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Hannover (ots) - 70,9 Millionen Menschen nutzen YouTube jeden Monat in
Deutschland. Eine Zahl, die beeindruckt und viele Handwerksbetriebe zu einem
vorschnellen Schluss verleitet. Wer dort nicht präsent ist, verschenkt angeblich
wertvolle Chancen. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Hohe
Reichweite klingt nach Wachstum, bedeutet für regionale Betriebe aber selten
neue Aufträge. Sichtbarkeit allein reicht nicht aus, wenn sie an der eigenen
Region vorbeigeht.
Gerade Handwerksbetriebe sind auf planbare Anfragen aus dem direkten
Einzugsgebiet angewiesen. Gefragt sind Kunden, die konkret einen Dienstleister
suchen - nicht Zuschauer, die sich bundesweit informieren. Genau hier entsteht
die Diskrepanz zwischen Plattformgröße und tatsächlichem Nutzen. Warum YouTube
für lokale Betriebe häufig überschätzt wird und welche Kanäle deutlich besser
funktionieren, zeigt ein genauer Blick auf Reichweite, Nutzerabsicht und
Praxiserfahrung.
Reichweite ist nicht gleich regionale Nachfrage
Was in der Theorie nach großem Potenzial klingt, erweist sich in der Praxis
schnell als Einschränkung. YouTube ist eine überregionale Plattform, deren
Inhalte deutschlandweit ausgespielt werden - unabhängig davon, wo ein Betrieb
ansässig ist. Ein Handwerksunternehmen aus München konkurriert dort nicht nur
mit Betrieben aus dem Umland, sondern mit tausenden Videos aus ganz Deutschland.
Selbst bei guter Performance stammt nur ein Bruchteil der Zuschauer aus dem
eigenen Einzugsgebiet.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Problem: Rund zwei Millionen potenzielle
Menschen im regionalen Umfeld stehen über 70 Millionen YouTube-Nutzern
deutschlandweit gegenüber. Der tatsächlich relevante Anteil liegt bei wenigen
Prozent. Das Ergebnis: Sichtbarkeit entsteht, echte Anfragen aus der Region
jedoch kaum. Für Betriebe, die auf lokale Aufträge angewiesen sind, bleibt der
wirtschaftliche Effekt gering.
Die Nutzerabsicht auf YouTube als Kernproblem
Der begrenzte regionale Effekt hängt jedoch nicht allein mit der Reichweite
zusammen. Entscheidend ist vor allem die Absicht, mit der Nutzer eine Plattform
aufsuchen. Auf YouTube suchen Menschen in erster Linie nach konkreten Lösungen,
Anleitungen und Erklärungen. Tutorials, Problemlösungen und
Schritt-für-Schritt-Videos stehen im Vordergrund. Der Standort des Erstellers
spielt dabei kaum eine Rolle.
Anders verhält es sich bei Google. Dort verfolgen Nutzer eine klare Such- und
Kaufabsicht. Wer gezielt nach einem Handwerksbetrieb sucht, möchte in der Regel
einen Dienstleister beauftragen - idealerweise in der eigenen Nähe. Auf
Meta-Plattformen wie Facebook oder Instagram befinden sich Nutzer hingegen eher
im Entdeckungs- und Inspirationsmodus. YouTube bleibt damit vor allem eine
Wissens- und Informationsplattform, nicht primär ein Kanal für lokale
Kaufentscheidungen.
Warum Tutorials kaum Kunden bringen
Aus der Nutzerabsicht ergibt sich ein weiteres strukturelles Problem. Tutorials
sind fachlich sinnvoll und können Kompetenz zeigen, für die Kundengewinnung
regionaler Betriebe sind sie jedoch selten effektiv. Typische Suchanfragen
lauten etwa "Toilettendeckel locker" oder "Was tun bei ...". Solche Inhalte
ziehen ein bundesweites Publikum an.
