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Wien (ots) - Leopold Museum eröffnete erste umfassende Courbet-Schau in
Österreich
Mit einer großangelegten Retrospektive widmet das Leopold Museum dem
französischen Ausnahmekünstler Gustave Courbet (1819-1877) die erste umfassende
Einzelausstellung in Österreich. Rund 130 Exponate - darunter 90 Gemälde und 20
Grafiken aus allen Schaffensphasen sowie zahlreiche Archivalien - bieten einen
Gesamteindruck des malerischen und grafischen OEuvres des Begründers des
Realismus. In seinen bahnbrechenden Porträts, Akten, Landschaften und Stillleben
setzte sich Courbet radikal über die idealisierenden Konventionen des 19.
Jahrhunderts hinweg.
Nach Jahren der intensiven konzeptuellen und netzwerkstrategischen Arbeit ist
die Ausstellung "Gustave Courbet. Realist und Rebell" nun Wirklichkeit geworden
und wir freuen uns sehr, unserem Publikum diese äußerst umfangreiche Personale
präsentieren zu können. Da das Gesamtwerk des Künstlers von beachtlichem Ausmaß
ist, galt es, eine sorgfältige Auswahl zu treffen, die sowohl repräsentativ für
alle Schaffensphasen ist, als auch die inhaltlichen und formalen Facetten seiner
Kunst als Maler, Zeichner und politischer Akteur entsprechend berücksichtigt.
Mit Gustave Courbet zeigen wir einen herausragenden Avantgardisten, der immer
wieder mit Konventionen gebrochen hat.
Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum und Kurator der Ausstellung
Bruch mit Bildwelten
Gustave Courbet erkannte bereits früh, dass er mit Skandalen Erfolge erzielen
konnte. Er revolutionierte die Bildsprache des 19. Jahrhunderts, indem er die
sichtbare Wirklichkeit seiner Zeit zum Gegenstand der Kunst machte. An die
Stelle historischer oder mythologischer Sujets treten Szenen aus dem
zeitgenössischen Leben. Einfache Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld -
Bäuer*innen, Arbeiter*innen oder Bürger*innen - erscheinen in monumentalem
Format, die bis dahin heroischen Themen vorbehalten war. Realismus im Sinne
Courbets bedeutet nicht bloße Wiedergabe, sondern eine programmatische
Hinwendung zur Gegenwart, einen bewussten Verzicht auf Idealisierung und einen
nahezu pastosen Malduktus.
Courbets Darstellungsweise markiert einen entscheidenden Bruch mit der
romantisierenden Malerei. Mit dem intensiv eingesetzten Palettenmesser baut er
das Bild aus übereinander gelagerten Farbschichten nahezu skulptural auf und
schafft eine radikal realistische, nahsichtige Bildwelt, die nicht
illusionistisch täuschen, sondern Materialität erfahrbar machen will. Gerade
diese technisch unkonventionelle Malweise macht Courbet zu einem Wegbereiter der
modernen Malerei.
Niklaus Manuel Güdel, Kurator der Ausstellung
Hochrangige internationale Leihgaben
Ein frühes Hauptwerk dieser künstlerischen Neuorientierung und gleichzeitig
eines der Highlights der Ausstellung ist Nach dem Abendessen in Ornans (1849,
Palais des Beaux-Arts de Lille). Die großformatige Darstellung einer
alltäglichen Szene aus seiner Heimatstadt wurde im Pariser Salon ausgezeichnet
und vom französischen Staat angekauft. Damit erhielt erstmals ein alltägliches
Motiv als Großformat in der Dimension eines Historienbildes offizielle
Anerkennung. Die Präsentation dieses selten verliehenen Gemäldes in Wien
unterstreicht die Bedeutung dieser Ausstellung, die zahlreiche wichtige
internationale Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen vereint.
Courbets künstlerische Position ist eng mit seinem Verständnis von Autonomie
verbunden. In Die Begegnung , auch bekannt als Bonjour, Monsieur Courbet (1854,
Musée Fabre, Montpellier), tritt der Maler seinem Mäzen selbstbewusst auf
Augenhöhe gegenüber und formuliert somit seinen Anspruch auf Unabhängigkeit. Als
seine Werke 1855 bei der Pariser Weltausstellung nur unzureichend berücksichtigt
werden, reagiert er mit der Errichtung eines eigenen Ausstellungspavillons.
