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Mutterstadt (ots) - Für die Ernährungssicherheit braucht die Landwirtschaft
schneller innovative Pflanzenschutzmittel, mit denen die Anbauer ihre Kulturen
wirksam schützen können. Dazu muss das Zulassungssystem in Deutschland
effizienter werden - das war der Tenor einer gemeinsamen Veranstaltung der
Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG, der Raiffeisen Agrarhandel Pfalz GmbH und des
Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) heute in Mutterstadt. Dabei diskutierten
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Handel und Vermarktung
über die Zukunft der deutschen Landwirtschaft und die Auswirkungen aktueller
regulatorischer Weichenstellungen auf die Ernährungssicherheit. Unter dem Titel
"Zukunft der Landwirtschaft - Ernährungssicherheit in Zeiten politischer
Weichenstellungen" kamen Agrarpolitikerinnen und -politiker von CDU, SPD,
Bündnis 90/Die Grünen und FDP mit Praktikern aus Landwirtschaft, Handel und
Vermarktung zusammen.
Das Event fand im Vorfeld der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März 2026 statt
und widmete sich der Frage, wie die heimische Selbstversorgung unter zunehmend
schwierigen Rahmenbedingungen gesichert werden kann. Impulse aus Landwirtschaft,
Agrarhandel, Vermarktung und Industrie zeigten die Schwierigkeiten entlang der
gesamten Wertschöpfungskette auf. Sie machten sichtbar, welche konkreten Folgen
fehlende Wirkstoffverfügbarkeiten, steigender Krankheits- und Schädlingsbefall
und unzureichende Zulassungsverfahren in der Praxis haben - von wachsenden
Ertrags- und Qualitätsrisiken über Versorgungsunsicherheiten bis hin zu
Wettbewerbsnachteilen gegenüber Importen. Diese Einordnung aus erster Hand
bildete die Grundlage für den anschließenden politischen Austausch und die
Diskussion über notwendige Reformen.
In einer Podiumsdiskussion sprachen Johannes Steiniger, MdB, (CDU), Isabel
Mackensen-Geis, MdB, (SPD), Paul Bunjes (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Marco
Weber, MdL, (FDP), über Handlungsbedarf im Pflanzenschutz, über
Zulassungsverfahren und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Erzeugung.
Grundsätzlich bestand Einigkeit darüber, dass die Herausforderungen real sind,
die politischen Akzente jedoch unterschiedlich gesetzt werden.
Johannes Steiniger betonte: "Um Pflanzen wirksam vor Schadorganismen wie der
Schilf-Glasflügelzikade zu schützen, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
unerlässlich. Zur Bewertung bedarf es eines risikoorientierten Ansatzes, welcher
das hohe Schutzniveau für die Gesundheit von Menschen und Tieren und die Umwelt
aufrechterhält, und wissenschaftsbasiert neue Zulassungen für Wirkstoffe und
Pflanzenschutzmittel ermöglicht."
Isabel Mackensen-Geis sagte: "Pflanzenschutz ist weit mehr als der Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln, er umfasst Fruchtfolgen, resistente Sorten,
Bodenfruchtbarkeit, Monitoring und den integrierten Pflanzenschutz. Bei der
Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln haben wir im Obst- und Gartenbau jedoch
reale Herausforderungen. Als Koalition haben wir die bestehenden
Herausforderungen klar erkannt und handeln: Mit einer Projektgruppe beim
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verbessern wir die
Zusammenarbeit der beteiligten Behörden und beschleunigen die
Zulassungsverfahren - zugleich setzen wir auf gezielte Anreize und die Stärkung
des Ökolandbaus, um den Einsatz und das Risiko von Pflanzenschutzmitteln wirksam
zu reduzieren."
Paul Bunjes machte deutlich : "Pflanzenschutzmittel zu streichen, ohne Ersatz
bereitzustellen, lässt sich den Menschen in der Praxis nicht erklären. Forschung
an neuen Wirkstoffen ist unverzichtbar. Die Folgen für die Umwelt müssen dabei
aber auch Teil der Rechnung sein."