Selbst wenn ein regionaler Betrieb dabei gefunden wird, entstehen daraus meist
nur kleine Einzelaufträge mit geringem wirtschaftlichem Wert. Der Aufwand für
die kontinuierliche Erstellung von Videos steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Hoher Content-Aufwand trifft auf geringe regionale Relevanz - ein
Missverhältnis, das viele Betriebe unterschätzen.
YouTube-Werbung: theoretisch möglich, praktisch begrenzt
Naheliegend erscheint daher der Gedanke, die Reichweite über bezahlte Anzeigen
regional einzugrenzen. Zwar lässt sich YouTube-Werbung tatsächlich lokal
steuern, doch das grundlegende Problem bleibt bestehen. Nutzer befinden sich
weiterhin in einer Informations- und Lösungsphase, nicht in einer konkreten
Kaufentscheidung. Anzeigen bei akuten Reparaturproblemen können zwar vereinzelt
Aufträge bringen, bleiben jedoch kleinteilig.
Bei planungsintensiven Leistungen wie Badmodernisierungen oder umfangreichen
Sanierungen zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. Solche Themen werden
nicht primär auf YouTube recherchiert, sondern deutlich häufiger über Google.
Für regionale Handwerksbetriebe bleibt YouTube-Werbung daher ein ergänzendes
Werkzeug, jedoch kein verlässlicher Hauptkanal.
Vergleich der Kanäle aus der Praxis
Spätestens an diesem Punkt wird deutlich, dass sich die Plattformen grundlegend
unterscheiden. Ein Blick auf die gängigen Kanäle zeigt klare Stärken und
Schwächen. Google überzeugt durch eine eindeutige Such- und Kaufabsicht und
eignet sich ideal für regionale Dienstleister. Meta-Plattformen punkten durch
passive Nutzung, hohe regionale Sichtbarkeit und bewährte Effekte bei Kunden-
und Mitarbeitergewinnung.
YouTube hingegen ist geprägt von aktiver Informationssuche, kaum regionaler
Bindung und einer vergleichsweise schwachen Performance bei direkter
Kundengewinnung. Für Betriebe, die planbar wachsen wollen, ist diese
Unterscheidung entscheidend.
Ausnahme Mitarbeitergewinnung - mit Einschränkung
Eine gewisse Ausnahme zeigt sich jedoch im Bereich der Mitarbeitergewinnung.
Hier kann YouTube unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll eingesetzt werden.
Wiederholte Sichtbarkeit kann Vertrauen aufbauen und den Betrieb langfristig im
Gedächtnis potenzieller Bewerber verankern. Doch auch in diesem Einsatzfeld
stößt der Kanal schnell an seine Grenzen.
Die Praxiserfahrung zeigt, dass Meta-Plattformen in der Mitarbeitergewinnung
deutlich bessere Ergebnisse liefern. YouTube eignet sich allenfalls ergänzend,
nicht als zentraler Kanal. Wer gezielt Fachkräfte gewinnen möchte, sollte den
Fokus entsprechend setzen.
Fazit
Am Ende zeigt sich ein klares Bild: YouTube erzeugt Aufmerksamkeit, führt bei
regionalen Handwerksbetrieben jedoch nur selten zu konkreten Aufträgen. Wer
planbar Kunden gewinnen möchte, muss die Nutzerabsicht hinter den einzelnen
Plattformen verstehen und den Fokus auf Kanäle legen, auf denen regionale
Nachfrage tatsächlich entsteht. Reichweite allein ist kein Erfolgsfaktor -
entscheidend ist, wo und in welchem Moment potenzielle Kunden aktiv nach
handwerklichen Leistungen suchen.
Über die A&M:
Marvin Flenche und Alexander Thieme sind die Gründer der A&M Unternehmerberatung
GmbH. Die Agentur hat sich auf Fachfirmen rund ums Haus spezialisiert und
ermöglicht Unternehmen mit Hilfe von Onlinemarketing, Planbarkeit und Wachstum
durch mehr Kundenanfragen und qualifizierte Mitarbeiter. Weiter Informationen
über: https://www.am-beratung.de
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