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Lauffen a.N. (ots) - Im Handwerk in NRW sind 1,5 Prozent Jobs weg - und das ist
nur die halbe Wahrheit. Denn diese Zahl ist der Durchschnitt über alle Gewerke.
In manchen Bereichen trifft es deutlich härter. Gerade Metzgereien spüren es
jetzt schon: Bewerbungen bleiben aus, gute Leute wechseln, Azubis fehlen. Wer
Personal verliert, verliert oft nicht nur Zeit, sondern auch Qualität und am
Ende Kunden.
Die Frage ist nicht: Wo finde ich noch jemanden? Die Frage ist: Warum sollten
gute Leute ausgerechnet bei mir bleiben? Im folgenden Beitrag lesen Sie, warum
der Personaldruck in Metzgereien besonders hoch ist und mit welchen einfachen
Hebeln Betriebe wieder attraktiver werden, ohne sich finanziell zu übernehmen.
Führung und Miteinander als unterschätzter Wettbewerbsfaktor
Ein zentraler Grund für die angespannte Personalsituation liegt weniger im Markt
als im Inneren vieler Betriebe. Das tägliche Miteinander, die Art der Führung
und der Umgang mit Entscheidungen prägen maßgeblich, ob Mitarbeiter bleiben oder
gehen. In zahlreichen Metzgereien werden Entscheidungen noch immer von oben
getroffen und anschließend umgesetzt, ohne das Team einzubeziehen. Dieses
Vorgehen erzeugt Distanz und verstärkt das Gefühl, lediglich ausführendes Organ
zu sein.
Moderne Führung bedeutet nicht Kontrollverlust, sondern gezielte Einbindung.
Gerade in Phasen hohen Personaldrucks ist es entscheidend, gemeinsam mit dem
Team über Lösungen zu sprechen. Fragen nach möglichen Anpassungen der
Öffnungszeiten, der Arbeitsorganisation oder der Priorisierung von Aufgaben
sollten nicht allein entschieden werden. Wird der bestehende Personalstamm aktiv
einbezogen, entsteht Verständnis für notwendige Maßnahmen und ein stärkeres
Verantwortungsgefühl.
Mitarbeiter möchten heute Teil eines funktionierenden Ganzen sein. Geld allein
reicht dafür nicht mehr aus. Entscheidend ist die Identifikation mit dem Betrieb
und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Wo stattdessen der Eindruck entsteht,
dass einer entscheidet und alle anderen reagieren müssen, geht Motivation
verloren. Eine bewusst gelebte Führungskultur kann dieses Muster durchbrechen
und den Zusammenhalt nachhaltig stärken.
Transparenz im Alltag: Wie kleine Prozesse große Wirkung entfalten
Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss von Führung im Umgang mit
alltäglichen Abläufen. Die Urlaubsplanung ist dafür ein typisches Beispiel. In
vielen Betrieben wird sie entweder vorgegeben oder rein administrativ
abgewickelt. Gerade im Handwerk, wo nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig fehlen
können, führt das regelmäßig zu Unmut und Unverständnis.
Wird die Urlaubsplanung stattdessen gemeinsam organisiert, verändert sich die
Dynamik spürbar. Klare Regeln, feste Zeitpunkte und eine offene Abstimmung
schaffen Transparenz. Jeder weiß, wann er Urlaub benötigt, welche
Einschränkungen bestehen und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden.
Wenn das Team gemeinsam priorisiert, entsteht Akzeptanz - auch dann, wenn nicht
jeder Wunsch erfüllt werden kann.
Dieses Prinzip lässt sich auf viele weitere Bereiche übertragen. Wo
Entscheidungen nachvollziehbar und gemeinsam vorbereitet werden, wächst das
Verständnis füreinander. Mitarbeiter springen eher ein, unterstützen sich
gegenseitig und entwickeln ein langfristiges Wir-Gefühl. Viele Betriebe
unterschätzen, wie stark solche scheinbar kleinen Prozesse das Betriebsklima
beeinflussen und wie viel Teambuilding-Potenzial hier ungenutzt bleibt.
Wertschätzung sichtbar machen - jenseits von Gehaltserhöhungen
Ein weiterer Hebel zur Mitarbeiterbindung liegt in der gelebten Wertschätzung.
Gemeinsame Veranstaltungen, kleine Auszeichnungen oder persönliche Gesten wirken
oft stärker als finanzielle Anreize. Wer nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit
bewusst wahrgenommen und gewürdigt wird, fühlt sich gesehen. Solche Zeichen
kosten wenig, entfalten aber eine hohe emotionale Wirkung.
Auch die Einbeziehung des privaten Umfelds spielt eine Rolle. Kleine
Aufmerksamkeiten für Familien oder gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindung an
den Betrieb. Es geht dabei nicht um Luxus, sondern um Anerkennung von Einsatz
und Loyalität. Zeit, Dankbarkeit und positive Erfahrungen bleiben länger im
Gedächtnis als einmalige Bonuszahlungen.
Gerade im Metzgerhandwerk, das körperlich fordernd ist und hohe
Einsatzbereitschaft verlangt, gewinnt diese Form der Wertschätzung an Bedeutung.
Betriebe, die ihre Mitarbeiter regelmäßig positiv hervorheben, schaffen eine
Atmosphäre, in der Leistung selbstverständlich wird, ohne permanent eingefordert
werden zu müssen.
Onboarding, Ziele und Entwicklung: Strukturen für eine neue Realität
Der Arbeitsmarkt im Handwerk verändert sich spürbar. Quereinsteiger ohne
klassischen Ausbildungsweg werden zunehmen. Für Metzgereien bedeutet das,
Einarbeitung neu zu denken. Reine persönliche Einweisung ist zeitintensiv und
für Neueinsteiger oft schwer nachvollziehbar. Einheitliche Standards, digitale
Lerninhalte und strukturierte Onboarding-Prozesse entlasten den Betrieb und
sichern Qualität.
Digitale Lösungen werden dabei häufig unterschätzt oder als zu aufwendig
betrachtet. In der Praxis bieten sie jedoch einen enormen Hebel, um Wissen
systematisch zu vermitteln und neue Mitarbeiter schneller handlungsfähig zu
machen. Gleichzeitig schaffen klare Strukturen Sicherheit und Orientierung.
Ergänzend dazu braucht es gemeinsame Ziele. Viele Betriebe verzichten darauf,
eine klare Richtung vorzugeben. Wo jedoch definiert ist, was erreicht werden
soll und wie der Weg dorthin aussieht, entsteht Motivation. Zielarbeit fördert
Leistungsbereitschaft und stärkt das Teamgefühl. Weiterbildung und die gezielte
Übertragung von Verantwortung runden dieses Bild ab. Mitarbeiter wollen sich
entwickeln und wachsen - wenn das Grundgerüst stimmt, bleiben sie auch in
herausfordernden Zeiten.
Über Tobias Fichtel:
Tobias Fichtel ist Metzgermeister, Fleischsommelier und Betriebswirt sowie
Gründer der Fichtel Consulting GmbH. Mit seiner langjährigen Erfahrung
unterstützt er klassische Handwerksmetzgereien im deutschsprachigen Raum bei der
Betriebsoptimierung. Sein Fokus liegt auf Personalführung, Struktur und
Digitalisierung - zentrale Hebel im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Mehr
Informationen unter: https://www.tobias-fichtel.de/
Pressekontakt:
Fichtel Consulting GmbH
Vertreten durch: Tobias Fichtel
E-Mail: mailto:info@tobias-fichtel.de
Website: https://tobias-fichtel.de/
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OTS: Fichtel Consulting GmbH
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