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Köln (ots) - ACV erklärt, was im Ernstfall zählt, wer informiert werden muss und
wie sich das Risiko deutlich senken lässt
Ein lauter Knall, das Fahrzeug zieht plötzlich zur Seite und wird schwer
kontrollierbar. Ein Reifenplatzer gehört zu den Situationen, die man als
Autofahrer nicht erleben möchte. In einem solchen Moment entscheiden oft
Sekunden über die Sicherheit aller Insassen. Der ACV Automobil-Club Verkehr
erläutert, welche Schritte im Ernstfall entscheidend sind, welche Maßnahmen
anschließend wichtig sind und wie sich durch gezielte Prävention das Risiko
reduzieren lässt.
Richtig reagieren im Ernstfall
Platzt ein Reifen bei hoher Geschwindigkeit, wird das Fahrzeug instabil und
zieht zur Seite. Jetzt ist vor allem eines entscheidend: Beim Vorfall selbst
ruhig bleiben und kontrolliert handeln.
1. Lenkrad fest umschließen Platzt ein Vorderreifen, zieht das Fahrzeug meist
deutlich zur beschädigten Seite. Bei einem Hinterreifen kann das Heck
instabil werden. In beiden Fällen gilt: Lenkrad fest und gerade halten.
Hektische Lenkbewegungen vermeiden und nur so viel korrigieren, wie nötig
ist, um in der Spur zu bleiben.
2. Keine Vollbremsung Eine abrupte Gewichtsverlagerung nach vorne kann das
Fahrzeug zusätzlich destabilisieren und zum Schleudern oder Überschlagen
führen. Stattdessen nur sehr sanft und dosiert bremsen.
3. Kontrolliertes Ausrollen und Motorbremse nutzen Fuß vom Gas nehmen und die
Motorbremse nutzen. Erst dann in einen niedrigeren Gang schalten, wenn das
Fahrzeug bereits deutlich langsamer ist. Bei Automatikfahrzeugen unterstützt
das Getriebe die Verzögerung in der Regel automatisch. Ziel ist es, die
Geschwindigkeit kontrolliert zu verringern, bis ein sicheres Lenkmanöver
Richtung Standstreifen möglich ist.
4. Warnblinklicht aktivieren So früh wie möglich die Warnblinkanlage
einschalten, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen und das Risiko eines
Auffahrunfalls zu reduzieren.
Pannenstelle absichern
Sobald das Fahrzeug auf dem Standstreifen oder in einer Notbucht zum Stillstand
gekommen ist, sollte die Pannenstelle abgesichert werden.
1. Warnweste vor dem Aussteigen Reflektierende Warnwesten noch im Fahrzeug
anlegen. Dies gilt für alle Mitfahrer. Warnwesten möglichst griffbereit im
Innenraum aufbewahren, damit sie im Ernstfall sofort verfügbar sind.
2. Aussteigen zur verkehrsabgewandten Seite Fahrzeug niemals zur Fahrbahnseite
hin verlassen. Ausstieg immer zur Beifahrerseite, um den Gefahrenbereich der
fließenden Fahrspur sofort zu verlassen.
3. Aufenthalt hinter der Leitplanke Alle Passagiere sofort hinter die schützende
Leitplanke bringen und dort im sicheren Abstand zum Verkehr bleiben. Nicht
auf dem Standstreifen auf- und ablaufen.
4. Warndreieck richtig platzieren Auf Autobahnen sollte das Warndreieck in
großem Abstand vor der Pannenstelle aufgestellt werden, etwa 150 bis 200
Meter. Als Orientierung dienen Leitpfosten im Abstand von 50 Metern. Drei bis
vier Pfostenlängen entgegen der Fahrtrichtung zurückgehen und das Warndreieck
gut sichtbar platzieren. Bei Kurven oder Kuppen den Abstand entsprechend
größer wählen.
