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Fulda (ots) - Ist alles noch schlimmer, als bislang bekannt war? Oder ist die
Festnahme von Ex-Prinz Andrew vor allem Wasser auf die Mühlen jener, die dem
Rechtssystem vorwerfen, dass ein Vergewaltiger manchmal mit einer milderen
Strafe davonkommt als der Fußballmanager, der Steuern hinterzogen hat? Gemessen
an dem, was er jungen, eventuell sogar noch minderjährigen Frauen angetan haben
soll, wirkt der nun erhobene Vorwurf, der einstige Lieblingssohn der Queen habe
vertrauliche Informationen zu möglichen Investitionen an Jeffrey Epstein
weitergegeben, zunächst wie eine Petitesse. Und wäre da nicht die
öffentlichkeitswirksame Festnahme gewesen, man hätte das Delikt des
"Amtsmissbrauchs" durch den als Handelsgesandten nach Asien geschickten Andrew
womöglich schulterzuckend als weiteres Kapitel in einer langen Chronik royaler
Verfehlungen verbucht.
Doch im Großen und Ganzen zeigen die weiteren Vorwürfe gegen den Ex-Prinzen die
ganze Tragweite des Epstein-Skandals. Auch in Großbritannien sind Teile der
politischen Elite involviert - bis hin zu Premier Keir Starmer, der einen Freund
Epsteins zum Botschafter in den USA ernannt hat. Immer deutlicher wird auch: Der
Skandal erschöpft sich nicht im Bild des skrupellosen Sexualverbrechers, der
Mädchen missbrauchte und diese, wie es ein Opfer ausdrückte, "wie einen
Obstteller herumreichte, von dem sich jeder nehmen durfte"; er berührt Fragen
von Macht, Einfluss und ökonomischen Interessen, es geht auch um Geschäfte und
viel Geld. Ein Ende des Skandals ist auch nach der Veröffentlichung von
Millionen Seiten der Epstein-Akten durch das US-Justizministeriums jedenfalls
nicht in Sicht - zumal viele nach wie vor geschwärzte Namen in den Akten neue
Fragen aufwerfen.
Hat die Krone nun nach dem Drama um Prinzessin Diana ihre nächste existenzielle
Krise? Wohl kaum. Andrew, dem inzwischen alle seine Prinzen- und Herzogstitel
entzogen wurden, spielt als Nummer acht der Thronanwärter faktisch keine Rolle
mehr. Die Familie hat ihn verstoßen und kaltgestellt: keine royalen Aufgaben,
keine militärischen Ehren, kein Palastbüro, Rausschmiss aus der komfortablen
Royal Lodge. Die Stabilität der Krone liegt bei Charles III., seinem Sohn und
Thronfolger William und dessen Frau Catherine sowie den Kindern, die die
Monarchie geradezu vorbildlich-unprätentiöser repräsentieren. Für eine
Fortsetzung der vom Publikum gefeierten Netflix-Serie "The Crown" taugt die
Causa Epstein aber allemal. / Bernd Loskant
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