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München (ots) -
- Der Standort droht, im globalen Technologiewettbewerb den Anschluss zu
verlieren - doch sechs Schlüsseltechnologien bergen enormes
Wertschöpfungspotenzial
- Die Studie "Wachstumspfade" von Boston Consulting Group (BCG) und
UnternehmerTUM identifiziert 18 zentrale Maßnahmen zur erfolgreichen Umsetzung
der Hightech Agenda des Bundesforschungsministeriums
- Entscheidend dabei: vorhandene Stärken konsequent in industrielle
Wertschöpfung übersetzen
Ein Hightech-Potenzial von rund 1,7 Billionen Euro bietet deutschen Unternehmen
die Chance, im internationalen Technologiewettbewerb entscheidend aufzuholen. In
zentralen Schlüsseltechnologien liegen die Voraussetzungen, um Wertschöpfung zu
skalieren und industrielle Stärke in zukünftigen Leitmärkten auszubauen -
während andere Nationen wie die USA und China diese Hebel bereits systematisch
nutzen und damit den Handlungsdruck für Deutschland erhöhen.
Wie ein Kurswechsel gelingen kann, zeigen BCG und UnternehmerTUM, Europas
größtes Zentrum für Innovation und Unternehmensgründung, in ihrer Studie
"Wachstumspfade". Diese richtet den Blick konsequent nach vorn: Im Fokus stehen
die sechs Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) des
Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) - und die
Frage, wie sich technologische Stärken schneller in skalierbare Geschäftsmodelle
und nachhaltiges Wachstum übersetzen lassen. Die Studie wird beim Start-up-Hub
der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt.
Zu wenig Innovation, zu wenig Kapital
Deutschlands Innovationssystem verfügt über ein erhebliches Wachstumspotenzial -
insbesondere dort, wo wissenschaftliche Stärke, Skalierung und Kapital
systematisch zusammengeführt werden. Die Studie zeigt: Wenn klare
Umsetzungsstrukturen und ausreichendes Wachstumskapital verfügbar sind,
entstehen Wertschöpfung und Renditen, vor allem in KI-getriebenen
Zukunftsfeldern. International wird dieses Potenzial bereits genutzt - während
Deutschland trotz einer breiten technologischen Basis wirtschaftlich hinter
seinen Möglichkeiten bleibt. So lag die Zahl aktiver Patente 2023 mit rund
930.000 unter dem Niveau der USA (3,5 Millionen) und Chinas (5 Millionen). Noch
deutlicher wird der Unterschied bei wachstumsstarken Technologieunternehmen: In
den USA sind rund 700, in China etwa 370 Unicorns entstanden - in Deutschland
bislang rund 30. Auch beim Wachstumskapital besteht erhebliches Aufholpotenzial:
2024 investierten Kapitalgeber hierzulande weniger als 10 Milliarden US-Dollar
Venture Capital, verglichen mit 209 Milliarden in den USA und rund 40 Milliarden
in China. "Die Hightech Agenda ist die Chance, Deutschland als Industrie- und
Technologiestandort neu zu erfinden", sagt Michael Brigl, Senior Partner und
Zentraleuropa-Chef bei der Boston Consulting Group. "Schlüsseltechnologien wie
künstliche Intelligenz, Mikroelektonik oder Biotechnologie entscheiden nicht nur
darüber, wer künftig wirtschaftlich das Rennen macht. Sie sind genauso
entscheidend für die Resilienz und Souveränität unseres Landes."
Erfolgversprechende Schlüsseltechnologien
- Künstliche Intelligenz: Deutschland verfügt über exzellente Forschung,
industrienahe Anwendungsfelder und international wettbewerbsfähige
Unternehmen, bleibt bei Plattformen, Infrastruktur und Skalierung jedoch
hinter den USA und China zurück. "Deutschland hat starke Voraussetzungen -
etwa bei industrieller KI und physischen Modellen -, muss diese jetzt aber
konsequent in KI-getriebene Wachstumspfade und neue Generationen von
Weltmodellen übersetzen, um international eine führende Rolle einzunehmen",
sagt Tibor Merey, Partner bei BCG und Leiter des globalen Frontier-Tech
Bereichs. Wettbewerbsfähigkeit erfordert dedizierte KI-Factories,
industrienahe Datenräume und Modellfabriken, die Entwicklung und Anwendung eng
verbinden. Nationale Weltmodell-Programme, souveräne KI-Infrastruktur und eine
wirkungsorientierte Finanzierung setzen dafür die entscheidenden
Rahmenbedingungen.
