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Osnabrück (ots) - Osnabrück. Angesichts einer steigenden Zahl von Übergriffen
auf Einsatzkräfte hat der Osnabrücker Polizeipräsident Friedo de Vries eine
zunehmende Aggressivität und "Verrohung" in Teilen der Gesellschaft beklagt.
"Die Zündschnur ist kürzer geworden", stellte de Vries im Interview mit der
"Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) fest. Es sei nicht hinzunehmen, dass
Polizeibeamte im Dienst ständig beleidigt, bedroht, angespuckt oder angegriffen
würden. Er verurteile diese Entwicklung "aufs Schärfste".
Neben der Polizei seien zunehmend auch Feuerwehrleute, medizinisches Personal,
Journalisten und Politiker von Anfeindungen betroffen. Laut de Vries hat der
Respekt gegenüber staatlichen Akteuren insgesamt spürbar nachgelassen.
"Vielleicht haben Teile unserer Gesellschaft auch verlernt oder kein Interesse,
sachlich und lösungsorientiert zu streiten, Kompromisse zu finden, ohne
physische oder psychische Gewalt auszuüben", sagte der Polizeipräsident.
Als Ursache für wachsende Wut und Empörung nannte er unter anderem Hass im Netz
sowie die gezielte Verbreitung verkürzter Videos von Polizeieinsätzen, die ein
"Zerrbild" der täglichen Arbeit erzeugten. Mit zusammengeschnittenen Szenen aus
Einsatzsituationen, in denen die Polizei gehalten sei beziehungsweise provoziert
werde, Gewalt anzuwenden, werde oftmals bewusst ein falsches Bild polizeilicher
Eingriffe vermittelt.
Trotz der Gefahren im Einsatz- und Streifendienst wirbt de Vries weiterhin für
den Polizeiberuf. Dieser sei nach wie vor "sinnstiftend" und biete eine große
Vielfalt. Auf die Risiken würden junge Anwärter heute unter anderem durch
modernes Training mit VR-Brillen vorbereitet.
Der 61-jährige de Vries, der 1981 in den Polizeidienst eintrat, leitet die
Polizeidirektion Osnabrück seit Juni 2025. Mit rund 3000 Beschäftigten in vier
Polizeiinspektionen - vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln -
und der Zentralen Kriminalinspektion ist die Osnabrücker Direktion für die
Sicherheit von mehr als 1,4 Millionen Einwohnern im "Dreiländereck"
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Niederlande verantwortlich.
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