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Hamburg (ots) - In der neuen Folge des N-JOY Podcasts "Deutschland3000" trifft
Eva Schulz auf Dr. Mertcan Usluer. Der Gynäkologe und Content Creator, der als
"Gynäkollege" Hunderttausende Follower auf Instagram und TikTok hat, kritisiert
im Gespräch strukturelle Probleme im Gesundheitssystem. Außerdem erzählt er,
dass er seit Januar dieses Jahres wegen eines Burnouts nicht mehr im Krankenhaus
praktiziert.
"Ich habe teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann operiert"
Der Burnout sei auch durch die Klinikarbeit zustande gekommen, so Usluer. Der
Wunsch anderen zu helfen, werde von Arbeitgebenden, Krankenkassen und dem
Gesundheitssystem ausgenutzt. Das betreffe nicht nur Ärzte, sondern etwa auch
Pfleger, Hebammen und das Reinigungspersonal. Der Gynäkologe erzählt: "Ich habe
teilweise 20 Stunden gearbeitet und dann kam ein Notfall und ich muss nachts
noch eine Person operieren. Du kannst mir nicht sagen, dass ich top of my game
bin und fit genug bin, um einen Menschen neben mir in der Hand zu haben, nachdem
ich 20 Stunden nichts gegessen habe, gar nicht geschlafen habe und gerade so
stehen kann."
Usluer kritisiert im Gespräch außerdem, dass die Mehrheit der Menschen im
Gesundheitssystem benachteiligt werde - etwa Frauen, queere Menschen,
migrantisierte Menschen und Menschen mit Behinderungen. "Das sind alles
Personengruppen, die es einfach statistisch bewiesen auch schlechter haben und
schwerer haben, eine faire Gesundheitsversorgung zu bekommen."
"Es ist peinlich, dass wir den weißen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt
haben"
Der Arzt führt weiter aus: "Es ist peinlich, dass wir seit Jahrhunderten den
weißen Hetero-Cis-Mann als Normkörper betitelt haben und sagen, okay, alles
andere soll sich einfach daran orientieren. Es ist schlimm, dass Frauen dieselbe
Dosis von Schlafmedikamenten zum Beispiel bekommen und dann am nächsten Tag
Autounfälle passieren, weil das einfach eine zu hohe Dosis war und weil wir nie
an Frauen dieses Medikament erforscht haben. Oder dass Herzinfarkte siebenmal
häufiger fehldiagnostiziert werden bei Frauen in der Notaufnahme. Oder dass
schwarze Mütter drei- bis viermal häufiger unter Geburt sterben."
"Medizin muss man nicht über sich ergehen lassen"
Am Ende des Gesprächs macht Usluer noch einmal Mut zur Veränderung: "Medizin ist
nichts, was man über sich ergehen lassen muss. Nicht mehr. Man darf das
einfordern. Und man darf auch sagen: 'Ey, das passt mir gerade nicht.' Man darf
sich stark für sich selber machen. In jedem Bereich, aber vor allem in der
Gesundheit."
Die neue Folge "Deutschland3000" mit Mertcan Usluer ist ab sofort in der ARD
Audiothek und überall dort verfügbar, wo es Podcasts gibt.
Link zum Podcast "Deutschland3000 mit Eva Schulz":
https://1.ard.de/-Deutschland3000?pm
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