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Teheran (ots) - Die Hoffnung hat viele Gesichter. Angstvolle, schuldbewusste und
traurige gehören zur Zeit in einem Krieg dazu, der zwar völkerrechtlich
fragwürdig ist, aber dem ganz normalen Gerechtigkeitsempfinden entgegenkommt.
Wer jetzt das Gesicht von Donald Trump einblendet, in dem davon wenig zu lesen
ist, wird sich vielleicht seiner Hoffnung schämen, aber doch darum beten, dass
der Krieg, den Israel und die USA gegen den Iran begonnen haben, jenes Ergebnis
hat, dass sich alle freiheitsliebenden Menschen wünschen: eine Niederlage des
grausamen Mullah-Regimes mit möglichst wenig Opfern und dem Sturz der
Theokratie.
Ein frommer Wunsch, der sich trotz KI-gesteuerter Abwehrtechnik auf beiden
Seiten der Gegner nicht ohne Opfer erfüllen wird - verbunden möglicherweise auch
mit dem Tod von Menschen, die vor Kurzem im Iran noch unter Lebensgefahr gegen
ein System aufbegehrt haben, dass die persönliche Freiheit jedes Einzelnen
ignoriert und vor Mord, Totschlag und Folter nicht zurückschreckt.
Man könnte jetzt die vermutlich zu befürchtenden Opferzahlen des gnadenlosen
Regimes bei seinem Weiterbestehen gegen die zu erwartenden Opfer des Krieges
aufrechnen. Aber zu welchem Ergebnis man auch kommen mag - einmal begonnen, wäre
der Krieg ohne Ergebnis sinnlos. Immerhin hat er das Ziel, das Volk der Iraner
zu befreien und in absehbarer Zeit die mögliche Nutzung von atomaren Waffen
durch die Mullahs zu verhindern. Gelingt das nicht, wären alle bisherigen Opfer
umsonst gewesen.
Hier wird eine Frage deutlich, die sich bei vielen Kriegen immer wieder stellt:
Ist es sinnvoll, unter dem Zugriff eines Systems zu leiden, dass man als
zutiefst grausam und ungerecht empfindet, oder sind der Mut und die Aggression
gerechtfertigt, Leben zu riskieren für die Freiheit? In der Ukraine bewundern
wir jene Kämpfer, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um nicht unter Putins
Autokratie leben zu müssen. Im Iran und auch in Israel allerdings haben die
zivilen Bewohner zur Zeit keine Wahl. Und da fragt man sich, wie sie im
Ernstfall für sich entscheiden würden.
Das beschwert die Hoffnung auf die opferreiche Vernichtung eines gefährlichen
Systems, bei der unschuldige Menschen sterben werden. So bleiben Mitleid,
Zustimmung, Zorn oder Entsetzen angesichts dessen, was gegenwärtig im Nahen
Osten geschieht, eine individuelle Konsequenz, die jeder für sich ziehen muss.
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Fuldaer Zeitung
Manfred Schermer
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