- Quantentechnologien: In der Quantenforschung zählt Deutschland zur
internationalen Spitze, der Übergang zu marktfähigen, zertifizierten Systemen
verläuft jedoch noch zu langsam. Das größte Potenzial liegt in
Enabler-Technologien wie Photonik, Hochleistungsoptik, Lasersystemen und
Kryotechnik sowie in Plattformen wie Ionenfallen- und Neutralatom-Systemen.
Skalierbare Plattformen, wettbewerbliche Pilotlinien und der gezielte Einsatz
staatlicher Akteure als Ankerkunden können hier den entscheidenden Durchbruch
ermöglichen.
- Mikroelektronik: Als Fundament nahezu aller Zukunftstechnologien ist die
Mikroelektronik strategisch zentral, zugleich bestehen hohe Abhängigkeiten in
globalen Lieferketten. Deutschland ist insbesondere bei Leistungselektronik
und Halbleiter-Equipment stark, während neue Felder wie Chiplets, Photonik und
Advanced Packaging bislang nur begrenzt industrialisiert sind. Die größten
Chancen liegen nicht im Bau hochkomplexer Spitzenchips, sondern bei
leistungsfähigen Industriechips, Chip-Bausteinen, neuen
Verpackungs-technologien, photonischen Chips und neuartigen Speicher- und
Logikansätzen. Wichtige Hebel sind hierbei spezialisierte Exzellenzcluster,
eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Chipbereich und verlässliche
Rahmenbedingungen für Unternehmen.
- Biotechnologie: Trotz starker Industrie und Forschung bleibt das
biotechnologische Potenzial in Deutschland bislang weitgehend ungenutzt.
Fragmentierte Strukturen, regulatorische Hürden und fehlende Pilot- und
Skalierungsinfrastrukturen bremsen den Transfer in die Anwendung. Abhilfe
schaffen konkrete Umsetzungsfahrpläne, Biotech-Innovation-Hubs, KI-gestützte
Translationszentren sowie schnellere und verlässliche Genehmigungs- und
Zulassungsprozesse.
- Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung: In vielen Technologien für
erneuerbare Energien hat Deutschland internationale Führungspositionen
eingebüßt, in neuen Feldern wie industrieller Wärme und Kernfusion ist die
globale Marktführerschaft jedoch noch offen. Forschung und eine breite
industrielle Basis bieten hierfür eine vielversprechende Ausgangslage, um im
klimaneutralen globalen Energieerzeugungsmarkt von über 570 Milliarden Euro im
Jahr 2030 eine relevante Rolle spielen zu können.
- Klimaneutrale Mobilität: Die Transformation der Mobilität verändert zentrale
industrielle Wertschöpfungsketten in Deutschland. Gleichzeitig drohen neue
Abhängigkeiten, etwa bei Batterietechnologien und automatisierten
Mobilitätssystemen. Zentrale Hebel sind die Stärkung der
Batterie-wertschöpfung in Europa, die skalierte Einführung autonomer Systeme
über verschiedene Verkehrsträger hinweg sowie der Aufbau eines
Hyperloop-Industriesystems als neues Zukunftsfeld.
Die Analyse der sechs Technologiefelder identifiziert Faktoren, die darüber
entscheiden, wie schnell neue Technologien in der Industrie ankommen und
Wertschöpfung generieren. Zentrale Voraussetzung hierfür ist, dass Politik,
Industrie, Wissenschaft, Start-ups und Kapital in Innovationsökosystemen eng
zusammenarbeiten.
Staatliche oder industriegetriebene Referenzprojekte und Abnahmevereinbarungen
sorgen für eine frühe verlässliche Nachfrage. So reduzieren sich Marktrisiken
und der Übergang von der Pilotierung in industrielle Anwendungen wird deutlich
leichter möglich. "HighTech aus Deutschland kann auch zukünftig globale Märkte
erobern", sagt Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM. "Dazu braucht es
viele Gründerinnen und Gründer, die schnell und ambitioniert innovative Produkte
schaffen und industriell skalieren."