Wer informiert werden muss
Polizei
Eine generelle Pflicht zur Verständigung besteht bei einem reinen Reifenschaden
nicht. Die Polizei sollte jedoch informiert werden, wenn durch den Reifenplatzer
ein Unfall oder eine Gefährdung entstanden ist, etwa durch Trümmerteile auf der
Fahrbahn, blockierte Spuren oder beschädigte Fahrzeuge. Bei Verletzten ist der
Notruf 112 zu wählen .
Pannenhilfe
Ein Reifenwechsel am Fahrbahnrand ist grundsätzlich erlaubt, jedoch mit
erheblichen Risiken verbunden, besonders auf Schnellstraßen oder Autobahnen.
Sicherer ist es, den Pannendienst zu verständigen, vor allem wenn das Fahrzeug
nicht mehr sicher fahrbereit ist oder Zweifel an möglichen Folgeschäden
bestehen.
Versicherung: Wer die Kosten übernimmt
Ob die Kfz-Versicherung zahlt, hängt vor allem davon ab, warum der Reifen
geplatzt ist. Wurde beispielsweise ein größerer Fremdkörper überfahren, kann je
nach Vertrag die Vollkaskoversicherung Folgeschäden am Fahrzeug übernehmen.
Wird ein Reifen mutwillig beschädigt, etwa durch Vandalismus, greift je nach
Vertrag die Teilkasko. War ein anderer Verkehrsteilnehmer verantwortlich, etwa
durch verlorene Ladung auf der Fahrbahn, übernimmt in der Regel dessen
Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden.
Platzt der Reifen dagegen ohne äußere Einwirkung, etwa durch Verschleiß,
Materialermüdung oder Überhitzung, gilt das meist als Betriebsschaden. In
solchen Fällen bleiben die Kosten in der Regel beim Fahrzeughalter. Entscheidend
ist die konkrete Schadensursache und die Ausgestaltung des jeweiligen Vertrags.
Typische Auslöser für Reifenplatzer
- Falscher Reifendruck
Ein zu niedriger Luftdruck ist eine häufige Ursache. Die Reifenflanken werden
dadurch übermäßig stark gewalkt, was zu einer erheblichen Hitzeentwicklung
führt. Diese Hitze kann den Reifen von innen beschädigen.
- Überladung
Jedes Fahrzeug und jeder Reifen hat eine definierte Traglast. Wird diese
dauerhaft überschritten, ermüdet das Material vorzeitig und kann schlagartig
reißen.
- Vorschäden durch Hindernisse
Das harte Überfahren von Bordsteinkanten oder Schlaglöchern kann das innere
Karkassengewebe verletzen. Solche Schäden bleiben oft über Wochen unsichtbar,
bis der Reifen unter hoher thermischer Belastung nachgibt.
- Materialalterung
Mit den Jahren verliert das Gummi seine Weichmacher und wird spröde. Der ACV
empfiehlt, Reifen ab einem Alter von sechs bis acht Jahren besonders kritisch zu
prüfen und gegebenenfalls ersetzen zu lassen, unabhängig von der vorhandenen
Profiltiefe.
ACV Checkliste: Reifenplatzer vorbeugen
Vorsorge ist der beste Schutz vor Unfällen. Regelmäßige Prüfung reduziert das
Risiko deutlich:
- Reifendruck-Kontrollsysteme
Moderne Fahrzeuge sind mit Sensoren ausgestattet, die Druckverluste frühzeitig
melden. Warnmeldungen nicht ignorieren und den Druck zeitnah prüfen.
- Sichtprüfung
Reifen regelmäßig auf eingefahrene Fremdkörper oder Risse in der Seitenwand
kontrollieren.
- Profiltiefe beachten
Der ACV empfiehlt für Sommerreifen mindestens drei Millimeter und für
Winterreifen vier Millimeter Profiltiefe.
- Lagerung
Reifen kühl, trocken und dunkel lagern, um den Alterungsprozess zu verlangsamen.
Pressekontakt:
Philipp Mathey
Pressesprecher
An der Wachsfabrik 5
50996 Köln
Telefon: +49 2236 94 98 104
E-Mail: mailto:mathey@acv.de
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OTS: ACV Automobil-Club Verkehr
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