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Düsseldorf (ots) -
- Regulatorik als größter Treiber: E-Invoicing (87 %) hat stärksten Einfluss auf
Automatisierung
- 94 % nutzen weiterhin Excel und erhalten hiermit Lücken innerhalb der
Systemlandschaft
- Steuerfunktion entwickelt sich zum Business-Enabler: bereits heute arbeiten 58
% in Mischrolle "Compliance und Beratung"
In der deutschen Steuerlandschaft entwickelt sich die Automatisierung der
Steuerfunktion vom Trendthema zum neuen strategischen Gebot. Was treibt, was
hemmt die Automatisierung? Worauf sollten Unternehmen bei der Entwicklung
automatisierter Prozesse achten? Welche Rolle wird die Steuerfunktion in Zukunft
übernehmen; welche wird sie an die Künstliche Intelligenz (KI) abtreten? In der
aktuellen Studie "Tax Technology 3.0"*, gemeinsam mit Lünendonk, gibt Grant
Thornton in Deutschland Einblicke in die Zukunft der digitalen Transformation
der Steuerfunktion.
Regulatorik ist dominanter Digitalisierungs-Treiber
Steigende regulatorische Anforderungen und internationale Berichtspflichten
gehören zu den stärksten Treibern für den Wandel in der Steuerfunktion. 87
Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass E-Invoicing den größten
Einfluss auf die Steuerfunktion hat. 57 Prozent sehen die Regulatorik im Bereich
der globalen Mindestbesteuerung durch Pillar 2 als größten Treiber an, 29
Prozent nennen die bürokratischen Hürden im ESG-Bereich. Automatisierung von
Prozessen findet sich daher aktuell besonders im Bereich der VAT-Meldungen (57
Prozent) und des Reportings (54 Prozent).
Lückenlose System-Architektur und hohe Datenqualität sind entscheidend für
Automatisierung der Steuerfunktion
Automatisierung und Künstliche Intelligenz bieten Potenzial für erhöhte
Transparenz und Entscheidungsunterstützung. Auf dem Weg zur Automatisierung wird
dabei eine funktionierende Prozesslandschaft entscheidender sein als lückenhaft
verknüpfte, aber im Einzelnen perfektionierte Tool-Lösungen. Die Studie macht
deutlich: Deutsche Unternehmen schätzen ihren Digitalisierungsgrad deutlich
höher ein, als es in der Realität der Fall ist. So bewerten 23 Prozent der
Unternehmen den Stand der Transformation ihres Unternehmens mit "hoch", 45
Prozent mit "mittel".
Dennoch nutzen ganze 94 Prozent der befragten Unternehmen weiterhin
hauptsächlich Excel als "Vermittler" zwischen unterschiedlichen Systemen - und
erhalten so eine Lücke in der System-Architektur. 85 Prozent nutzen ERP-Systeme
wie SAP; nur 33 Prozent KI- und Automatisierung als hauptsächliche Tools. Hinzu
kommt: Während 89 Prozent der Unternehmen ihr Stammdatenmanagement bereits über
ERP-Systeme betreiben, liegen bei knapp zwei Dritteln der befragten Unternehmen
(61 Prozent) relevante Daten weiterhin in Excel-Dateien oder vielfach an
dezentralen Stellen ab. Dieses Bild zeichnet sich ebenfalls bei der Betrachtung
der größten Hemmnisse beim Einsatz neuer Technologien ab: die mit
Budgetrestriktionen (71 Prozent), Systemintegration (63 Prozent) und
Datenqualität (56 Prozent) angegeben werden.
Aktuell geringer Einsatz von KI im Bereich der Steuerfunktion
Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (44 Prozent) setzt bisher keine
KI-Lösungen im Bereich der Steuerfunktion ein. Die Unternehmen, die KI nutzen,
setzen sie v.a. zur Dokumentengenerierung (35 Prozent), zur Anfragebeantwortung
(Chat Bots) (33 Prozent) oder zum Invoice-Matching (ein Viertel) ein.
Die verschiedenen KI-Technologien kommen unterschiedlich stark zum Einsatz: In
27 Prozent der Unternehmen sind RPA-Tools (regelbasierte Automatisierung) im
produktiven Stadium; im Bereich der Generativen KI sind es 21 Prozent, und beim
Machine Learning 14 Prozent. Die nächste Entwicklung, Agentic AI, steht bereits
in den Startlöchern: Zwar haben 71 Prozent der Unternehmen bisher keine Agentic
AI im Einsatz, jedoch befinden sich 15 Prozent der Unternehmen hiermit in der
Planungs- und 14 Prozent in der Pilot-Phase. Keines der befragten Unternehmen
setzt Agentic AI aktuell im produktiven Stadium ein.