Dieser Schritt markiert einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen Künstler und
Institution und gilt als Meilenstein moderner Ausstellungspraxis.
Der radikale Realismus Courbets zeigt sich auch in Der Ursprung der Welt (1866).
Die direkte, nicht idealisiert dargestellte Körperlichkeit des weiblichen Aktes
bricht mit tradierter Bildikonografie und fordert die moralischen Konventionen
der Zeit heraus. Das Werk, das sich seit 1995 im Musée d'Orsay befindet und
seither erst zum vierten Mal außerhalb Frankreichs gezeigt wird, zählt zu den
zentralen Exponaten der Wiener Retrospektive.
Politischer Rebell
Courbets Selbstverständnis als unabhängiger Künstler schlägt sich auch in seinem
politischen Engagement nieder. Mit der Ausrufung der Dritten Republik im Jahr
1870 und insbesondere während der Pariser Kommune 1871 übernimmt er
Verantwortung im öffentlichen Kunstwesen. Kunst und politisches Handeln stehen
bei Courbet in engem Zusammenhang - beides folgt dem Anspruch auf
Eigenständigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Nach der gewaltsamen
Niederschlagung der Kommune wird er inhaftiert und später zu hohen finanziellen
Leistungen verurteilt. Die zunehmende politische und wirtschaftliche Isolation
zwingt ihn ins Schweizer Exil, wo er 1877 im Alter von 58 Jahren stirbt.
Schau in der Donaumetropole
Bereits 1873 hatte Courbet erwogen, sein Schaffen in der Donaumetropole im
Rahmen einer umfassenden Retrospektive zu präsentieren. Mit großen Erwartungen
blickte er auf das Wiener Parkett - Hoffnungen, die sich zu seinen Lebzeiten
jedoch nicht erfüllten. Die Ausstellung im Leopold Museum verwirklicht nun -
mehr als 150 Jahre später - gewissermaßen den Wunsch einer ambitionierten Wiener
Präsentation, die Courbet sich einst vergeblich erträumte, und unterstreicht
eindrucksvoll die anhaltende Aktualität und Bedeutung seines revolutionären
Werks. Neben den ikonischen Hauptwerken werden auch bislang wenig beachtete
Aspekte - darunter Zeichnungen und die prägenden Jahre im Exil - in den Fokus
gerückt und in einen kunsthistorischen Kontext gestellt. Die Präsentation
umfasst frühe Selbstporträts, ebenso wie Landschaften aus Ornans, Jagdszenen,
Meeres- und Grottendarstellungen, Akte sowie Arbeiten, die während seines
Gefängnisaufenthalts und im Schweizer Exil entstanden, verdeutlichen die
thematische Vielfalt. Zeichnungen und Grafiken werden gleichwertig neben den
Gemälden präsentiert und erweitern den Blick auf Courbets künstlerische Praxis.
Einfluss bis in die Kunst der Gegenwart
Im Atrium treten Werke von Yan Pei-Ming und Georg Baselitz in einen imaginären
Dialog mit Courbet. Die Gegenüberstellung schärft den Blick nicht nur in Bezug
auf die Technik und Malweise, sondern zeigt auch die Aktualität eines Künstlers,
dessen kompromissloses Verständnis von Autonomie und Wirklichkeit die Kunst bis
heute herausfordert.
Ehrenschutz und Schirmherrschaft der Präsidenten Frankreichs, Deutschlands und
Österreichs
Die Schau steht unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen,
Bundespräsident der Republik Österreich, sowie unter der Schirmherrschaft des
französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und des deutschen
Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und wird anschließend in einer zweiten
Station im Museum Folkwang in Essen gezeigt.
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in deutscher und englischer
Sprache erschienen.
Kuratoren: Hans-Peter Wipplinger, Niklaus Manuel Güdel
Gustave Courbet. Realist und Rebell
19.02.-21.06.2026 | Ebene -1
Link zur Ausstellungsseite (https://www.leopoldmuseum.org/gustavecourbet)
Link zu weiterführenden Presseunterlagen und druckfähigem Bildmaterial
(https://www.leopoldmuseum.org/de/presse/presseunterlagen?cat=2)
Link zur Fotogalerie der Ausstellungseröffnung
(https://www.apa-fotoservice.at/galerie/39705)
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum Folkwang
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