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Berlin (ots) - Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt in der Diskussion um
Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche risikoorientierte Lösungsansätze
an, die sowohl rechtlich als auch technisch umsetzbar sind. Maßgeblich für
politische Lösungsansätze muss aber eine ganzheitliche Berücksichtigung der
Rechte von Kindern und Jugendlichen bleiben so wie sie die
UN-Kinderrechtskonvention vorgibt. Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ist
für die Eingrenzung von Risiken im Zusammenhang mit Social Media der bereits
bestehende Rechtsrahmen zumindest bedingt trag- und ausbaufähig, und muss
konsequenter als bislang angewendet werden, um sein Potenzial zu entfalten.
Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes sind die derzeitigen parteipolitischen
Schnellschüsse an vielen Stellen kontraproduktiv. Deshalb plädiert die
Kinderrechtsorganisation nachdrücklich dafür, die von Bundesfamilienministerin
Karin Prien eingesetzte Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der
digitalen Welt" ihre fachlich fundierte Arbeit machen zu lassen und deren
Ergebnisse abzuwarten. Am Ende muss für eine nachhaltig Strategie zum Umgang mit
Online-Risiken eine verbindlich abgesicherte Medienbildung ebenso im Mittelpunkt
stehen wie eine Verantwortungsübernahme von Anbietern. Pauschale
Social-Media-Einschränkungen von jungen Menschen entmündigen Kinder und
Jugendliche und verhindern letztlich digitale Teilhabe sowie den Aufbau von
Medienkompetenz.
"Es ist wichtig, dass die Regierungsparteien zu dem von Ministerin Prien
gesetzten Fahrplan stehen und die eigens eingesetzte Expertenkommission ihre
Arbeit machen lassen. Es braucht Lösungen, mit denen risikofördernde Praktiken
von Plattformen unterbunden werden und zudem skalierbare Schutzmöglichkeiten für
unterschiedliche Altersgruppen, ohne grundsätzlich in die Teilhabemöglichkeiten
von Kindern und Jugendlichen einzugreifen. Ein Blick Richtung Großbritannien und
Australien zeigt, dass reine Ausschlussstrategien vor allem dazu führen, dass
Kinder und Jugendliche zunehmend Umgehungsstrategien zur Nutzung von Social
Media entwickeln und dadurch noch schlechter geschützt sind als zuvor. Dies
hilft weder den Kindern noch ihren Familien", betont Kai Hanke, Geschäftsführer
des Deutschen Kinderhilfswerkes.
"Wichtig ist daher vielmehr, jungen Menschen ihrem Alter entsprechende
Onlineangebote zu bieten, statt sie komplett von der digitalen Welt
auszuschließen. Das muss sich auch in einer stärkeren Verantwortungsübernahme
von Social-Media-Anbietern niederschlagen, einem Regulierungsrahmen, der diese
Verantwortungsübernahme im Sinne der Kinder und Jugendlichen verbindlich macht
und einer Medienkontrolle, die diesen Rahmen auch konsequent nutzt. Kinder von
den größten sozialen Räumen im Netz auszuschließen, weil wir Gesetze und Normen
nicht durchzusetzen wagen, ist ein Eingeständnis des Scheiterns. In der Debatte
braucht es eine stärkere Orientierung an der Lebenswelt der Kinder und
Jugendlichen und eine Diskussion darüber, wie sie Social-Media-Plattformen
nutzen können und nicht, ob sie sie nutzen dürfen", so Kai Hanke.
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