Die Steuerfunktion der Zukunft: wertschöpfender Business-Enabler
"Wir sehen einen klaren Trend in der Entwicklung der Steuerfunktion", erklärt
Stefanie Nattkämper-Scholz, Partnerin und Sprecherin des Geschäftsbereichs Tax
bei Grant Thornton in Deutschland. "Compliance und Beratung werden sich
strukturell trennen. Compliance-Themen werden in Zukunft häufiger durch eine
automatisierte Infrastruktur bearbeitet, während die Expertinnen und Experten in
der Steuerfunktion vermehrt Beratungsaufgaben übernehmen. Basierend auf der
Unterstützungsfunktion neuester Technologien, wird sich die Steuerfunktion daher
zukünftig zum Business-Enabler und internen Berater weiterentwickeln."
Bisher war die Arbeit der Steuerfunktion von externen Faktoren geprägt,
arbeitete häufig reaktiv und erbrachte in der Regel Compliance-Services. In
Zukunft werden automatisierte Prozesse verstärkter Teil der Arbeitsrealität der
Steuerfunktion werden und den Bereich Compliance übernehmen, sodass sich die
Teams zu wertschöpfenden, internen Beratern weiterentwickeln werden. Diese
Entwicklung zeichnet sich schon heute ab: So hat in den befragten Unternehmen
die Steuerfunktion bereits heute Einfluss auf die Investitionsplanung (63
Prozent), auf operative Themen (60 Prozent) und auf Standortwahl und
Lieferketten-Thematiken (45 Prozent). Die Veränderung der Steuerfunktion wird
auch in ihrem aktuellen Selbstverständnis deutlich: Stand heute verstehen sich
nur noch 11 Prozent der Steuerfunktionen als reine Compliance-Abteilung. Der
überwiegende Teil der Steuerfunktionen (58 Prozent) identifiziert sich bereits
als Mischrolle aus Compliance und Beratung; 15 Prozent sehen sich schon jetzt
als Business-Enabler und 16 Prozent als voll integrierter Planungsstab.
Das Studienbooklet ist auf Anfrage erhältlich.
*Über die Studie
Die Studie "Tax Technology 3.0" wurde auf Initiative von Lünendonk in
Kooperation mit DCCS, Ecovis, Grant Thornton, KMLZ und WTS durchgeführt. Im
Zeitraum September bis November 2025 wurden 84 Unternehmen mit Sitz in
Deutschland, hiervon 25 Klein- und Mittelständler, 28 Großunternehmen und 31
Konzerne, aus diversen Branchen wie Chemie, Pharma und Life Science,
Maschinenbau, Automotive und Handel, durch Lünendonk befragt. Je ein Viertel der
Teilnehmenden waren Tax Manager, CEOs bzw. CFOs oder Leiter der Steuerfunktion,
die zu Themen wie Treibern und Hemmnissen der Automatisierung, Einbindung von KI
in Unternehmensprozessen sowie zum zukünftigen Selbstverständnis der
Steuerfunktion befragt wurden. Bei den Befragungen kamen, bei einem
Mixed-Methods-Ansatz, vor allem standardisierte telefonische Interviews mit
geschlossenen sowie offenen Fragen zum Einsatz.
Über Lünendonk
Lünendonk & Hossenfelder, mit Sitz in Mindelheim (Bayern), analysiert seit dem
Jahr 1983 die europäischen Business-to-Business-Dienstleistungsmärkte (B2B). Im
Fokus der Marktforscher stehen die Branchen Digital & IT, Business Consulting,
Audit & Tax, Real Estate Services, Personaldienstleistung (Zeitarbeit,
IT-Workforce) und Weiterbildung. Zum Portfolio zählen Studien, Publikationen,
Benchmarks und Beratung über Trends, Pricing, Positionierung oder
Vergabeverfahren. Weitere Informationen: http://www.luenendonk.de
Über Grant Thornton in Deutschland
Die Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gehört zu den zehn größten
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland. Rund 2.000 Mitarbeitende
betreuen an zehn Standorten neben dem gehobenen Mittelstand auch börsennotierte
Unternehmen. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen besteht aus den
Geschäftsbereichen Audit & Assurance, Tax, Advisory und Legal. Die Gesellschaft
ist rechtlich selbständig und unabhängig. Um die nationalen Kunden auch
international gut begleiten zu können, ist die Gesellschaft Mitglied im
internationalen Netzwerk Grant Thornton International Ltd. (GTIL). GTIL und
deren Mitgliedsfirmen sind keine weltweite Partnerschaft, sondern rechtlich
selbständige Gesellschaften. Mit rund 80.000 Mitarbeitenden in über 150 Ländern
berät das Grant Thornton Netzwerk Unternehmen auf der ganzen Welt. Weitere
Informationen: http://www.grantthornton.de
Pressekontakt:
Corporate Communications Grant Thornton in Deutschland
mailto:kommunikation@de.gt.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/83393/6224400
OTS: Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
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