Marco Weber argumentierte: "Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen bremsen
unsere Betriebe im europäischen Wettbewerb aus. Wenn Notfallzulassungen zum
Standard werden, läuft etwas im System schief. Deshalb müssen wir das
Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel dringend reformieren."
IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer unterstrich in seinem Impuls die
dramatische Lage im Pflanzenschutz: Seit 2019 wurde in der EU kein neuer
Wirkstoff mehr genehmigt, gleichzeitig sind über 80 Wirkstoffe weggefallen; die
restriktive Zulassungspraxis in Deutschland verknappt die Lösungen für die
heimische Landwirtschaft. "Der Werkzeugkasten zur Bekämpfung von Unkräutern und
Schaderregern wird jedes Jahr kleiner, obwohl die Herausforderungen in der
Praxis wachsen. Wir brauchen risikobasierte, wissenschaftlich fundierte und
zügige Zulassungsentscheidungen, damit Innovationen dort ankommen, wo sie
gebraucht werden: auf dem Feld. Planbare Verfahren sichern den Schutz unserer
Kulturen, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und eine zuverlässige
Versorgung", erklärte Gemmer.
Aus Sicht der Praxis beschrieb Landwirt Hartmut Magindie Folgen für Ertrag,
Qualität und Arbeitsaufwand. Er machte deutlich, dass viele Kulturen nur noch
mit erheblichem Mehraufwand und unter steigenden Risiken angebaut werden können,
weil verlässliche Lösungen im Pflanzenschutz fehlen. "Wir stehen immer häufiger
vor Situationen, in denen uns wirksame Mittel fehlen. Die Konsequenz sind mehr
Arbeitseinsätze, höheres Wetterrisiko, Qualitätsverluste und unsichere Erträge.
Ohne verlässlichen Pflanzenschutz ist eine regionale Versorgung nicht zu halten,
und die vom Markt geforderte Qualität können wir dann schlicht nicht liefern",
sagte Magin.
Auch Dr. Raffael Wesoly, Geschäftsführer der Raiffeisen Agrarhandel Pfalz GmbH,
klagte über fehlende Mittel und unterstrich, dass Notfallzulassungen keinen
tragfähigen Ersatz darstellen. Die Folge seien erhebliche Unsicherheiten entlang
der gesamten Kette - von der Beratung bis zur Saisonplanung. "Notfallzulassungen
sind ein Symptom dafür, dass das System an seine Grenzen gestoßen ist. Wir
brauchen wieder verlässliche Verfahren und Verfügbarkeit, denn ohne planbare
Pflanzenschutzstrategien geraten Produktion, Versorgungssicherheit und
Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen unter Druck", so Wesoly.
Wie sich diese Risiken am Markt materialisieren, schilderte Hans-Jörg Friedrich,
Vorstand der Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG. Er betonte, dass
Qualitätsschwankungen zu Ausschuss, Mindererlösen und verpassten Lieferterminen
führen, was direkt die regionale Wertschöpfung schwächt. Gleichzeitig steigen
die Produktionskosten, während Handel und Verbraucher stabile Lebensmittelpreise
erwarten; der Wettbewerbsdruck durch Importe aus Ländern mit breiterer
Wirkstoffpalette nimmt zu. "Wir sehen am Pfalzmarkt jeden Tag, was fehlende
Pflanzenschutz-Lösungen bedeuten: mehr Ausschuss, geringere Lieferstabilität und
steigender Kostendruck. Während der Markt makellose Ware verlangt, können
steigende Risiken nicht einfach in Preisen abgebildet werden. Das trifft die
regionale Erzeugung ins Mark und verschärft den Druck gegenüber Importen", so
Friedrich.
Pressekontakt:
Industrieverband Agrar e. V. (IVA)
Hans F. Kaufmann
Stv. Leiter Kommunikation und Politik
Mobil +49 151 14491291
E-Mail: mailto:kaufmann.iva@vci.de
Pfalzmarkt für Obst und Gemüse eG
Björn Wojtaszewski
Pressesprecher
Mobil +49 174 3221047
E-Mail: mailto:bw@prpluscom.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16070/6220294
OTS: Industrieverband Agrar e.V. (IVA)
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