Schneller von der Pilotierung in den Echtbetrieb
Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist auch der Zugang zu Wachstumskapital über
alle Entwicklungsphasen hinweg, insbesondere in der kapitalintensiven
Skalierung. Um Innovationen nicht auszubremsen und Entwicklungszeiten zu
verkürzen, sind schnelle, planungssichere und innovationsfreundliche
regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich: klare Verantwortlichkeiten,
schnelle Entscheidungen und eine wirksame Governance, die Prioritäten setzt,
Fortschritte messbar macht und industrielle Entwicklung konsequent steuert. "Ob
Deutschland im Technologiewettbewerb aufholt, entscheidet sich nicht bei der
Idee, sondern bei der Translation und Skalierung", sagt Philipp Gerbert, CEO von
TUM Venture Labs und Senior Partner Emeritus BCG, "Jetzt geht es darum,
Deeptech-Innovationen schneller aus der Pilotphase in industrielle Anwendungen
zu überführen." Andernfalls drohen zentrale Zukunftsmärkte und damit verbundene
Wertschöpfung dauerhaft außerhalb Deutschlands zu entstehen.
Die vollständige Studie lesen Sie hier: Studie (https://wachstumspfade.bcg.com/h
ome?utm_medium=website&utm_source=press_release&utm_campaign=wachstumspfade&utm_
description=organic&utm_topic=hightech_agenda&utm_geo=ce&utm_content=)
Über die Studie
Die Studie "Wachstumspfade" analysiert, wie Deutschland seine wissenschaftliche
Exzellenz und industrielle Stärke in den von der Hightech Agenda Deutschland
priorisierten Schlüsseltechnologien wirksam in industrielle Wertschöpfung
überführen kann. Grundlage der Analyse sind umfangreiche Markt- und
Technologiestudien, die Auswertung von Unternehmens- und Investitionsdaten sowie
leitfadengestützte Interviews mit über 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft
und dem Gründungsumfeld. Die wirtschaftliche Bedeutung der betrachteten
Technologiefelder wird anhand eines einheitlichen Marktgrößenansatzes bewertet,
der sowohl das globale Marktpotenzial (Total Addressable Market, TAM) als auch
das unter realistischen Annahmen für deutsche Anbieter adressierbare
Marktvolumen (Serviceable Addressable Market, SAM) berücksichtigt. Ergänzend
analysiert die Studie internationale Wettbewerbspositionen, strukturelle
Engpässe bei Umsetzung und Skalierung sowie zentrale Erfolgsfaktoren entlang der
gesamten Wertschöpfung.
Die Studie wurde gemeinsam von der Boston Consulting Group (BCG), UnternehmerTUM
und TUM Venture Labs erarbeitet. Sie richtet sich an Entscheidungsträger aus
Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie an Gründende und Kapitalgeber und
versteht sich als analytische Grundlage für die Weiterentwicklung eines
leistungsfähigen Innovations- und Skalierungsökosystems in Deutschland.
Über BCG
Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende
Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und
Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran.
Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich
Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen,
nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen
Wandel gestalten können. BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit
Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft - von digitalen
Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams
vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven -
sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser
Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb
unserer Teams und bei unseren Kunden - über alle Organisationsebenen hinweg. BCG
ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern
vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden
US-Dollar.
Weitere Informationen: http://www.bcg.de/
Über UnternehmerTUM - Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung
Bei UnternehmerTUM werden Visionen zu Mehrwert. Unsere Teams befähigen
innovationsbegeisterte Menschen zu unternehmerischem Handeln. Zusammen mit
Start-ups und etablierten Firmen bringen wir Tech-Gründungen voran - von der
ersten Idee bis zur marktführenden Position. Seit 2002 unterstützen wir mit der
Technischen Universität München (TUM) und der Unternehmerin Susanne Klatten
zukunfts-weisende Gründungen wie Celonis, Konux, und Isar Aerospace.
Pressekontakt:
Boston Consulting Group
Simona Gulich
Media Relations Specialist
T + 49 151 10386025
mailto:simona.gulich@bcg.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/180974/6216301
OTS: The Boston Consulting Group
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