sie an und
fragen gezielt nach mir. In solchen Momenten zählt dann allein die Expertise -
nicht, ob ich Nicole heiße oder Nico." Für Gabriele Baur aus Ehingen war der Weg
zur Prüfingenieurin ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. "Ich bin
alleinerziehend - durch die flexible Arbeitszeitgestaltung konnte ich Familie
und Beruf miteinander vereinbaren", erläutert die Mutter zweier Kinder. Als
selbstständige Prüfingenieurin konnte sie stundenweise arbeiten. Und auch bei
reduziertem Stundenumfang sei das Einkommen hoch genug, um wirtschaftlich
eigenständig zu bleiben. "Diese Kombination aus zeitlicher Flexibilität und
finanzieller Sicherheit hätte ich in keinem anderen Job so verwirklichen
können", sagt die 60-Jährige. Prüfberichte schreiben mit dem Kleinkind in der
Trage - für Alexandra Blum aus Lemgo war das kein Balanceakt, sondern gelebte
Vereinbarkeit. Die 37-Jährige erinnert sich: "Ich habe mir meine Tochter einfach
in die Bauchtrage gesetzt und dann sind wir zusammen los zum Prüfen." Heute
erlebt Blum im Arbeitsalltag kaum Vorurteile. "Für unseren Kundenstamm ist das
Geschlecht nebensächlich. Da zählt nur die Tatsache, dass man Prüfingenieur ist
- egal ob weiblich oder männlich." Schon während ihres Maschinenbaustudiums sei
sie eine von nur zehn Frauen unter 130 Kommilitonen gewesen. Deshalb seien
solche Situationen für sie nichts Neues.
Mehr Frauen, neue Chancen - weil Zukunft alle braucht
Die Beispiele zeigen, dass sich die Arbeitsrealität in technischen Berufen an
weibliche Lebensentwürfe anpassen lässt - vorausgesetzt, es gibt die passenden
Strukturen. "Wir haben dies erkannt und bieten Rahmenbedingungen, die
Perspektiven eröffnen: flexible Modelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, berufliche
Selbstständigkeit. Denn die Branche verändert sich - technisch,
gesellschaftlich, kulturell", erklärt KÜS-Hauptgeschäftsführer Peter Schuler.
Digitalisierung, alternative Antriebe, autonomes Fahren ... die
Herausforderungen wachsen, ebenso wie die Anforderungen an Prüfprozesse und
Sicherheitsstandards. Umso wichtiger sind vielfältige Teams, neue Denkansätze,
unterschiedliche Erfahrungswelten sowie ein hohes Maß an
Problemlösungskompetenz. Und Frauen bringen genau das mit!
Über KÜS | Fahrzeugprüfungen und -gutachten
Die KÜS ist in Deutschland seit 1991 als Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation
amtlich anerkannt. Mit rund 8.000 Untersuchungsstellen, rund 1.800
Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren sowie rund fünf Millionen
Fahrzeuguntersuchungen pro Jahr ist die KÜS ein gefragter Dienstleister mit
ausgeprägter Kompetenz in Fahrzeugsicherheit und Mobilität. Das
Dienstleistungs-Portfolio reicht von amtlichen Fahrzeuguntersuchungen und
Sachverständigen-Tätigkeiten (Schadengutachten, Wertgutachten) über
Schulungsangebote bis hin zu IT-Lösungen.
Zur KÜS-Unternehmensgruppe gehören die KÜS als Überwachungsorganisation, die KÜS
Technik GmbH als Technischer Dienst der KÜS, die KÜS DATA GmbH mit eigenem
Hochleistungs-Rechenzentrum für maximale Datensicherheit, die KÜS Akademie GmbH
für die Aus- und Weiterbildung, die KÜS Automotive GmbH für Fahrzeuggutachten
sowie die KÜS Service GmbH mit Expertise u. a. in Arbeitssicherheit und
Datenschutz.
Als expandierender Spezialist für Verkehrssicherheit stellt sich die KÜS
konsequent den Anforderungen einer Mobilität, die sich aktuell rasant verändert.
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